Gesundheit
Mehr Corona-Ansteckungen: Höchster Wert aller Flächenländer

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Nordrhein-Westfalen steigt weiter. Das Land will aber keine verschärften Regeln. In Hamm sinkt der Warnwert nur in extrem kleinen Schritten.

Mittwoch, 07.10.2020, 15:54 Uhr aktualisiert: 07.10.2020, 16:02 Uhr
Eine Mitarbeiterin bereitet Proben von Menschen mit Covid-19 Verdacht für die weitere Analyse vor. Foto: Sven Hoppe

Düsseldorf (dpa/lnw) - Die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Nordrhein-Westfalen nimmt weiter deutlich zu. Am Mittwoch meldete das Landeszentrum Gesundheit landesweit 25,4 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen - so viele wie zuletzt Mitte April. Damit steht NRW nach Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) an der Spitze aller deutschen Flächenländer.

Von den 53 Kreisen und kreisfreien Städten im Land ist in fast jedem fünften Verwaltungsgebiet (10) die Vorwarnstufe von 35 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen überschritten. Ab diesem Wert gelten in NRW bereits Einschränkungen etwa für private Feiern, Fußball-Bundesligaspiele müssen ohne Zuschauer stattfinden.

Besonders betroffen war nach offiziellen Zahlen des RKI vom Mittwoch weiterhin die Stadt Hamm, die mit 94,9 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern in einer Woche auch bundesweit weiterhin an der Spitze stand. Auch Remscheid lag mit einem Wert von 61,3 weiterhin über der wichtigen Grenze von 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in einer Woche. Ab diesem Wert müssen die Behörden in NRW zwingend weitergehende Einschränkungen für das öffentliche Leben erlassen.

Knapp unter dieser Grenze lagen Solingen und Hagen (beide 47,7). Dahinter folgten Gelsenkirchen (43,0), Wuppertal (42,6), Duisburg (42,1), Essen (39,6), Köln (39,6) und Leverkusen (38,5).

Vor diesem Hintergrund plant das Land NRW derzeit aber keine weiteren Verschärfungen bei den Schutzmaßnahmen. Statt neuer sollen die derzeitigen Regelungen stärker durchgesetzt werden, wie eine Sprecherin des NRW-Gesundheitsministeriums sagte. «Die Landesregierung beobachtet das Infektionsgeschehen fortlaufend und befindet sich mit den besonders betroffenen Kommunen im Austausch», teilte das Ministerium am Mittwoch mit.

Nach Angaben der Stadt geht die Zahl der Neuinfektionen in Hamm zwar nur in sehr kleinen Schritten zurück. Eine weitere Verschärfung der Maßnahmen sei aber nicht geplant. In Hamm gelten bereits - vorerst bis Ende Oktober - schärfere Corona-Regeln als vom Land vorgegeben. So müssen private Feiern auch in der eigenen Wohnung ab einer Teilnehmerzahl von 25 Personen bei der Stadt angemeldet werden. Erst wenn die Neuinfektionen unter den Wert von 50 sinken, gilt eine Meldepflicht ab 50 Teilnehmern.

In Hamm war es zu zahlreichen Corona-Infektionen nach einer Hochzeitsfeier gekommen. Nach Angaben eines Stadtsprechers stehen die bislang gemeldeten Infektionen fast ausschließlich im Zusammenhang mit dieser Feier. Bei der Nachverfolgung seien zum Teil Verbindungen über mehrere Stationen entdeckt worden.

Die Stadt Essen beschloss angesichts der Überschreitung der Infektionskennzahl von 35, vom kommenden Montag an Privatfeiern im öffentlichen Raum auf 50 Teilnehmer zu begrenzen. Feiern mit mehr als 25 Teilnehmern müssen beim Ordnungsamt angemeldet werden. «Das Ordnungsamt ist auf zahlreiche Anmeldungen vorbereitet», sagte eine Sprecherin. Andere Kommunen mit Anmeldepflicht hatten von dreistelligen Anmeldezahlen in kurzer Zeit berichtet.

Sollte die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen die Zahl 50 überschreiten, werde die Teilnehmerzahl bei Feiern auf 25 begrenzt. Alle Maßnahmen würden mit dem Land und der Bezirksregierung abgestimmt, sagte eine Sprecherin. Essen hatte am Mittwochmorgen bei dem wichtigen Warnwert 39,6 Corona-Infektionen erreicht.

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