Gesellschaft
Laumann: Schicksal der «Verschickungskinder» aufarbeiten

Düsseldorf (dpa/lnw) - Sie wurden in vermeintliche Kinderkuren geschickt, doch dort erwartete die sogenannten Verschickungskinder oft eine Tortur: Nordrhein-Westfalens Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) hat die Aufarbeitung des Schicksals ehemaliger Kinder zugesagt, die in Kurheimen zwischen den 1950er und 1980er Jahren misshandelt wurden. «Es wird Zeit, Licht in das Dunkel zu bringen und das Leid der Opfer anzuerkennen», sagte Laumann am Mittwoch im Landtag in Düsseldorf.

Mittwoch, 07.10.2020, 15:16 Uhr aktualisiert: 07.10.2020, 15:22 Uhr
Karl-Josef Laumann (CDU), Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen. Foto: Federico Gambarini

Anlass der Debatte war ein Antrag der SPD-Fraktion, in dem mehr Hilfe des Landes für die sogenannten Verschickungskinder gefordert wird. So solle das Land die Schaffung niedrigschwelliger therapeutischer Hilfsangebote für Betroffene unterstützen, fordert die SPD. Ein Runder Tisch mit den beteiligten staatlichen Stellen und Vertretern der Opfer solle einberufen werden, um «Möglichkeiten der Aufklärung und Unterstützung zu besprechen».

Als «Verschickungskinder» wurden Jungen und Mädchen bekannt, die nach 1945 bis in die 1980er Jahre hinein von ihren Eltern in guter Absicht in Kinderkuren geschickt wurden, etwa an die Nordsee, in den Harz und in den Schwarzwald. Die einstigen jungen Kurgäste berichteten später etwa von Schlafentzug, Schlägen, Isolierung, Zwangsmahlzeiten und Anstaltskleidung. In mehreren Bundesländern haben sich die Betroffenen inzwischen organisiert.

Die Aufarbeitung stehe noch ganz am Anfang, sagte Laumann. «Das Ausmaß der Misshandlung lässt sich nur erahnen.» Auf Bundesebene habe die Jugend- und Familienministerkonferenz eine Studie beschlossen. Der Bund müsse dafür den Forschungsauftrag geben. Im NRW-Gesundheitsministerium gebe es eine Arbeitsgruppe, die sich mit dem Schicksal der damaligen Kinder beschäftige.

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