Wichtige Informationen für Isolation
Gesundheitsämter bekommen bei positiven Corona-Tests keine Laborwerte mitgeteilt

Köln -

Rund 70 Prozent der Gesundheitsämter bekommen bei positiven Corona-Tests nicht den Ct-Wert der Infizierten mitgeteilt. Dieser Wert kann aber wichtig sein, wenn es darum geht, zu bestimmen, ob und wie lange ein Infizierter in Quarantäne bleiben muss.

Mittwoch, 07.10.2020, 18:44 Uhr
Foto: dpa (Symbolbild)

Gemeinsame Recherchen des WDR, NDR und der Süddeutschen Zeitung haben ergeben, dass nur rund 30 Prozent der Gesundheitsämter in Deutschland wichtige Informationen von den Laboren zu Corona-Infizierten bekommen. So würde meistens der Ct-Wert der Patienten nicht vom Gesundheitsamt mitgeliefert werden. Dieser Wert gibt Informationen darüber, wie ansteckend ein Infizierter tatsächlich ist - und ist somit wichtig für die Bestimmung der Länge der Isolation, oder ob eine Quarantäne überhaupt nötig ist.

Laut Robert-Koch-Institut (RKI) gehe man ab einem Ct-Wert von 30 davon aus, dass das Virus im Labor nicht mehr vermehrungsfähig ist und der Infizierte somit auch nicht mehr ansteckend ist. Wenn das Gesundheitsamt den Ct-Wert allerdings nicht kenne, könne es auch nicht die Quarantäne-Dauer anpassen, so das RKI.

Nicht jeder Schnupfen ist Corona

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    Eine Erkältung – was ist das?

    Die Bezeichnung Erkältung ist irreführend, denn sie wird nicht durch niedrige Temperaturen ausgelöst, sondern durch Viren. Es gibt ungefähr 200 verschiedene Erkältungsviren, die sich bei Kälte lediglich leichter verbreiten können.
    Diese Viren sorgen dafür, dass die Schleimhäute in der Nase anschwellen und vermehrt Sekret „anfällt“, wie Prof. Thomas Deitmer, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie (DGHNO-KHC) erklärt. Der Rachen ist bei einer Erkältung entzündet, das Schlucken fällt schwerer. Auch Kehlkopf und Bronchien sind betroffen: Man ist heiser, hat Husten und auch hier entsteht mehr Sekret.

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  • Welche Medikamente helfen gegen Erkältung?

    Gar keine. „Man kann nur etwas gegen die Symptome tun“, sagt Deitmer. Abschwellende Nasentropfen gegen Schnupfen, schleimverflüssigende Mittel gegen Husten und Medikamente mit den Wirkstoffen Paracetamol, Ibuprofen oder Acetylsalicylsäure (ASS) gegen Fieber und Schmerzen. Gerade bei Erkältung werden oft Kombipräparate eingenommen – also Medikamente, die gegen mehrere Symptome helfen sollen. Es gibt außerdem eine ganze Reihe pflanzlicher Arzneimittel.

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  • Was hilft noch?

    Trinken, trinken, trinken. Mindestens 1,5 Liter sollten es am Tag sein, bei Fieber mehr. Ansonsten rät Thomas Deitmer zum Gurgeln, zum Beispiel mit Salbeitee, und zu Nasenspülungen.
    Ein Saunabesuch kann helfen – allerdings sollte dort eine etwas höhere Luftfeuchtigkeit herrschen, wie zum Beispiel in einer Bio- oder Dampfsauna. Auch ein warmes Bad kann die Erkältungsbeschwerden lindern. Mit Fieber sind Saunen und warme Bäder aber tabu.

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  • Wann sollte man zum Arzt gehen?

    Während der Corona-Pandemie sollte man mit Erkältungs- oder Grippesymptomen nicht ohne Absprache zum Arzt gehen, betont Deitmer. Am besten ruft man seinen Hausarzt oder den hausärztlichen Notdienst unter der Telefonnummer 116 117 an. Und zwar in den folgenden Fällen, wie Ursula Sellerberg empfiehlt:
    Wenn man hohes Fieber bekommt (mehr als 39 Grad) oder sich das Fieber mit Medikamenten nicht senken lässt. Wenn die Stirn- oder Nasennebenhöhlen beteiligt sind (Schmerzen im Stirn- und Augenbereich, vor allem beim Bücken und Heben). Wenn der Schleim eitrig oder blutig ist. Wenn man schwanger ist oder stillt. Wenn man Herz-Kreislauf- oder Atemwegserkrankungen hat. Wenn man eine andere Erkrankung wie Mittelohr- oder Lungenentzündung vermutet.

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  • Wie kann man vorbeugen?

    Vor Erkältung schützen jene Hygienemaßnahmen, die im Rahmen der Corona-Pandemie ohnehin jeder beachten sollte: Abstand halten, Hände häufig und gründlich waschen, sich nicht ins Gesicht fassen und viel lüften.
    Ansonsten hilft eine gesunde Lebensweise: abwechslungsreiche Ernährung, viel Bewegung an der frischen Luft und nicht rauchen. Auch Abhärtung schadet nicht: Regelmäßig in die Sauna gehen, Wechsel­duschen oder Kneipp-Anwendungen. Außerdem rät Thomas Deitmer zur Grippeschutzimpfung und, um Komplikationen zu vermeiden, zur Pneumokokken-Impfung.

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  • Ist es doch Corona?

    Husten und Fieber sind beides sehr häufige Symptome für die vom Coronavirus ausgelöste Krankheit Covid-19. Bei Erkältungen ist Fieber  selten ein Symptom und Husten wenig. Niesen wiederum sei kein Symptom von Covid-19, kommt bei Erkältungen aber häufig vor. Trennscharf anhand der Symptome lassen sich Erkältung, Grippe und Covid-19 also nicht unterscheiden. Dennoch gilt immer: Ruhe bewahren, keine Panik, im Zweifel den Kontakt zu anderen Menschen lieber vorsorglich einschränken und in jedem Fall Abstand halten und Mund-Nasen-Bedeckung tragen – und vor dem Besuch in der Arztpraxis erst dort anrufen.

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Der Vizepräsident der Gesellschaft für Virologie, Uwe Dittmer, fordert deshalb die medizinischen Labore auf, bei positiven Corona-Tests die Laborwerte den Gesundheitsämtern zur Verfügung zu stellen. „Wir werden das künftig machen und es wäre gut, wenn alle Labore in Deutschland das auch machen“, sagte Dittmer dem Recherchenetzwerk von WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung.

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