Gesundheit
Weiterer Corona-Anstieg: Köln und Essen unter Warngrenze

Die Corona-Zahlen steigen vor allem in den großen Städten in NRW immer weiter. Köln und Essen liegen denkbar knapp unter einem wichtigen Warnwert. Vier Oberbürgermeister aus dem Westen beraten daher mit Kanzlerin Merkel über die kritische Lage.

Freitag, 09.10.2020, 08:10 Uhr aktualisiert: 09.10.2020, 08:22 Uhr

Köln/Essen (dpa/lnw) - Mit Köln und Essen liegen zwei nordrhein-westfälische Großstädte in der Corona-Pandemie nur noch ganz knapp unter der wichtigen Warnstufe von 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in sieben Tagen. Das nordrhein-westfälische Landeszentrum Gesundheit (LZG) gab den Wert für Köln am Freitag mit 49,8 an (plus 4,4 im Vergleich zum Vortag), für Essen mit 48,4 (plus 5,0). Einen massiven Anstieg gab es in Herne: Die Ruhrgebietsstadt kam auf einen Wert von 56,2 (plus 22,4 im Vergleich zum Vortag) und gilt damit jetzt als Corona-Risikogebiet.

Weil sich vor allem Großstädte und Ballungszentren zu Hotspots in der Corona-Pandemie entwickeln, hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) an diesem Freitag (12.30 Uhr) die Rathauschefs der elf größten deutschen Städte zu einer Videokonferenz eingeladen. Aus NRW sind die Oberbürgermeister von Düsseldorf, Dortmund, Köln und Essen dabei.

In ganz NRW steckten sich den LZG-Zahlen vom Freitag zufolge 28,6 Menschen pro 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen mit dem Coronavirus an, ein Plus von 1,6 im Vergleich zum Vortag. Nordrhein-Westfalen hat seit Tagen die höchsten Ansteckungsraten aller deutschen Flächenländer.

Entscheidend für Beschränkungen des öffentlichen Lebens ist aber nicht die landesweite Entwicklung, sondern die Lage vor Ort. Über der wichtigen 50er Grenze bei den Neuansteckungen lagen den LZG-Zahlen zufolge am Freitag neben Herne noch Hamm (74,5) und Remscheid (50,3). Hagen, Wuppertal und Unna lagen in den offiziellen Zahlen knapp unter dem wichtigen Warnwert. Insgesamt liegen damit von den 53 Kreisen und kreisfreien Städten in NRW nun 12 über der Vorwarnstufe von 35, davon drei über der Warnstufe von 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in sieben Tagen.

Die nordrhein-westfälische Corona-Schutzverordnung schreibt vor, dass Kreise und kreisfreie Städte bei Überschreiten der 50er-Schwelle zwingend Einschränkungen für das öffentliche Leben erlassen müssen. So bestimmt die Landesregierung unter anderem, dass Feiern außer Haus dann nur noch aus besonderem Anlass und mit höchsten 25 Teilnehmern erlaubt sind.

Mehrere Städte und Kreise hatten bei Überschreiten der 50er-Marke außerdem die Maskenpflicht im Schulunterricht wieder eingeführt, die Teilnehmerzahl bei Veranstaltungen begrenzt oder bestimmt, dass sich in der Öffentlichkeit nur noch Gruppen aus maximal fünf Menschen treffen dürfen. Die Stadt Siegburg bei Bonn schickte alle Schülerinnen und Schüler vorzeitig in die Herbstferien - wegen der vielen neuen Corona-Fälle bleiben dort an diesem Freitag alle Schulen geschlossen. Was im Einzelnen vor Ort und ab wann gilt, wird dabei immer mehr zum Flickenteppich.

Bielefeld hat die Bundeswehr um Amtshilfe bei der Kontaktnachverfolgung gebeten, nachdem ein Corona-Infizierter am Wochenende auf zwei Hochzeiten mit je 150 Gästen gefeiert hatte.

Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) sagte der Deutschen Presse-Agentur im Vorfeld der Schalte mit Kanzlerin Merkel, dass alle Großstädte erneut in eine «ernste Phase» einträten. «Auch wenn wir diesmal noch besser vorbereitet sind als im Frühjahr, finde ich es gut, dass sich die Bundeskanzlerin direkt mit den Kommunen bespricht», sagte sie.

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