Kriminalität
Neuer LKA-Chef: Offensive gegen Kinderpornografie breiter

Neue Technik im Kampf gegen Kinderpornografie wird die Polizei auch in anderen Bereichen nach vorne bringen - davon ist der neue LKA-Chef in NRW überzeugt.

Sonntag, 11.10.2020, 10:01 Uhr aktualisiert: 11.10.2020, 10:12 Uhr
Ingo Wünsch, Leiter des nordrhein-westfälischen Landeskriminalamts (LKA). Foto: Henning Kaiser

Düsseldorf (dpa/lnw) - Das Landeskriminalamt NRW wird nach Überzeugung seines neuen Chefs von der technischen Aufrüstung gegen Kinderpornografie auch auf anderen Feldern profitieren. «Das technische Auswerte-Netzwerk, was wir für die Kinderpornografie entwickelt haben, ist bahnbrechend», sagte der neue LKA-Chef Ingo Wünsch der Deutschen Presse-Agentur. «Das können wir auch für Staatsschutz, Wirtschafts- und Organisierte Kriminalität nutzen.»

Es gehe um Ausgaben von bislang rund 40 Millionen Euro. «Wir haben uns zehn Jahre lang um diese Technik nicht gekümmert und erst 2018 damit begonnen. Jetzt sind wir auf einem Stand, um den uns andere Bundesländer beneiden. Wir können jetzt auch gewaltige Vertragstexte schnell nach Schlüsselwörtern durchsuchen und auslesen. Das machen wir auch schon.»

Im Kampf gegen den Kindesmissbrauch habe sich auch die sogenannte Schulfahndung als hervorragendes Instrument erwiesen. «Sie hat eine Erfolgsquote von deutlich über 50 Prozent», sagte Wünsch. Bei der Schulfahndung werden Fotos von bislang nicht identifizierten Opfern von Kindesmissbrauch an alle Schulen einer Region oder sogar bundesweit geschickt. Dabei werden die Lehrer gefragt, ob sie die Kinder kennen. «Das läuft zwei bis drei Mal im Jahr über das Bundeskriminalamt», sagte Wünsch.

«Jedes Kind geht irgendwo zur Schule und wir wollen die Gesichter der Opfer ungern in die Öffentlichkeit bringen», erklärte der LKA-Chef. Über die Schulfahndung war vor wenigen Wochen ein 45-Jähriger aus Unna identifiziert und verhaftet worden, der seine Nichte jahrelang missbraucht und Bilder von ihr im Darknet verbreitet haben soll.

Schon wenige Stunden nach Beginn der Fahndung war der entscheidende Hinweis von der Grundschule des Mädchens eingegangen. Die Ermittler verwenden dafür nichtpornografische Bilder, die über den landeseigenen geschlossenen Schulserver an die Schulen in NRW verschickt werden.

Der 55-jährige Wünsch ist seit 1. September neuer Leiter des Landeskriminalamts. Der frühere Sonderermittler im Missbrauchskomplex Lügde folgte auf Frank Hoever, der im April als Polizeipräsident nach Bonn gewechselt war. Wünsch ist seit 1986 Polizist. Er ist mit einer Polizistin verheiratet und hat drei erwachsene Söhne.

Nachrichten-Ticker