Fußball
RB Leipzig torlos, Nagelsmann: «Paris anders als Gladbach»

RB Leipzig verliert zum ersten Mal in dieser Saison ein Bundesliga-Spiel - und die Tabellenführung. Nach dem verpassten Startrekord kommt nun mit Paris ein Brocken.

Sonntag, 01.11.2020, 12:03 Uhr aktualisiert: 01.11.2020, 12:12 Uhr
Mönchengladbachs Hannes Wolf (l) schießt das 1:0 gegen Leipzig. Foto: Martin Meissner

Mönchengladbach/Leipzig (dpa) - Die Torflaute bei RB Leipzig könnte einen stürmischen November auslösen. Nach 17 Treffern wettbewerbsübergreifend in den ersten sieben Pflichtspielen kommt die Offensive von Julian Nagelsmann nun plötzlich ins Stottern. Nach der krachenden Niederlage in der Champions League bei Manchester United (0:5) und dem Sturz von der Bundesliga-Tabellenspitze nach dem 0:1 bei Borussia Mönchengladbach steht nun am Mittwoch (21.00 Uhr) in der Red Bull-Arena die knifflige Aufgabe gegen Königsklassen-Finalist Paris Saint-Germain an. Zur Erinnerung: Beim Finalturnier in Lissabon im August ging RB gegen Paris chancenlos 0:3 unter.

Zu Saisonbeginn konnten die Sachsen den Weggang von Timo Werner (28 Ligatreffer) und Patrik Schick (10) noch ausgleichen. Beide Offensivkräfte sollten vom Team aufgefangen werden. Dafür holte Sportdirektor Markus Krösche Hee-Chan Wang, Alexander Sörloth und Justin Kluivert. Das Trio blieb bislang blass. Nur einen Treffer vom Südkoreaner Wang im DFB-Pokal beim Zweitligisten 1. FC Nürnberg konnte Nagelsmann bislang verbuchen. «Es war klar, dass man den Weggang von Timo Werner nicht komplett kompensieren kann, deshalb haben wir verschiedene Fähigkeiten hinzugefügt. Entwicklung und Integration von jungen Spielern brauchen Zeit», meinte Krösche am Sonntag im Sport1-Doppelpass.

Nagelsmann erwartet in der Königsklasse ohnehin ein anderes Spiel. «Paris spielt schon anders als Gladbach, ich glaube nicht, dass die so tief stehen wie Gladbach. Wir haben gewisse Lehren aus dem Halbfinale gezogen. Wir wissen auch, dass wir in der Gruppenphase unter Druck sind», sagte Nagelsmann und gab vor: «Das Spiel müssen wir schon gewinnen, um einfach im Rückspiel gegen Paris nicht diesen Mega-Druck zu haben, sondern eher den Druck auf ihre Seite zu legen.»

Er fordert gegen die Franzosen eine Reaktion vom Team: «Wenn wir das nicht gewinnen, sind wir im Rückspiel demnach unter Druck, um auch auf sechs Punkte zu kommen. Also eins der Spiele ist schon ein Pflichtsieg für uns, wenn wir in der Gruppenphase weiterkommen wollen.» So sieht es auch Krösche und setzt noch einen drauf: «Wir haben den Anspruch ins Achtelfinale zu kommen. Das ist in dieser Gruppe zwar ambitioniert, aber unser Anspruch.»

Als Hoffnungsschimmer kann Nagelsmann immerhin 15 Torschüssen verbuchen, dreimal mehr als Gladbach. Zwar kritisierte der Norweger Sörloth, dass RB «nicht scharf genug vor dem Tor» war. Doch immerhin kamen die Leipziger - anders als in Manchester - ins letzte Drittel. «Wir haben bei unseren Chancen und beim letzten Pass die letzte Konzentration vermissen lassen», meinte RB-Keeper Peter Gulacsi.

Und dann machte ausgerechnet ein Mann den Unterschied, der in Leipzig quasi aussortiert wurde. RB-Leihspieler Hannes Wolf erzielte den Siegtreffer für Gladbach. «Er hätte nicht unbedingt ausgerechnet gegen uns treffen müssen, aber für ihn als Mensch freut mich sein Treffer. Er hatte eine schwere Zeit zuletzt», meinte Nagelsmann und hegte wenig Groll. «Aber es ist sein Job, er wird jetzt meines Wissens nach von Gladbach bezahlt», sagte der RB-Coach nach dem ersten Pflichtspieltor seit 17 Monaten von Wolf.

«Ich habe jetzt eineinhalb Jahre auf solch einen Moment warten müssen und freue mich, dass jetzt der Knoten geplatzt ist», sagte der österreichische Mittelfeldspieler, der von Gladbach-Coach Marco Rose in die Startelf rotiert wurde. Eine bewusste Entscheidung. «Heute durfte er anfangen, weil ich weiß, wie er funktioniert. Er ist kein Spieler, der überdreht gegen seinen ehemaligen Club, sondern eher einer, den das motiviert.»

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