Turnen
Deutsche Turn-Meisterschaften in Düsseldorf abgesagt

Zwei Tage vor dem geplanten Start sagen der Deutsche Turner-Bund und die Behörden das Multisport-Event in Düsseldorf ab. Für Olympia-Held Toba, Rekordmeisterin Seitz und Co. ist das eine weitere herbe Enttäuschung im verflixten Corona-Jahr.

Dienstag, 03.11.2020, 12:04 Uhr aktualisiert: 03.11.2020, 12:12 Uhr
Die für dieses Wochenende in Düsseldorf geplanten deutschen Turn-Meisterschaften sind kurzfristig abgesagt worden. Foto: Fredrik von Erichsen

Düsseldorf (dpa) - Für die die deutschen Turnerinnen und Turner gibt es im verflixten Corona-Jahr nur schlechten Nachrichten. Erst die Olympia-Verschiebung, dann die mehrfache Verlegung der Europameisterschaften, und nun noch der Ausfall der deutschen Titelkämpfe. «Ich hätte sehr gerne meinen Meistertitel im Mehrkampf verteidigt. Aber es soll einfach 2020 nicht sein. Es ist für uns alle eine harte Zeit», sagte der desillusionierte Olympia-Held von 2016, Andreas Toba, der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag.

Zuvor hatte der Deutsche Turner-Bund (DTB) das für diesen Donnerstag bis Sonntag in Düsseldorf geplante Multisport-Event mit nationalen Meisterschaften in den olympischen Sportarten Turnen, Rhythmische Sportgymnastik und Trampolin in Absprache mit den zuständigen Behörden in Nordrhein-Westfalen kurzfristig abgesagt. Auf «Basis der aktuellen Verordnungslage» sei die Ausrichtung nicht möglich.

Der DTB bedauert die Absage, sah sich in der ersten Woche des bundesweiten Teil-Lockdowns wegen der steigenden Infektionszahlen aber zu dieser Maßnahme gezwungen. «Ich bedaure zutiefst, dass wir auf die Titelkämpfe verzichten müssen, denn ich halte es für außerordentlich wichtig, dass wir den Athletinnen und Athleten Wettkämpfe auch zur Motivation anbieten. Aber jetzt geht es zunächst darum, zu ermöglichen, dass vor Ort in den Vereinen Sport getrieben werden kann», sagte DTB-Präsident Alfons Hölzl.

Laut DTB habe man für das Event ohne Zuschauer ein sehr komplexes und fundiertes Hygienekonzept entwickelt. «Wir hätten mit viel Aufwand eine sichere Veranstaltung durchführen können und dies auch sehr gerne getan», betonte Hölzl. «Es gibt jedoch Bereiche, auf die wir keinen Einfluss haben, zum Beispiel die Anreise der Sportlerinnen und Sportler.»

Ein weiteres Mosaiksteinchen war nach dpa-Informationen die zeitweilige Quarantäne mehrerer Kader-Athletinnen. Beim Lehrgang der Nationalmannschaft vor einigen Tagen war eine der besten deutschen Turnerinnen positiv auf das Coronavirus getestet worden. Unter dem Trainingsausfall litt die finale Vorbereitung auf die Titelkämpfe.

Für die Teams um Rekordmeisterin Elisabeth Seitz und Toba ist die Absage ein herber Rückschlag mit Blick auf die Olympia-Vorbereitung für die Spiele in Tokio 2021. Aber sie zeigen auch Verständnis. «Klar finde ich es schade, dass die deutschen Meisterschaft abgesagt wurde. Aber ich kann es total verstehen», sagte die 26 Jahre alte Seitz. «Wir müssen jetzt alle eine gewisse Zeit verständnisvoll und konsequent sein. Auch wir Sportler müssen unseren Teil zur Bekämpfung der Pandemie beitragen.»

Toba, der nach einer Fußverletzung gerade rechtzeitig zur Meisterschaft, die auch als erste Olympia-Qualifikation dienen sollte, fit geworden war, will sich trotz aller Widrigkeiten auf seinem Weg nach Tokio nicht entmutigen lassen. «Ich werde jetzt die Belastung erstmal runter fahren und meine Blessuren noch etwas auskurieren, um mich dann zielgerichtet auf die Olympischen Spiele vorzubereiten», sagte der 30-Jährige aus Hannover.

Zuvor hatte der DTB bereits die Teilnahme seiner Teams an den in die Türkei verschobenen EM im Dezember abgesagt. Auch das für den Sommer 2021 geplante Turnfest in Leipzig ist bereits Opfer der Pandemie.

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