Regierung
Corona-Schnelltests zuerst für Altenheime in NRW

Millionen Corona-Schnelltests sollen bald auf den Markt kommen. In NRW sollen die Ersten für Altenheime reserviert werden. Danach können die Bürger sich versorgen. Es werde genug Tests geben, verspricht der NRW-Gesundheitsminister.

Mittwoch, 04.11.2020, 16:28 Uhr aktualisiert: 04.11.2020, 16:40 Uhr
Karl-Josef Laumann (CDU), Gesundheitsminister von Nordrhein-Westfalen, spricht bei einer Pressekonferenz in der Staatskanzlei. Foto: Rolf Vennenbernd

Düsseldorf (dpa/lnw) - Die Bewohner der Alten- und Pflegeheime in Nordrhein-Westfalen sollen als erste mit den jetzt verfügbaren Corona-Schnelltests beliefert werden. Eine entsprechende Vereinbarung habe man mit den Apotheken abgeschlossen, sagte Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) am Mittwoch. Es seien genug Kapazitäten auf dem Markt vorhanden, so solle aber eventuellen Engpässen vorgebeugt werden. In den Heimen leben rund 170 000 Menschen.

Geplant sei, dass ein Alten- oder Pflegeheim im Monat pro Bewohner 20 Schnelltests bekomme. Das wären monatlich rund 3,4 Millionen Tests. Diese könnten für Personal, Bewohner und Besucher eingesetzt werden. Das könnten die Heime selber entscheiden.

Das Personal in den Heimen soll die Tests - nach Schulung durch Ärzte - selbst vornehmen. Das Land übernimmt die Kosten von bis zu 20 Tests im Monat pro Bewohner. Die Tests sollen laut der entsprechenden Allgemeinverfügung am 9. November starten.

Derzeit gibt es Laumann zufolge rund 1000 infizierte Bewohner und ebenso viel infizierte Pflegekräfte in Altenheimen in NRW. Der Schnelltest trage dazu bei, dass man die normale Erkältungsgrippe rasch von Corona unterscheiden könne. Er werde in den Heimen mehr Sicherheit geben.

Der Bund habe zugesichert, dass bundesweit monatlich 13 Millionen Schnelltests bis Weihnachten zur Verfügung gestellt würden, sagte Laumann. Er ging aber davon aus, dass es weit mehr zu kaufen geben werde.

So lange die Schnelltests im Handel noch knapp seien, solle sichergestellt werden, dass die Altenheime, ambulante Pflegedienste sowie auch Behinderteneinrichtungen als erste beliefert würden, sagte der Minister. Auch Krankenhäuser bekämen Schnelltests. Er glaube, dass die Tests immer schneller und immer mehr produziert würden. Dann könne sich auch jeder Bürger den Schnelltest kaufen.

Vorteil der relativ sicheren Schnelltests sei, dass sie die Labore nicht belasteten. Allein vergangene Woche sei mit 380 000 Labortests in NRW ein Höchststand erreicht worden. Rund 7 Prozent davon seien positiv.

Das NRW-Gesundheitsministerium bereitet unterdessen eine Impfstrategie vor. Der Impfstoff werde vom Bund gekauft und bezahlt, sagte Laumann. Die Bundesländer müssten die Impfbestecke besorgen und zahlen. Eine Kommission des Bundes werde festlegen, welche Menschen Priorität beim Impfen haben. Wann der Impfstoff komme, könne er nicht sagen. Geplant seien Impfzentren, aber auch Personal, das etwa in Altenheime komme.

Die Zahl der Corona-Patienten auf Intensivstationen in NRW steigt weiter an. Am Mittwoch wurden 685 Patienten intensiv behandelt - 30 mehr als am Vortag. Von den Intensivpatienten mussten 428 beatmet werden. Das waren laut Ministerium 41 mehr als noch am Dienstag. Insgesamt wurden 3088 Corona-Patienten stationär behandelt.

Mehr als 1500 Intensivbetten sind in NRW laut Ministerium noch frei, davon fast 1000 mit Beatmungsmöglichkeit. Etwa sieben Prozent der Intensivbetten in NRW seien mit Covid-19-Patienten belegt, sagte Laumann. Derzeit sieht der Minister keinen Grund, die Krankenhäuser wie Mitte März aufzurufen, planbare Eingriffe zu verschieben, um Kapazitäten für Corona-Patienten zu schaffen. Die Notwendigkeit werde aber stets neu geprüft. Der Minister verwies aber auch auf die Kosten. Sollten Operationen wieder verschoben werden müssen, werde man nicht um einen erneuten finanziellen Ausgleich für die Kliniken herumkommen. Der Bund habe bereits zehn Milliarden Euro an die Krankenhäuser für leere Betten gezahlt.

In den NRW-Kliniken werden nach Angaben des Ministeriums derzeit drei Corona-Patienten aus den Niederlanden und 23 aus Belgien behandelt. Es gebe auch eine Anfrage aus Frankreich an den Bund. Daran werde sich NRW auch beteiligen. Die Aufnahme von Patienten aus anderen Ländern werde das System in NRW aber nicht «ins Wanken bringen».

Die Zahl der Corona-Infektionen steigt in NRW weiter deutlich an. Seit Dienstag seien mehr als 4560 neue Fälle bestätigt worden, sagte Laumann. Der Wert pro 100 000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen liege landesweit bei 167,3. Das ist deutlich jenseits der Warnschwellen von 35 und 50.

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