Kriminalität
Brüder nach tödlichen Messerstichen zu Haftstrafe verurteilt

Bielefeld (dpa/lnw) - Nach tödlichen Messerstichen in einem völlig aus dem Ruder gelaufenen Racheakt für einen Nasenbeinbruch in Hiddenhausen hat das Landgericht Bielefeld zwei Brüder zu Haftstrafen verurteilt. Wegen Körperverletzung mit Todesfolge soll ein 32-Jähriger acht Jahre und sechs Monate, sein zwei Jahre älterer Bruder sieben Jahre in Haft, wie ein Gerichtssprecher am Donnerstag sagte. Das Opfer, ein 32-jähriger Mann, war im Mai 2019 in Hiddenhausen bei Bielefeld an einer Straßenkreuzung verblutet. Sein Körper wies 25 Messerstiche auf. Die Staatsanwaltschaft hatte den 32-jährigen Türken und den 34-jährigen Deutsch-Türken ursprünglich wegen gemeinschaftlichen Mordes angeklagt.

Donnerstag, 05.11.2020, 17:23 Uhr aktualisiert: 05.11.2020, 17:32 Uhr
Eine Figur der blinden Justitia. Foto: Sonja Wurtscheid

Das Gericht konnte jedoch nicht erkennen, dass die beiden tatsächlich geplant hatten, ihr Opfer umzubringen. Vielmehr gehen die Richter davon aus, dass lediglich ein Angriff geplant war, um sich zu rächen. Diesem habe aber sehr wohl von Anfang an die Gefahr einer tödlichen Eskalation innegewohnt, betonten die Richter in ihrer Begründung.

Der jüngere Angeklagte und das spätere Opfer, ein Kurde, seien zuvor gut befreundet gewesen. Geldstreitigkeiten hatten sich den Angaben nach dann aber so hochgeschaukelt, dass das spätere Opfer dem jüngeren Angeklagten mit einem Quarzhandschuh das Nasenbein brach - am Vortag seines Todes. Der Verletzte habe daraufhin seinen Bruder eingeschaltet, um Vergeltung zu üben. Dieser wiederum habe ein Treffen vereinbart. Dass dieses auf einer belebten Kreuzung stattfand, werteten die Richter als ein Indiz dafür, dass die beiden keinen Tötungsvorsatz hatten.

Vieles sei jedoch offen geblieben: Weder warum die Situation aus dem Ruder lief, noch wer das Messer führte, konnte im Prozess geklärt werden. Die Richter hielten auch für denkbar, dass ein nicht ermittelter Dritter an der Tat beteiligt war.

In dem Verfahren hatte es Streit um die Aussage eines V-Mannes gegeben. Der Zeuge soll angeblich über Dritte gehört haben, wer von den beiden Angeklagten zugestochen hatte. Das zuständige Innenministerium aber untersagte dem Mann die Aussage. Das Leben der Vertrauensperson sei in Gefahr. Das Oberverwaltungsgericht für das Land NRW bestätigte diese Sicht.

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