Landtag
Mehr Kita-Schließungen: SPD fordert besseren Schutz

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen steigt und auch Kitas sind von Teilschließungen und Quarantäne bedroht. Die SPD fordert ein besseres Schutzkonzept. Die Landesregierung sei aber noch «im Sommermodus».

Donnerstag, 05.11.2020, 17:29 Uhr aktualisiert: 05.11.2020, 17:40 Uhr
Jacken und Turnbeutel sind in einer Kindertagesstätte an einer Garderobe zu sehen. Foto: Daniel Naupold

Düsseldorf (dpa/lnw) - Immer mehr Kitas in Nordrhein-Westfalen müssen wegen der Corona-Pandemie zeitweise zum Teil oder komplett schließen. Im Oktober hätten wegen Verdachts- oder Infektionsfällen 339 Einrichtungen teilweise und 291 Kitas ganz dicht machen müssen, teilte das NRW-Familienministerium am Donnerstag dem WDR und der Deutschen Presse-Agentur mit. Rund 93 Prozent der etwa 10 500 Kitas in NRW konnten demnach im Oktober normal öffnen.

Die SPD-Opposition im Landtag legte angesichts der steigenden Corona-Neuinfektionen und mit Blick auf den Winter ein eigenes Sicherheitskonzept für die Kitas vor. Wenn die Kitas wie von der Landesregierung versprochen offen bleiben sollten, müssten auch die Rahmenbedingungen stimmen, sagte der familienpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Dennis Maelzer. Die Landesregierung befinde sich mit der Kita-Politik aber immer noch «im Sommermodus», als die Infektionszahlen niedriger waren.

NRW-Familienminister Joachim Stamp (FDP) betonte dagegen: «Kinder sind keine Pandemietreiber.» Auch die SPD solle «endlich anerkennen», was bereits durch mehrere Studien belegt sei. Stattdessen verunsichere sie Eltern und Fachkräfte. «Die aktuellen Maßnahmen greifen», betonte Stamp. Zusätzlich werde die Landesregierung dem Kita-Personal zwei Millionen FFP2-Masken zeitnah zur Verfügung stellen. Maelzer sagte dazu: «Masken allein reichen nicht.»

Laut Meldungen der Landesjugendämter waren im Oktober 248 Kinder und 491 Kita-Mitarbeiter mit dem Coronavirus infiziert. Insgesamt werden in den Kindertageseinrichtungen und in der Tagespflege etwa 730 000 Kinder von 160 000 Beschäftigten betreut.

Die SPD schlägt eine Teststrategie für Kitas vor. Es müsse mehr Möglichkeiten für freiwillige Tests für Betreuer und für Kinder geben. Mobile Testteams sollten in die Einrichtungen kommen. Auch sogenannte Pool-Tests, bei denen acht bis zehn Abstrich-Stäbchen gleichzeitig im Labor ausgewertet werden, sollten ins Auge gefasst werden. Bis zu den Winterferien können Kita-Beschäftigte in NRW derzeit maximal drei Corona-Tests kostenlos in Anspruch nehmen.

Wenn die Infektionen in einem Kreis oder einer Stadt besonders hoch seien, sollten ab einem bestimmten Grenzwert wieder feste Gruppen in den Kitas Pflicht werden, sagte SPD-Politiker Maelzer. Zur Unterstützung der Hygienekonzepte solle das Alltagshelfer-Programm der Landesregierung bis Ende des Kita-Jahres entfristet und auf den offenen Ganztag (OGS) in den Schulen ausgeweitet werden. Je mehr Gruppen eine Kita habe, umso mehr Helfer müsse sie bekommen. Wie in den Schulen müssten auch in den Kitas im Winter Luftfilter zum Einsatz kommen.

Mit digitalen Angeboten wie etwa einem «digitalen Morgenkreis» solle Kindern in Quarantäne der Kontakt zur Einrichtung ermöglicht werden. Maelzer räumte aber ein, dass solche digitalen Angebote für kleine Kinder «nur eine Krücke» sein könnten, um mehr Normalität herzustellen. Auch technisch seien die Kitas darauf nicht vorbereitet.

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