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Erstmals in NRW rissen Wölfe ein Pony: Debatte um Abschuss

Erstmals haben Wölfe in NRW nicht nur Schafe, sondern ein Pony getötet. Das heizt die Debatte vor allem im ersten NRW-Wolfsschutzgebiet Schermbeck an. Schäfer und Anlieger fordern den Abschuss zumindest des «Problemwolfes Gloria».

Freitag, 06.11.2020, 17:59 Uhr aktualisiert: 06.11.2020, 18:10 Uhr
Ein Wolf schaut hinter einem Baum in einem Wildpark hervor. Foto: Lino Mirgeler

Bottrop/Wesel (dpa/lnw) - Erstmals seit ihrem Wiederauftauchen in Nordrhein-Westfalen 2009 haben Wölfe ein Pony angegriffen und getötet. Einen entsprechenden Nachweis veröffentlichte die Landesbehörde Lanuv am Freitag. Gewebeuntersuchungen eines Ende Oktober auf einer Weide in Bottrop-Kirchhellen tot aufgefundenen Shetlandponys hätten ergeben, dass es von einem Wolf gerissen wurde, so die Mitteilung. Die Halter des Ponys wurden informiert, sie können eine Entschädigung beantragen. Angriffe von Wölfen auf Pferde seien nichts Neues. Bundesweit seien 2019 elf solcher Attacken registriert worden, so das Lanuv.

Bottrop-Kirchhellen liegt am Rand des 2018 ausgerufenen ersten NRW-Wolfsgebietes Schermbeck. Dort sind eine Wölfin mit dem offiziellen Namenskürzel GW954f - inoffiziell «Gloria» genannt - und ein männlicher Wolf fest ansässig. Schäfer und Anwohner, die sich in einem Bürgerforum zusammengeschlossen haben, beklagen, dass die Wölfe bereits zahlreiche Tiere, vor allem Schafe, gerissen hätten und auch Schutzzäune überwänden.

Ein Antrag auf Abschuss war von der zuständigen Kreisverwaltung Wesel im Juni abgelehnt worden. Der bei der NRW-Kommunalwahl neu gewählte Landrat Ingo Brohl (CDU) hatte aber in mehreren Medien die «Entnahme» zumindest der besonders auffälligen Wölfin gefordert. Die Wölfin habe mehrere Schafe gerissen und sei als «Problemwolf» einzuschätzen, sagte eine Kreissprecherin. Deshalb trete Brohl für die «Entnahme» ein, falls sie rechtlich möglich sei. Für Wölfe gelten strenge europarechtliche Schutzvorschriften.

Ein Lanuv-Sprecher sagte, ein Abschuss komme nach den gesetzlichen Vorschriften nur als allerletztes Mittel in Frage. Solche «milderen Mittel» wie das Anschaffen von Schutzhunden oder die Unterbringung in Ställen seien noch nicht ausgeschöpft. Außerdem liege zwischen den Rissen von Weidetieren immer relativ viel Zeit. Das zeige, dass die Wölfe nicht nur von Nutztieren lebten, sondern auch Wildtiere jagten. Naturschützer lehnen einen Wolfs-Abschuss strikt ab.

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