Bildung
Skateboard statt Fußball: Sportunterricht wird vielfältiger

Was bei vielen beliebten Ballspielen dazugehört, ist in Zeiten der Corona-Pandemie nicht erwünscht: Der enge Körperkontakt im Zweikampf. Hinzu kommen Fragen wie Belüftung und der Zugang zur Halle. Von den Sportlehrern ist umso mehr Fantasie gefragt.

Sonntag, 08.11.2020, 09:21 Uhr aktualisiert: 08.11.2020, 09:32 Uhr
Ein Schüler fährt während der Skateboard-AG der Schule in einem Bowl. Foto: Marijan Murat

Wuppertal (dpa/lnw) - Die Corona-Pandemie führt vielerorts zu erheblichen Einschränkungen im Sportunterricht, bietet aber auch neue Chancen für Trend- und Randsportarten sowie für die Verbindung von sportlichem Handeln und digitalen Zugängen. Diese Bild zeichnet der Präsident des Deutschen Sportlehrerverbandes, Michael Fahlenbock, nach dem Beginn der neuen Schutzmaßnahmen.

«Die Situation an den Schulen ist extrem unterschiedlich. Im Grunde muss jede einzelne Schule entscheiden, was möglich ist», sagte Fahlenbock, der Akademischer Direktor am Institut für Sportwissenschaft der Bergischen Universität Wuppertal ist, der Deutschen Presse-Agentur. Dabei spielten bauliche Voraussetzungen wie Umkleiden, Zugänge und Belüftung eine Rolle.

Grundsätzlich gelte, dass Kampfsportarten wie «Ringen und Raufen» vermieden werden sollten. «Man kann Ballsport machen, aber nicht mit direktem körperlichen Kontakt», erläuterte er. Vor diesem Hintergrund fieln auch einige sehr beliebte Mannschaftsspiele wie Fußball, Basketball und Handball im Sportunterricht derzeit oft weg.

«Damit bleiben auch immer wieder die Wünsche der Schüler nach dem gemeinsamen Sporttreiben ein bisschen auf der Strecke», erklärte Fahlenbock. Individuelle sportliche Bewegungsformen seien dafür stärker angesagt. «Rand- und Trendsportarten bekommen ein ganz anderes Podium.» Das Fahren mit Rollgeräten wie einem Skateboard auf dem Schulhof nannte er als Beispiel.

Aber auch das Radfahren könne bei Kinder und Jugendlichen wieder stärker in den Fokus gerückt werden. Generell bekomme Bewegung an der frischen Luft wieder einen höheren Stellenwert. «Das muss nicht immer mit einer sportlichen Höchstleistung verbunden sein», betonte er. So könne auch eine Wanderung durch den Wald zum Sportunterricht gehören.

Kleine Videos, in denen Schüler ihre Lieblingssportgeräte vorstellen oder Kunststücke mit einem Ball zeigen, könnten andere zum Nachmachen und eigenen Aktivitäten motivieren. Dies sei eine Möglichkeit, das analoge Sporttreiben mit digitalen Anwendungen zu verbinden. Das Laufen mit Fitness-Apps sei eine andere Möglichkeit, zu Bewegung zu animieren und Fortschritte durch das Training zu dokumentieren.

Der Sportunterricht sei ein Pflichtfach. Er müsse aber so gestaltet werden, das alle gesund bleiben, verdeutlichte der Verbandschef die Herausforderung in der Corona-Pandemie. Fahlenbock mahnt an, dass den Sportlehrern FFP2-Masken zur Verfügung gestellt werden. «Wir haben viele ältere Sportlehrkräfte, die zur Risikogruppe zählen.» Dies wäre neben dem Corona-Schutz auch ein «kleines Signal der Wertschätzung».

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