Extremismus
Antisemitismusbeauftragte: Gewalt gegen Juden hat zugenommen

Düsseldorf (dpa/lnw) - Antisemitismus und Gewalt gegen Jüdinnen und Juden in Deutschland sind nach Worten der nordrhein-westfälischen Antisemitismusbeauftragten Sabine Leutheusser-Schnarrenberger weiterhin «allgegenwärtig». Sie hätten in ihrem Ausmaß, in ihrer Verachtung und in ihrer Offenheit zugenommen, erklärte die FDP-Politikerin am Sonntag anlässlich des Gedenktages der Pogromnacht am 9. November. Dies sei eine bittere Erkenntnis.

Sonntag, 08.11.2020, 15:09 Uhr aktualisiert: 08.11.2020, 15:22 Uhr
Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. Foto: David Young

Der Antisemitismus in Deutschland habe derzeit im Internet und auf den sogenannten Hygiene-Demonstrationen Hochkonjunktur. «Die wirren Gedanken von wenigen rund um die Corona-Virus-Pandemie bedienen Vorurteile und begünstigen das erneute Aufflammen jahrhundertalter antisemitischer Verschwörungsmythen in neuem Gewand.»

Es sei mehr denn je dringende Aufgabe des Staates, Jüdinnen und Juden in Deutschland zu schützen, so Leutheusser-Schnarrenberger weiter. Es bedürfe aber auch des aufmerksamen, couragierten und beherzten Eingreifens jedes Einzelnen im Kampf gegen Antisemitismus. «Für ein mahnendes «Wehret den Anfängen» ist es bereits zu spät. Die Alarmglocken schrillen. Es muss heute gehandelt werden, wollen wir unsere demokratischen Werte auch morgen behalten.»

Bei den Novemberpogromen in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 steckten Nationalsozialisten in ganz Deutschland Synagogen, jüdische Geschäfte und Wohnungen in Brand und misshandelten, verschleppten und ermordeten jüdische Bürger.

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