Prozesse
Frau tot in Keller entdeckt: Angeklagter schweigt im Prozess

Ein Mann soll seiner Nachbarin mit dem Tode gedroht haben - später finden Polizisten die Frau tot in einem Keller. Nun steht der 75-Jährige Gericht. Der Anlass für den Streit ist mutmaßlich alltäglich.

Dienstag, 10.11.2020, 15:56 Uhr aktualisiert: 10.11.2020, 16:02 Uhr
Vor dem Gerichtsgebäude hält eine Statue der Justitia eine Waagschale. Foto: Stefan Puchner

Hagen (dpa/lnw) - Es war ein erschreckender Fund: Polizeibeamte durchsuchten im Mai den Keller eines Hagener Mehrfamilienhaus und fanden die Leiche einer 59 Jahre alten Frau. Nun steht ein Nachbar seit Dienstag wegen Totschlags vor Gericht, weil er die Frau geschlagen, erwürgt und im Keller verscharrt haben soll. Der 75 Jahre Angeklagte machte zum Prozessauftakt keine Angaben und nahm sein Schweigerecht in Anspruch.

Der Angeklagte selbst soll damals die Polizei informiert haben. Zu diesem Zeitpunkt soll er laut Anklage bereits alles vorbereitet haben, um die Leiche verschwinden zu lassen. In den Betonboden des Kellers hatte der Deutsche ein Loch gestemmt. Darin lag die Leiche in einem Kunststofffass, abgedeckt von Zementsäcken.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Rentner seine Nachbarin am Tag vor der Durchsuchung erwürgt oder erdrosselt hat. Hintergrund der Tat soll ein bereits lang andauernder Nachbarschaftsstreit gewesen sein. Auch zu verschiedenen Gerichtsverfahren soll es schon gekommen sein. Dabei ging es laut Anklage unter anderem um einen Stellplatz im Innenhof und um die Nebenkostenabrechnung.

Zum Prozessauftakt waren auch zwei Brüder der 59-Jährigen gekommen. Nach Angaben ihres Anwalts Stefan Diekmann wünschen sie sich, dass der Angeklagte sein Schweigen im Laufe der Verhandlung doch noch brechen wird. «Damit sich die Angehörigen mit dem Geschehen besser auseinandersetzen können», so Diekmann. Als der Angeklagte am ersten Verhandlungstag noch einmal hörte, was er getan haben soll, atmete er tief durch und fasste sich sekundenlang an die Brust.

Die Ermittler gehen davon aus, dass der 75-Jährige die Tat mehrere Monate zuvor angekündigt hat. Schon 2019 soll er seiner Nachbarin bei einer Eigentümerversammlung sinngemäß gedroht haben, dass er ein Loch graben werde, in dem er sie verschwinden lasse, so dass sie nie jemand finde.

Am 19. Mai 2020 soll er genau diese Drohung in die Tat umgesetzt haben. Laut Anklage war es erneut zu einem Streit gekommen, in dessen Verlauf der 75-Jährige seine Nachbarin zunächst durch Schläge mit einem Eisenrohr verletzt und sie anschließend umgebracht haben soll.

Mit einem Urteil ist voraussichtlich Mitte Januar zu rechnen. Im Falle einer Verurteilung wegen Totschlags drohen dem Angeklagten im Regelfall fünf bis 15 Jahre Haft.

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