Justiz
Deutscher in Türkei wegen Präsidentenbeleidigung in U-Haft

Berlin/Istanbul (dpa) - Nach einem Streit am Flughafen im türkischen Urlaubsort Antalya ist ein Deutscher bereits Anfang November unter dem Vorwurf der Präsidentenbeleidigung festgenommen worden. Der 63 Jahre alte Mann aus Wuppertal sitze in Untersuchungshaft und müsse sich am 8. Dezember vor einem Gericht in Antalya verantworten, sagte sein Anwalt Rüdiger Deckers der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag.

Dienstag, 01.12.2020, 15:14 Uhr aktualisiert: 01.12.2020, 15:22 Uhr

Ihm werde zudem vorgeworfen, gegen Paragraf 216 des türkischen Strafgesetzbuches verstoßen zu haben: Herabwürdigung oder Aufhetzung zu Hass und Feindseligkeit. Zunächst hatten die «Bild»-Zeitung und die ARD über den Fall berichtet. Ein Sprecher des Auswärtigen Amts sagte der dpa, der Mann werde «konsularisch betreut». Details nannte er nicht.

Dem Anwalt zufolge kam es zu dem Streit, nachdem sein Mandant eine Frau darum gebeten habe, die Corona-Abstandsregeln einzuhalten. Die Frau habe ihn daraufhin angezeigt. Bei dem Streit seien Worte gefallen, die den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan beleidigt hätten. Sein Mandant streite das ab. Anwalt Ahmet Ünal Ersoy, der den Wuppertaler in Antalya vertritt, erklärte in einem Schreiben an die ARD, sein Mandant sei ein «Türkeifreund». Er habe weder Staat noch Präsidenten beleidigt.

Nach Informationen der «Bild»-Zeitung war der 63-Jährige Anfang November von Düsseldorf nach Antalya geflogen. Nach der Landung soll er mit anderen Passagieren am Gepäckband in Streit geraten sein. Wie die Zeitung weiter schreibt, sollen Zeugen der Polizei gesagt haben, der Arzt habe die Türkei und die Türken lautstark beleidigt. Anwalt Deckers wies Berichte zurück, wonach sich der Mann nun unter Ausreisesperre in einem Hotel aufhalte.

Nachrichten-Ticker