Gesundheit
Glühweinwanderung: Ministerium will konsequente Kontrollen

Der Straßenverkauf von Glühwein gerät in die Kritik - prominent vorgetragen etwa von SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach. Das Gesundheitsministerium nimmt die Ordnungsämter in die Pflicht.

Montag, 07.12.2020, 16:18 Uhr aktualisiert: 07.12.2020, 16:32 Uhr
Ein Schild mit der Aufschrift «Glühwein» hängt vor einem Glühweinstand. Foto: Rolf Vennenbernd

Köln (dpa/lnw) - Im Zusammenhang mit Auswüchsen bei sogenannten Glühweinwanderungen hat das Gesundheitsministerium die Ordnungsämter zu konsequenten Kontrollen aufgerufen. Wo erforderlich, sei mit Bußgeldern und Untersagungen einzuschreiten, hieß es am Montag aus dem Haus von Minister Karl-Josef Laumann (CDU). «Mit Besorgnis» habe man die Berichte über Verstöße bei den feuchtfröhlichen Touren registriert.

Am Wochenende war die Kritik am Glühweinausschank auf den Straßen in in NRW-Städten lauter geworden. Viele Bars und Gastronomen haben mittlerweile einen Außer-Haus-Verkauf eingerichtet. Im Internet findet man dazu Tipps für sogenannte Glühweinwanderungen von Ausschank zu Ausschank - etwa für Köln oder auch in Düsseldorf. Das provoziert in Augen von Kritikern aber Menschenansammlungen, die in Corona-Zeiten vermieden werden sollen.

Prominenter Kritiker der Glühweinstände ist etwa der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach. «Glühweinstände unterlaufen unsere Kontaktbeschränkungen. Ich verstehe nicht, weshalb die Stadt Köln das zulässt», schrieb er am Sonntag auf Twitter. «Das kostet zum Schluss Neuinfizierte und Tote.» Lauterbach berichtete auch, wie er in Köln Leute ohne Abstand und Maske, aber mit Glühwein oder Bier gesehen habe. Die Zustände nannte er «katastrophal». Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) äußerte sich zur Glühwein-Thematik. «Es kann ja nicht sein, dass die einen für den Glühwein zuständig sind und die anderen für die Intensivstation», sagte Spahn am Sonntag im RTL-Jahresrückblick «2020 Menschen, Bilder, Emotionen».

In Köln war es zum Beispiel am Freitag zu einem Zwischenfall im Stadtteil Ehrenfeld gekommen. Im Zusammenhang mit einer Glühweinwanderung habe es dort Ansammlungen von insgesamt rund 200 Menschen gegeben, berichtete die Stadt. Abstände seien nicht eingehalten worden, kaum jemand habe Maske getragen. Das Ordnungsamt veranlasste die Schließung von Getränke- und Imbissbuden.

Rechtlich gesehen seien Glühweinwanderungen durchaus erlaubt, stellte das NRW-Gesundheitsministerium klar. Teilnehmer müssten sich aber an die Abstandsregelungen halten. Während der ganzen Wanderung dürften nur Mitglieder aus maximal zwei Haushalten zusammen sein - und im Umkreis von 50 Metern rund um die Ausgabestelle dürfe nicht getrunken werden. «Da, wo diese Vorgaben beachtet werden, bestehen keine Bedenken gegen die Angebote.»

In Köln befasst sich mittlerweile der Corona-Krisenstab mit dem Thema. «Eine Entscheidung über etwaige Änderungen wird es nach aktuellem Stand nach der Sitzung des Krisenstabes am Mittwoch geben», teilte die Stadt mit. In Köln gilt aktuell von 22.00 bis 6.00 Uhr ein Konsumverbot für Alkohol im öffentlichen Raum. Auch der Verkauf ist in dieser Zeit untersagt. Freitags, samstags und sonntags gilt das Verkaufsverbot in Ausgeh-Hotspots auch schon ab 20.00 Uhr.

Teilnehmer der Wanderungen zeichnen bisweilen ein positiveres Bild der Angelegenheit. Am ersten Adventswochenende etwa sei viel los gewesen, berichtete Lena Becker der Deutschen Presse-Agentur. «Es war voll, aber es hat mega gut geklappt, alle haben Abstand gehalten und beim Anstehen ihren Mundschutz getragen.» An manchen Stellen sei der Glühwein angesichts der hohen Nachfrage schnell ausverkauft gewesen. «Die Leute haben sich total gut verteilt, sind immer von Station zu Station weitergegangen. Man war dauernd in Bewegung - das war fast ein bisschen schöner als Weihnachtsmarkt.»

In Düsseldorf hat das Ordnungsamt bislang bei Glühweinwanderungen keine Verstöße gegen die Corona-Schutzverordnung festgestellt, wie das Amt mitteilte. Über etwaige Änderungen müsste aber auch die Landesregierung entscheiden.

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