Prozesse
Online als Mädchen: Mann wegen Kindesmissbrauchs verurteilt

Über eine App brachte er Mädchen dazu, ihm Nacktaufnahmen von sich zu schicken. Nun ist der junge Mann in Düsseldorf verurteilt worden.

Dienstag, 08.12.2020, 16:54 Uhr aktualisiert: 08.12.2020, 17:02 Uhr
Die Aufschrift «Landgericht Düsseldorf» steht am Gebäude des Landgerichts. Foto: Martin Gerten

Düsseldorf (dpa/lnw) - Sein Account-Name klang harmlos. Als «unicorn_lisa13» hatte sich der junge Mann aus Düsseldorf bei der App Likee angemeldet und sich als 13-jährige Lisa ausgegeben. Dann überredete er auf der bei Kindern beliebten Kurzvideo-Plattform mehrere Mädchen, Nacktaufnahmen von sich zu schicken. Am Dienstag wurde der inzwischen 26-Jährige nun vor dem Düsseldorfer Landgericht wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt.

Eine Mütze bis knapp über die Augen runter gezogen und Mund-Nasen-Schutz tragend war der schlanke Mann am Morgen in den Verhandlungssaal 1.117 gekommen. Auf Antrag seines Verteidigers Udo Vetter wurde die Öffentlichkeit von dem Prozess ausgeschlossen, um die Intimsphären der Mädchen und des Angeklagten zu schützen.

Im Urteil zur Last gelegt wurden dem 26-Jährigen acht Fälle von sexuellen Missbrauchs von Kindern und der Besitz von kinderpornografischen Schriften. Neben der Bewährungsstrafe muss er nun 4000 Euro Schmerzensgeld zahlen.

Bei der Verhandlung legte der Angeklagte ein Geständnis ab, wie eine Gerichtssprecherin mitteilte und auch sein Anwalt kurz vor dem Prozessauftakt angekündigt hatte. Das Geständnis wirkte sich strafmildernd aus, die betroffenen Mädchen mussten nicht aussagen. Außerdem kam dem Düsseldorfer zugute, dass er noch keine Vorstrafe und ein stabiles soziales Umfeld habe, so die Richter.

Polizisten hatten bei dem 26-Jährigen laut Staatsanwaltschaft 1500 Bilddateien von Mädchen in sexualisierten Posen gefunden, als sie seine Wohnung vor rund einem Jahr durchsuchten. Etwa ein Jahr lang hatte er laut Anklage kinderpornografische Dateien gesammelt. Die Staatsanwaltschaft nannte in der Anklage vier Mädchen, die er kontaktiert habe. Zwei der damals Zehnjährigen hatten ihm Aufnahmen geschickt.

Eine Zehnjährige hatte sich ihrer Mutter anvertraut. Diese sei daraufhin zur Polizei gegangen und habe Anzeige erstattet. Das Mädchen war in dem Verfahren Nebenklägerin, ihre Mutter saß dem Angeklagten am Dienstag bei der Verhandlung gegenüber.

Der Anwalt des Mädchens, Bernd Dietmar Wermuth, sprach mit Blick auf die angeklagten Taten vor der Verhandlung von einer «ganz perfiden Herangehensweise». Der 26-Jährige habe Gleichaltrigkeit suggeriert und das Mädchen auch mit Drohungen unter Druck gesetzt. Wermuth zufolge kam der Fall auch wegen der Hartnäckigkeit der Eltern ans Licht. Er hoffe, dass Ermittler durch das Verfahren sensibilisiert worden seien. «Wir haben heute eine Bedrohung, die unmittelbar da stattfindet, wo moderne Kommunikationswege genutzt werden.»

Wegen der gleichen Masche hatte das Gericht im April einen Bauarbeiter aus Neuss zu vier Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Der Mann war bereits einschlägig vorbestraft gewesen.

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