Wissenschaft
Erstmals Nagetierchen aus der Kreidezeit nachgewiesen

Münster/Balve (dpa) - Wissenschaftler haben mit der Auswertung von winzigen Fossilienfunden aus dem Sauerland erstmals für Deutschland rund 125 Millionen Jahre alte Nagetierchen nachgewiesen. Gleich zwei neue Arten aus der Kreidezeit konnte das Forscherteam anhand von Analysen der winzigen Zähnchen beschreiben, wie der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) am Mittwoch mitteilte. Sie gehören zu den zahlreichen Entdeckungen, die Forscher unter Leitung der LWL-Paläontologen seit 2002 in einem Steinbruch bei Balve im Hönnetal gemacht haben, und die nun genauer analysiert wurden.

Mittwoch, 09.12.2020, 13:54 Uhr aktualisiert: 09.12.2020, 14:02 Uhr

Bructerodon alatus und Cheruscodon balvensis gehören den Angaben zufolge zur Gruppe der sogenannten Multituberculata, die auch die Nagetiere des Erdmittelalters genannt werden. Sie waren zwar mit den heutigen Nagern nicht direkt verwandt, ähneln ihnen aber und waren in etwa so groß wie Mäuse oder Ratten. Auffällig sind die beiden stark nach vorne geneigten Unterkieferschneidezähne der pflanzenfressenden Säuger.

Sie seien zwar im Zeitalter der Dinosaurier durchaus häufig gewesen, hieß es weiter. Dennoch sei Balve der einzige Ort neben Großbritannien in ganz Europa, an dem ein Stück eines Kieferfragmentes von Multituberculata aus der frühen Kreidezeit gefunden wurde: Die Skelettfragmente seien einfach so klein. Die Forscher und Forscherinnen müssen sie in zeitintensiver Arbeit wie beim Goldwaschen mit Sieben aus den Gesteinsproben schlämmen.

Gemeinsam mit Forschern von der Universität Bonn wurden im Anschluss 3D-Scans der nur etwa zwei Millimeter großen fossilen Zähnchen angefertigt, um ihre Struktur zu analysieren. Dabei sei aufgefallen, dass diese mit keiner bekannten Gattung übereinstimme. In einem online bereits verfügbaren Aufsatz für die Fachpublikation «Cretaceous Research» beschreiben die Forscher ihre Entdeckungen genauer.

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