Jahreswechsel
Noch viel Arbeit nach Ende der Kohleförderung im Ruhrgebiet

Seit zwei Jahren ist Schluss mit dem Steinkohlenbergbau in Deutschland. Die Arbeit geht aber weiter. Jedes Jahr müssen Millionen Kubikmeter Wasser aus den Zechen gepumpt werden - und das soll möglichst günstig geschehen.

Montag, 04.01.2021, 16:29 Uhr aktualisiert: 04.01.2021, 16:41 Uhr
Das Bergwerk Prosper Haniel im Ruhrgebiet. Foto: Oliver Berg

Essen (dpa/lnw) - Auch zwei Jahre nach dem Ende des Steinkohlenbergbaus in Deutschland fahren noch immer Bergleute nach Untertage ein. Denn bis die letzten Schächte im Ruhrgebiet mit vielen Tausend Tonnen Sand und Beton verfüllt sind, wird es nach Angaben des Bergbauunternehmens RAG noch bis zum Jahr 2024 dauern.

Bis dahin seien weiter Sicherungsarbeiten nötig, Pumpen für das Grubenwasser müssten gewartet und vereinzelt letztes Material nach oben gebracht werden, erläuterte ein RAG-Sprecher. Auf dem Bergwerk Prosper Haniel in Bottrop, das im Dezember 2018 als letzte Schachtanlage geschlossen worden war, solle der Schacht im Laufe des Jahres 2021 verschlossen werden.

Auch wenn längst keine Kohle mehr gefördert wird, muss der Steuerzahler noch erhebliche Beträge für das Erbe des Bergbaus aufbringen. Im Jahr 2020 erhielt die RAG insgesamt rund 2,1 Milliarden Euro für die Beseitigung von Altlasten des Kohleabbaus und die Kosten der Stilllegung.

Damit sei der Großteil dieser Aufwendungen abgegolten, sagte der Unternehmenssprecher. Bis 2025 gebe es für diese Aufgaben weitere 1,2 Milliarden Euro. Derzeit beschäftigt die RAG knapp 1240 Mitarbeiter. Wenn alle Rückbauarbeiten erledigt sind, sollen es noch 470 sein.

Die RAG ist dabei, ihr neues Konzept für das Abpumpen des Grubenwassers umzusetzen. Weil ein Sicherheitsabstand zum Trinkwasser erhalten werden soll, muss das Grubenwasser auf Dauer nach oben geholt werden. Grubenwasser ist Regenwasser, das in die Tiefe sickert, dabei Salze und Metalle auswäscht und sich in den unterirdischen Hohlräumen sammelt.

Um diese Ewigkeitsaufgabe möglichst kostengünstig bewältigen zu können, wird die Zahl der Pump-Standorte im Ruhrgebiet auf sechs reduziert. Dort soll das Wasser unterirdisch zusammenlaufen, mit großen Tauchpumpen gehoben und in Ruhr, Lippe und Rhein eingeleitet werden.

Damit das funktioniert, muss das Grubenwasser in den Bergwerken steigen. Ziel sei es, «möglichst viele Flusskilometer von Grubenwasser zu entlasten und so eine natürliche Entwicklung der Gewässer zu ermöglichen», betonte RAG-Vorstandschef Peter Schrimpf.

Für das nördliche Ruhrgebiet steht nach RAG-Angaben jetzt ein wichtiger Schritt bevor. Unter dem ehemaligen Bergwerk Lohberg am Niederrhein soll das Grubenwasser auf 630 Meter unter der Erdoberfläche steigen. Das sei die Voraussetzung dafür, dass das Grubenwasser von Prosper Haniel nach Lohberg laufen könne, «und nicht mehr in die Emscher eingeleitet werden muss», erläutert Schrimpf. Von Lohberg aus soll das Wasser dann in den Rhein fließen. Der durch Bergbau und Industrialisierung zum Abwasserkanal gewordene Fluss wird in einem Milliardenprojekt renaturiert.

Kritiker befürchten, dass das Ansteigen des Grubenwassers zur Gefahr für das Trinkwasser werden könnte - auch weil es mit dem Umweltgift PCB aus alten Bergbaumaschinen belastet sein kann. Die Bezirksregierung Arnsberg, die in NRW für die Aufsicht des Bergbaus zuständig ist, sieht diese Gefahr nicht. Auch sei zu erwarten, dass sich die Qualität des Rheinwassers verbessert. Mit umfangreichen Kontrollprogrammen soll überprüft werden, ob diese Erwartungen von Gutachtern auch eintreffen.

Der Umweltverband BUND fordert, dass das Grubenwasser vor der Einleitung in die Lippe oder den Rhein gereinigt werden muss. «Auch wenn es ein Fortschritt ist, dass jetzt etliche Gewässer nicht mehr mit Grubenwasser belastet werden sollen, ist es keine Lösung, die giftigen Grubenwässer gebündelt in den Rhein einzuleiten und dort auf den vermeintlichen Verdünnungseffekt zu setzen», sagte Dirk Jansen vom BUND in NRW.

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