Fußball
Berliner für Schalke: Negativrekord bleibt bei Tasmanen

Viele hatten damit gerechnet, dass Tasmania Berlin den Rekord für die meisten Bundesligaspiele ohne Sieg an Schalke abgeben muss. Da die Gefahr nun gebannt ist, will sich Tasmanen-Präsident Numic neuen Herausforderungen stellen.

Sonntag, 10.01.2021, 14:10 Uhr aktualisiert: 10.01.2021, 14:22 Uhr
Schalkes Benjamin Stambouli und Hoffenheims Ishak Belfodil (l-r.) in Aktion. Foto: Guido Kirchner

Berlin (dpa) - Dass der Präsident eines Berliner Fußballvereins eine Mannschaft aus Gelsenkirchen anfeuert, ist selten - vor allem, wenn er wie Tasmania-Präsident Almir Numics eigenen Angaben zufolge Dortmund-Fan ist. «Den Sieg gönne ich den Schalkern», sagte Numic nach dem 4:0 der Schalker gegen die TSG 1899 Hoffenheim. Das liege aber auch daran, dass nach Samstag der Rekord von 31 Bundesligapartien ohne Sieg in Berlin bleibe.

«Dass die Schalker in dieser Höhe gewinnen, hat mich überrascht», sagte Tasmania-Legende Hans-Günter Becker. In der sieglosen Rekordsaison 1965/66 war er Kapitän der Hauptstädter. Der heute 82-Jährige spielte zunächst im Mittelfeld und dann als Verteidiger. Das Spiel gegen Hoffenheim habe er in der «Bild»-Redaktion geschaut. Danach sei es direkt zum ZDF gegangen, wo er live ins «Sportstudio» geschaltet worden sei.

«Für uns als Kultverein ist der Negativrekord sehr wichtig», betonte Numic. Der Club aus dem Stadtteil Neukölln ist derzeit Tabellenführer in der fünftklassigen Oberliga. «Durch die Geschichte mit Schalke füllt sich gerade unser Presseordner», sagte er. Auf der Plattform Facebook listet Tasmania verschiedene Beiträge über den Negativrekord auf. Demnach berichteten unter anderem der RBB, RTL oder Sport 1. Auch Artikel aus dem Ausland sind dabei. Vor kurzen habe er der «New York Times» ein Interview gegeben, berichtete der Vereinspräsident.

«Mit den vielen Anfragen und Interviews ist es fast ein wenig wie damals», erinnerte sich Becker. Wegen finanzieller Unregelmäßigkeiten bei Hertha BSC kam die Tasmania in der Saison 1965/66 überraschend in die Bundesliga. In jenem Jahr erzielten die Tasmanen allerdings am Ende nur 15 Tore, kassierten 108 Gegentreffer und stiegen als Letzter ab. «Das anfängliche Interesse der Presse schlug schnell in Häme um», berichtete der ehemalige Tasmanen-Kapitän Becker. Er könne sich gut vorstellen, in welcher Situation die Schalker waren. «Da ist ganz schön viel Druck auf dem Kessel.»

«Als nächstes wollen wir mit einem sportlichen Erfolg für Schlagzeilen sorgen», sagte Numic. Das Ziel: mit der ersten Herrenmannschaft in die Regionalliga aufsteigen. Ihren Club verbindet mit dem später insolventen SC Tasmania 1900 aber nur ein Teil des Namens. Offizieller Rechtsnachfolger ist der 1973 gegründete heutige Fünftligist nicht.

«Ich bin zwar kein Wahrsager, aber wir werden den Rekord wohl doch noch für sehr lange Zeit behalten», sagte Becker nach dem Schalke-Sieg. Sein letztes Bundesligaspiel bestritt Becker damals übrigens ähnlich wie die TSG Hoffenheim - zu Null und mit vier Gegentoren der Königsblauen.

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