Prozess
Mord vor 27 Jahren: Lebenslange Haft für angeklagten Münsteraner gefordert

Münster/Dortmund -

Im Prozess um den gewaltsamen Tod einer Schülerin vor mehr als 27 Jahren beantragt der Staatsanwalt lebenslange Haft wegen Mordes. Ein Geständnis des Angeklagten fehlt allerdings bislang. Als wichtigstes Indiz gilt daher eine DNA-Spur.

Mittwoch, 20.01.2021, 14:43 Uhr aktualisiert: 20.01.2021, 19:44 Uhr
Der Angeklagte verbirgt sein Gesicht hinter einer Gesichtsmaske, einer Brille und unter einer Kapuze. Foto: Bernd Thissen

Für den 56-jährigen Münsteraner geht es vor dem Landgericht Dortmund um alles oder nichts: Lebenslange Haft oder als freier Mann den Saal verlassen? Das sind die beiden einzigen Möglichkeiten in diesem aufsehenerregenden Prozess. Für die Eltern einer vor mehr als 27 Jahren auf dem Heimweg in Dortmund ermordeten Schülerin wird sich damit entscheiden, ob die Justiz den Mann vor ihnen im Gericht auch für den Mörder ihrer damals 16 Jahre alten Tochter hält.

Wegen des lange zurückliegenden Geschehens kann der Angeklagte nur noch wegen Mordes ins Gefängnis geschickt werden. Eine Verurteilung wegen Totschlags kommt wegen Verjährung nicht mehr in Betracht.

Der vorletzte Akt in diesem Verfahren lässt am Montag noch einmal deutlich werden, wie unterschiedlich Staatsanwaltschaft und Verteidigung die Faktenlage bewerten. Aus Sicht der Anklage sind die Mordmerkmale verwirklicht – Heimtücke und Verdeckungsabsicht nimmt der Staatsanwalt als Ergebnis der Beweisaufnahme an. Er fordert deshalb eine lebenslange Freiheitsstrafe. Zugleich beantragt er, die besondere Schwere der Schuld festzustellen. Das würde eine Haftentlassung nach 15 Jahren verhindern.

DNA-Spur steht im Mittelpunkt

Zwar könne nicht mehr festgestellt werden, was genau sich am Abend des 14. Oktobers 1993 zugetragen habe, heißt es im Plädoyer. Es sei aber kein plausibler Tathergang ohne Vorliegen eines Mordmerkmales denkbar. Auch die Nebenkläger fordern eine lebenslange Freiheitsstrafe wegen Mordes. Als entscheidendes Beweismittel dient eine DNA-Spur, die im entblößten Leistenbereich der Leiche gefunden worden war und die 2018 bei nachträglichen Analysen dem Münsteraner zugeordnet werden konnte.

Es ist doch Rosinenpickerei, die eine Spur als tatrelevant einzu­stufen und die andere nicht.

Udo Vetter, Strafverteidiger

Dennoch hat dessen Verteidiger Zweifel an der Täterschaft seines Mandanten. Schließlich sei an der Kleidung des Opfers noch eine weitere DNA-Spur gefunden worden, die von einer bislang unbekannten Person stamme. „Es ist doch Rosinenpickerei, die eine Spur als tatrelevant einzustufen und die andere nicht“, folgert Strafverteidiger Udo Vetter, der aktuell auch den Hauptbeschuldigten im Missbrauchskomplex Münster vor dem hiesigen Landgericht verteidigt. Er plädiert deshalb auf einen Freispruch. Bei anderer Bewertung handele es sich allenfalls um einen inzwischen verjährten Totschlag, weil Mordmerkmale nicht zweifelsfrei vorlägen, so Vetter.

In seinem Schlusswort bezeichnet sich der 56-Jährige, der nach zweijähriger Untersuchungshaft im Sommer 2020 aus dieser entlassen werden musste, weil die Justiz nicht schnell genug gegen ihn verhandelt hatte, als unschuldig. Das Urteil fällt am 25. Januar.

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