Kriminalität
Prozess um mutmaßlichen Foltermord in Flüchtlingsheim

Bonn (dpa/lnw) - Nach einem mutmaßlichen Foltermord in einem Flüchtlingsheim hat ein Prozess gegen zwei Männer aus Marokko begonnen. Den beiden 28 und 29 Jahre alten Angeklagten wurde am Montag vor dem Landgericht Bonn Mord aus Habgier, Grausamkeit und zur Ermöglichung eines Raubes vorgeworfen. Sie sollen im Juli 2020 einen 45-jährigen Nordafrikaner in seinem Zimmer in einer städtischen Flüchtlingseinrichtung in Lohmar über mehrere Stunden gefesselt und gefoltert haben. Laut Anklage verließen sie den Tatort mit einem Paar Turnschuhe und einem Handy des Opfers.

Montag, 01.02.2021, 15:29 Uhr aktualisiert: 01.02.2021, 15:40 Uhr
Der Eingang des Bonner Landgerichts. Foto: Oliver Berg

An blutige Szenen konnten sich beide Angeklagte am ersten Prozesstag allerdings nicht erinnern. Der Ältere räumte nur ein, dass sie zwei Tage lang in dem Zimmer des späteren Opfers verbracht, gemeinsam gegessen, getrunken und auch verschiedene Drogen zu sich genommen hätten. Der 45-Jährige sei ausgerastet, nachdem er entdeckt habe, dass einer der beiden Angeklagten ihm 150 Euro und 10 Gramm Haschisch geklaut habe. Daraufhin sei er mit einem Tischbein und einem Messer auf sie losgegangen. Er erinnere sich, dass er dem 45-Jährigen notwehrmäßig in die Hand gebissen habe, damit er das Messer fallen lasse, was gelungen sei. Damit ende seine Erinnerung.

Polizisten fanden den 45-Jährigen mehrere Stunden später leblos in seinem Zimmer. Ein Beamter schilderte als Zeuge, dass viel Blut zu sehen war. Bei der Obduktion wurden später fast 200 Hautverletzungen über den ganzen Körper festgestellt. «Das war Folter», so der erste Tatortbeamte auf Nachfrage, «da ist jemand systematisch drangsaliert und fertig gemacht worden».

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