Hochwasser
Kaum noch Schiffe auf dem Rhein: Gemeinde wird zur Insel

Offiziell läuft der Schiffsverkehr auf dem Rhein noch, faktisch aber ist wegen des Hochwassers aber schon kaum noch jemand unterwegs. Ein Binnenschiffer fuhr sich am Mittwoch fest.

Mittwoch, 03.02.2021, 14:59 Uhr aktualisiert: 03.02.2021, 15:12 Uhr
Blick auf Rees-Grietherort aufgenommen mit einer Drohne am 08.01.2018. Foto: Arnulf Stoffel

Köln (dpa/lnw) - Wegen des Hochwassers fahren auf dem Rhein kaum noch Schiffe. Offiziell ist der Verkehr zwar noch nicht eingestellt, weil die Marke von 8,30 Metern in Köln noch nicht erreicht ist. Faktisch gehe aber kaum noch ein Binnenschiffer das Risiko ein, sagte am Mittwoch eine Sprecherin des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Rhein. «Ein Containerschiff hat auch bei 8,22 Metern schon ein sehr großes Problem, unter den Brücken herzufahren.»

Die Kölner Hochwasserschutzzentrale hält es für möglich, dass die kritische Marke von 8,30 Metern am Donnerstag überschritten wird. Hundertprozentig könne man das nicht voraussagen. «Das ist Natur», sagte eine Sprecherin. Mit einem Fallen des Wasserstandes wird ab Anfang nächster Woche gerechnet.

Auf dem Rhein bei Düsseldorf fuhr sich am Mittwoch ein Frachtschiff fest, weil sich der Führer laut Polizei wegen des Hochwassers verschätzt hatte. Das Schiff lief auf Grund und geriet in Schieflage, Wasser drohte einzubrechen. Ein zweites Rheinschiff befreite den Kohlefrachter mit Stahlseilen.

Die durch das Hochwasser veränderten Strömungsverhältnisse erschwerten das Manövrieren, sagte ein Sprecher des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes. Auch das Totholz, das durch das Hochwasser vermehrt im Fluss treibe, stelle eine Gefahr dar. Die Einstellung der Schifffahrt ab einer bestimmten Marke diene außerdem dem Zweck, Schäden an den Rheindeichen durch den Wellenschlag der Schiffe vorzubeugen.

Die Gemeinde Rees-Grietherort am Niederrhein wurde durch das Hochwasser von den Zufahrtsstraßen abgeschnitten. Grietherort sei damit vorübergehend zur Insel geworden, sagte der Reeser Ordnungsamtsleiter Frank Postulart. Für die Bewohner sei das aber keine ungewöhnliche Situation, sie seien an die Winterhochwasser gewöhnt. Um Menschen zur Arbeit zu bringen, verkehrt dreimal täglich ein Motorboot der Reeser Feuerwehr. Grietherort hat rund 100 Einwohner.

Die Gemeinde liegt zwischen dem Rhein und einem Altrheinarm und ist bei Hochwasser ab einem Pegelstand von etwa 7,20 Meter über Straßen nicht mehr erreichbar. Am Mittwochmorgen lag der Rheinpegel in Rees bei 8,05 Meter. Das Feuerwehrboot «Bienchen» stehe natürlich für Notfalltransporte auch außerhalb der Fahrzeiten morgens, mittags und abends zur Verfügung, sagte der Ordnungsamtsleiter. Die Gemeindebewohner hätten sich rechtzeitig im Vorfeld mit Lebensmittelvorräten eingedeckt und könnten jetzt zum Einkaufen auch übersetzen. Die Strom- und Wasserversorgung sei gesichert. Der Scheitel des Hochwasser werde für Freitag mit 8,60 Meter erwartet.

© dpa-infocom, dpa:210203-99-285240/3

Nachrichten-Ticker