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Höchste Unwetter-Warnstufe für Teile Westfalens

Nun scheint der Winter ernst zu machen. In weiten Teilen Westfalens könnten in der Nacht zum Sonntag gewaltige Schneemengen das öffentliche Leben massiv einschränken. Wer weiter südlich wohnt und um den Schnee herumkommt, dem droht Eisregen.

Samstag, 06.02.2021, 13:15 Uhr aktualisiert: 06.02.2021, 17:49 Uhr
Foto: Matthias Ahlke (Archivbild)

Essen (dpa/lnw) - Der Deutsche Wetterdienst hat wegen des erwarteten heftigen Wintereinbruchs die höchste Unwetterwarnstufe für Teile Westfalens ausgegeben. Räumdienste und Einsatzkräfte bereiteten sich am Samstag auf einen der größten Einsätze seit Jahren vor. Auch die Bahn setzte ihre Schneeräumtrupps in Bereitschaft, warnte aber trotzdem vor möglichen Zugausfällen.

Besonders betroffen sein werde vermutlich die Region vom Kreis Lippe über Bielefeld und Paderborn bis nach Münster und Unna. Für dieses Gebiet gab der Deutsche Wetterdienst (DWD) ab Samstag 21.00 Uhr eine Warnung vor starkem Schneefall und ab Mitternacht vor extrem starken Schneeverwehungen heraus. In vielen Regionen sei mit 15 bis 30 Zentimeter Schnee zu rechnen, teilweise seien sogar 40 Zentimeter möglich. Zusätzlich verschärft werde die Lage, weil ein starker Ostwind den lockeren Schnee verwehen und örtlich sehr hoch auftürmen könne.

Für viele weitere Regionen in NRW warnte der Wetterdienst noch mit der zweithöchsten Warnstufe vor starkem Schneefall. «Straßen und Schienenwege können unpassierbar sein. Vermeiden Sie alle Autofahrten!», warnten die Meteorologen. Erst am Sonntagabend werde sich die Lage entspannen.

Südlich dieser von starkem Schneefall betroffenen Regionen rechnen die Meteorologen zudem mit einem gefährlichen Eisregen. Wo genau in NRW es besonders glatt werden könnte, sollten die Wettermodelle im Laufe des Samstagnachmittags zeigen. Betroffen sein könnten vor allem das Ruhrgebiet, Südwestfalen und der Niederrhein.

Sollte tatsächlich so viel Schnee fallen wie prognostiziert, stehe der Stadt Münster einer der größten Einsätze seit Jahren bevor, sagte der Einsatzleiter für den Winterdienst, Gregor Walterbusch, den «Westfälischen Nachrichten». Er rechne mit einer «absoluten Ausnahmelage». In seinen 21 Dienstjahren habe er «noch nie mit so viel Schnee in so kurzer Zeit» planen müssen.

Sorgen bereiten dem Winterdienst in Münster auch die niedrigen Temperaturen. Das Streusalz erziele bei Werten unter minus 5 Grad kaum noch eine Tauwirkung, teilte die Stadt mit. «Bei tieferen Temperaturen gerät jeder Winterdienst an seine Grenzen.» In Münster würden aber Temperaturen bis minus 8 Grad erwartet.

Die Deutsche Bahn warnte am Samstag davor, dass es auch im Schienenverkehr zu starken Einschränkungen kommen könne. Die Menschen sollten sich an die Warnung des Deutschen Wetterdienstes halten und wenn möglich zu Hause bleiben, sagte eine Sprecherin. Auf ihrer Internetseite teilte die Bahn mit, dass die Mobilitätsgarantie, die sonst für Fahrgäste im Regionalverkehr in NRW gilt, ab Sonntag wegen des Unwetters nicht gelte. Wer mit dem Zug nicht mehr an sein Ziel komme, könne dann zum Beispiel nicht wie sonst auf Kosten der Bahn in ein Taxi umsteigen.

Im Norden Deutschlands waren am Samstag vorsorglich schon einige Verbindungen im Fernverkehr eingestellt worden. In Nordrhein-Westfalen war davon allerdings nur die Intercity-Verbindung von Münster nach Norddeich Mole betroffen.

Auch auf den Autobahnen bereiteten sich die Räumdienste auf einen Großeinsatz vor. «Wir stehen bereit, unsere 440 Straßenwärter und Straßenwärterinnen sind in Bereitschaft versetzt. Sie werden am Wochenende wohl nicht viel Schlaf bekommen», sagte der Sprecher der Autobahn GmbH Westfalen, Bernd Löchter, in Hamm. Er appellierte an die Autofahrer, nur mit vollem Tank, Winterreifen und Decken zum Wärmen loszufahren. Sie sollten außerdem überlegen, ob die Fahrt wirklich notwendig ist.

Auch die Energieversorger waren alarmiert und hatten zahlreiche Techniker in Bereitschaft versetzt, um bei Stromausfällen schnell reagieren zu können. So schlimm wie im November 2005, als im Münsterland schwerer Schnee an den Stromleitungen kleben blieb, Masten umknickten und Zehntausende Haushalte tagelang ohne Strom waren, werde es aber diesmal wohl nicht. Dafür sind die Temperaturen nach Einschätzung des Deutschen Wetterdienstes zu niedrig.

Einige Kreise im Norden von NRW halten es für möglich, dass der viele Schnee auch am Montag noch für starke Verkehrsbehinderungen sorgt. Das könnte Auswirkungen auf den Start der Corona-Impfzentren haben, in denen landesweit erstmals Menschen ab 80 Jahren geimpft werden sollen, die zu Hause leben. Einige Kreise wie Borken, Warendorf und Steinfurt haben Senioren mit Impftermin daher die Möglichkeit gegeben, erst Dienstag zum jeweiligen Impfzentrum zu fahren.

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