Brauchtum
Studie: Corona kostet Karnevalshochburg Köln 600 Mio. Euro

«Viva Colonia» singen, schreien oder lallen normalerweise viele Menschen am letzten Wochenende einer Karnevalssession. Dieses Jahr wird es allerdings merkwürdig still am Rhein - was die Sorgenfalten vieler Unternehmer verstärkten dürfte.

Sonntag, 07.02.2021, 08:58 Uhr aktualisiert: 07.02.2021, 09:12 Uhr
Euro-Banknoten liegen übereinander gestapelt. Foto: Jens Wolf

Köln (dpa) - Die coronabedingte Absage der Karnevalsfeierlichkeiten kostet die Schunkelmetropole Köln einer Studie zufolge knapp 600 Millionen Euro. Von dem üblichen Umsatz pro Session - also im Zeitraum 11.11. bis Aschermittwoch - blieben dieses Mal wohl nur etwa 9 Millionen Euro beziehungsweise weniger als zwei Prozent übrig, heißt es in einer Analyse der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG). «In nahezu allen Bereichen des Karnevals sind die Einnahmen aufgrund der Coronamaßnahmen weggebrochen», erklärt BCG-Partner Jochen Schönfelder.

Köln ist die größte deutsche Karnevalshochburg. Finanziell Leidtragende sind vor allem Musiker, Veranstalter und das Gastgewerbe, etwa Inhaber und Mitarbeiter von Kneipen. Auch Brauereien und dem Getränkehandel entgeht viel Geschäft.

Die verbliebenen Mini-Umsätze entfallen auf Internetformate und den Versand von Kostümen und Orden. Allerdings kann der Online-Verkauf von Karnevalskostümen den Erlöseinbruch wegen geschlossener Geschäfte nicht einmal ansatzweise ausgleichen, weil viele Menschen dieses Jahr auf eine neue Verkleidung verzichten: Selbst daheim sollen sie nicht mit Freunden schunkeln. Nicht nur in Kneipen und Veranstaltungsräumen entfallen Karnevalsfeiern, sondern auch in Schulen. Nur in Kindergärten wird häufig zumindest gruppenweise noch gefeiert, hierfür gibt es also noch einen gewissen Kostümbedarf.

Die finanziellen Folgen für die Session 2020/21 sind enorm, laut Schönfelder könnte es zu Insolvenzen in der Veranstaltungs- und Gastronomiebranche kommen. Doch der BCG-Experte sieht auch positive Aspekte. So könnten sich nun kreative, virtuelle Feierarten etablieren. «Alternativformate wie etwa das Autokino oder Streamingangebote generieren aufgrund geringerer Preise [...] und Gästeanzahl zwar weniger als 10 Prozent der üblichen Umsätze und erreichen in Summe deutlich weniger Teilnehmer», sagt Schönfelder. «Dennoch fördern sie die Aufrechterhaltung und Rückbesinnung auf den kulturellen Charakter des Karnevals.»

Mit Blick auf die Session 2021/22 ist er optimistisch. «Für die nächste Session ist ein übliches Veranstaltungsportfolio zu erwarten», sagt er. Die Stimmung und Lust auf Karneval werden nach seiner Einschätzung ungebrochen sein. «Wir erwarten auch hier, dass es wieder gute Umsätze in der Gastronomie, Hotellerie und Veranstaltungsbranche geben wird.»

Am kommenden Donnerstag ist Weiberfastnacht, in der Woche danach endet die Karnevalssession mit Aschermittwoch (17. Februar). Wegen der Pandemie sind alle Karnevalsfeiern in Gruppen untersagt.

© dpa-infocom, dpa:210207-99-334607/2

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