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Experten: Strenger Frost ist kein Problem für die Natur

«Die armen Tiere», denkt mancher angesichts zugefrorener Böden und dichter Schneedecken. Natürlich ist es für Rehe, Eichhörnchen und Vögel jetzt schwieriger, Nahrung zu finden. Aber die Natur hat vorgesorgt, und außerdem trifft die Kälte auch die Schädlinge.

Dienstag, 09.02.2021, 05:57 Uhr aktualisiert: 09.02.2021, 06:13 Uhr
Wildschweine stehen in einem Wildgehege im Schnee. Foto: Franziska Kraufmann

Düsseldorf (dpa/lnw) - Der strenge Frost mit zweistelligen Minusgraden in den nächsten Tagen stellt für die Natur kein Problem dar. «Pflanzen und Tiere sind auch auf harte Winter eingestellt», sagte Nabu-Sprecherin Birgit Königs, «da brechen keine Bestände zusammen, auch wenn einzelne Tiere diesen Winter nicht überleben.» Aus Sicht der Natur sei das sogar ein sinnvoller Prozess, um den Arterhalt mit gesunden Tieren in der nächsten Generation zu garantieren.

Für die Nacht zum Dienstag hatte der DWD in Nordrhein-Westfalen meist strengen Frost bei minus 9 bis minus 16 Grad vorhergesagt. Auch für die folgenden Nächte werden demnach ähnliche zweistellige Tiefstwerte bis minus 15 oder bei aufklarendem Himmel sogar stellenweise bis minus 17 Grad erwartet.

Tiere wie Rehe oder Wildschweine bräuchten bei Schnee und Eis natürlich länger für die Futtersuche, sagte Königs. Probleme werde der Eisvogel bekommen, der für seine Nahrungssuche offene Bäche und Flüsse brauche und wegen seines geringen Gewichts wenig zusetzen könne. Generell habe die Natur aber viele wirksame Strategien gegen strenge Kälte entwickelt: Bäumen ziehen die Nährstoffe aus den Blättern in den Stamm und werfen dann die Blätter ab, Tiere suchen geschützte Stellen oder verfallen in Winterschlaf wie der Igel und die Fledermaus oder in Winterruhe wie der Dachs.

Harte Winter trügen auch dazu bei, Schädlinge wie den Borkenkäfer zu dezimieren, sagte Friedrich Louen vom Landesbetrieb Wald und Holz. Borkenkäferlarven und Puppen, die sich unter Fichtenrinden eingenistet haben, leiden bei strengem Frost und sterben ab circa minus vier Grad ab, sagte Louen. Für Jungkäfer gelte dasselbe ab minus sieben Grad.

Allerdings überwintere ein deutlicher Teil der Borkenkäfer von zwischen 10 und 40 Prozent des Bestandes nicht im Baum, sondern im Boden, wo er besser geschützt sei. Deshalb bringe der strenge Frost in Sachen Borkenkäfer zwar Entlastung, aber keinesfalls Entwarnung.

Ein beliebter Gast auf Balkonen und in Gärten - das Eichhörnchen - ruht derzeit meist in seinen geschützten Quartieren, wird aber auch immer wieder wach und sucht Nüsse und andere Nahrung aus den vorher angelegten Vorratsverstecken.

© dpa-infocom, dpa:210209-99-359097/2

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