Berufungsverhandlung im Juni
Germanwings-Flugzeugabsturz: Streit um Schmerzensgeld

Hamm/Haltern am See -

Fast sechs Jahre ist es her, dass beim Germanwings-Absturz 150 Insassen starben, darunter 16 Schüler und zwei Lehrer aus Haltern. In den Rechtsstreit um höheres Schmerzensgeld zwischen den Hinterbliebenen und der Lufthansa kommt jetzt Bewegung.

Freitag, 26.02.2021, 20:00 Uhr
Im März 2015 verloren alle 150 Insassen der Germanwings-Maschine beim Absturz in den französischen Alpen ihr Leben – darunter auch 16 Schüler und zwei Lehrer des Joseph-König-Gymnasiums in Haltern am See. Foto: Peter Kneffel/dpa

Sechs Jahre nach dem Germanwings-Flugzeugabsturz in den französischen Alpen geht der Rechtsstreit zwischen der Lufthansa und den Hinterbliebenen der Opfer in eine neue Runde. Nach Informationen unserer Zeitung wurde die Berufungsverhandlung vor dem Oberlandesgericht (OLG) Hamm für den 1. Juni angesetzt. Ein OLG-Sprecher bestätigte dies am Freitag auf Anfrage.

Im März 2015 hatten alle 150 Insassen der Germanwings-Maschine ihr Leben verloren – darunter auch 16 Schüler und zwei Lehrer des Joseph-König-Gymnasiums in Haltern am See. Der psychisch kranke Co-Pilot Andreas Lubitsch hatte den Flieger absichtlich in den Sinkflug gebracht. Die Hinterbliebenen verklagten die Germanwings-Muttergesellschaft Lufthansa und deren Flugschule in den USA.

Hinterbliebene fordern eine Erhöhung des Schmerzensgeldes von 10.000 Euro auf 40 000 Euro

Sie fordern eine Erhöhung des bereits gezahlten Schmerzensgeldes von 10.000 Euro auf 40.000 Euro sowie eine Verdopplung des vererbbaren Schmerzensgeldes von 25.000 auf 50.000 Euro. Das Landgericht Essen wies die Klage ab. Die Begründung: Die Lufthansa sei der falsche Adressat der Klage. Vielmehr sei das Luftfahrtbundesamt für die medizinische Überwachungspflicht und die Tauglichkeitsuntersuchung des Piloten zuständig. „Das sehen wir anders“, sagt Anwalt Elmar Giemulla, der acht Mandanten aus Haltern vertritt, und in Berufung ging.

Der Jurist sieht die Flugschule und die Lufthansa-Ärzte in der Verantwortung und beruft sich auf Einschätzungen aus dem Luftfahrtbundesamt und dem Verkehrsministerium. Der Staat sei nicht in der Lage, alle Vorgänge im Flugverkehr zu kontrollieren, meint er. Jetzt entscheidet das OLG Hamm ab Juni, ob die Berufung zurückgewiesen oder der Prozess vor dem Landgericht Essen neu aufgerollt wird.

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