Wohnen
Vonovia mit guten Zahlen: Kritik an Mietsteigerung

Die Vermietung von Wohnungen gehört zu den Wirtschaftszweigen, die nicht unter der Corona-Pandemie leiden. Branchenführer Vonovia hat deshalb 2020 erneut gut verdient. Das löst auch Kritik aus.

Donnerstag, 04.03.2021, 13:46 Uhr aktualisiert: 04.03.2021, 13:52 Uhr
Der Schriftzug des Wohnungsunternehmens «Vonovia» an einem Gebäude. Foto: Marcel Kusch

Bochum (dpa) - Deutschlands größter Vermieter Vonovia ist auch in der Corona-Krise durch steigende Mieten, Zukäufe und Neubauten kräftig gewachsen. Der operative Gewinn legte 2020 im Jahresvergleich um 10,6 Prozent auf 1,35 Milliarden Euro zu, wie das Dax-Unternehmen am Donnerstag in Bochum mitteilte. Auch 2021 sollen Umsatz und Gewinn weiter steigen.

Der Konzern vermietet rund 416 000 Wohnungen, davon etwa 355 000 in Deutschland. Damit hat Vonovia nach eigenen Angaben hierzulande einen Marktanteil von 1,5 Prozent. Der Verkehrswert des Immobilienbestands stieg 2020 dank einer sehr hohen Nachfrage nach Wohnungen um 10,5 Prozent auf knapp 59 Milliarden Euro.

Die Miete für Vonovia-Wohnungen erhöhte sich 2020 im Schnitt auf 7,16 Euro pro Quadratmeter - das waren 3,3 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. In Deutschland lag sie Ende Dezember bei 6,95 Euro je Quadratmeter. Bei den Bestandsmieten habe das Plus nur 0,6 Prozent betragen, betonte Konzernchef Rolf Buch bei der Vorlage der Zahlen. Vonovia habe wegen der Pandemie monatelang auf Mieterhöhungen verzichtet und auch keine Kündigungen ausgesprochen. «Vonovia ist ein stabiler Fels in der Brandung», sagte Buch.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund sieht das anders. Vorstandsmitglied Stefan Körzell sprach von einem «Schlag ins Gesicht der Mieter, die im Moment vielfach nicht wissen, wie sie über die Runden kommen sollen». Der DGB fordert einen bundesweiten sechsjährigen Mietenstopp. Die Mieter bräuchten eine Atempause. «Ein Konzern wie Vonovia kann es problemlos verkraften, wenn sechs Jahre lang keine Mieterhöhungen möglich sind», sagte Körzell laut Mitteilung.

Auch vom Deutschen Mieterbund (DMB) in NRW kam Kritik. Während Vonovia die Dividende um 7,6 Prozent erhöhen wolle, müssten Mieter ihre Wohnung oftmals seit Monaten aus ihren Ersparnissen bezahlen. Vonovia will die Dividende um 12 Cent auf 1,69 Euro anheben. Buch erwartet, dass solche Debatten vor der Bundestagswahl zunehmen werden. «Wir sind uns bewusst, dass Wohnen ein sensibles Thema in diesem Wahljahr sein wird.» Die Wahlen dürften aber nicht zur Polarisierung genutzt werden.

Im vergangenen Jahr steckte Vonovia mit rund 1,9 Milliarden Euro etwas weniger in Modernisierung, Neubau und Instandhaltung von Wohnungen. So kam es etwa beim Neubau wegen der Sicherheitsvorkehrungen im Zuge der Corona-Pandemie zu Verzögerungen. Vonovia stellte 2020 gut 2000 Wohnungen fertig, nahezu genauso viele wie 2019. «Wir würden gerne mehr bauen», sagte Buch. Die bekannten Probleme wie lange Genehmigungszeiten und fehlende Grundstücke verhinderten das aber.

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