Agrar
Gute Aussichten fürs Königsgemüse: Bald startet der Spargel

Wenn der erste Spargel auf dem Teller liegt, ist für Viele der Winter endgültig vorbei. 2020 gab es wegen Corona große Probleme bei der Spargelernte - es fehlten Zehntausende Helfer. Das wird dieses Jahr anders, versprechen die Fachleute.

Freitag, 05.03.2021, 08:10 Uhr aktualisiert: 05.03.2021, 08:22 Uhr
Ein Erntehelfer hält auf einem Feld frisch gestochenen Spargel. Foto: Daniel Bockwoldt

Bonn/Münster (dpa/lnw) - Auf den Spargelfeldern in NRW werden derzeit die Dämme für das Edelgemüse gezogen und Folien gelegt: In wenigen Wochen beginnt die Spargelernte. Ende März, Anfang April dürften die ersten Stangen gestochen werden, erwarten die Fachleute. Nach einer durchwachsenen Spargelsaison 2020 mit dramatischem Erntehelfermangel wegen der Corona-bedingten Einreiseverbote herrscht nun Optimismus: «Wir haben positive Erwartungen für die Saison», sagt Peter Muß vom Provinzialverband Rheinischer Obst- und Gemüsebauer.

Die Helfer aus Polen, Rumänien und Bulgarien dürften mit Anmeldung, Unterkunftsmietvertrag und aktuellem Corona-Test problemlos einreisen. Viele seien schon in den Betrieben, berichtet der Fachmann. Neben dem Spargel seien sie derzeit auch damit beschäftigt, Obstbäume zu schneiden, Salate zu pflanzen und eingelagerte Äpfel für die Vermarktung aufzubereiten und umzupacken. Genaue Zahlen zu den ausländischen Erntehelfern existieren laut Muß nicht. Der Fachmann schätzt ihre Zahl NRW-weit in der Spitze auf 20 000 bis 30 000.

2020 hatten Agrarverbände und Landesregierung noch Alarm geschlagen, weil wegen der Corona-Pandemie Zehntausende Erntehelfer aus den osteuropäischen Ländern fehlten. Die Landwirtschaftsverbände hatten mit mäßigem Erfolg sogar Freiwillige und Menschen in Kurzarbeit aufgerufen, beim Spargelstechen mitzuhelfen. Die Erntemenge schrumpfte nach vorläufigen Zahl des Statistischen Landesamtes IT.NRW von gut 22 300 Tonnen Spargel 2019 um 16,6 Prozent auf gut 18 600 Tonnen - und das bei einer deutlich auf knapp 4200 Hektar (Vorjahr 3900) gestiegenen Anbaufläche.

Mit solchen Problemen sei 2021 nicht zu rechnen, sagt auch Ralf Große Dankbar von der Landwirtschaftskammer NRW. Die sehr tiefen Fröste im Februar hätten dem Spargel nichts ausgemacht. Nun komme es auf die Sonneneinstrahlung in den nächsten Tagen an. Bei gutem Sonnenschein könne die Ernte womöglich schon Ende März beginnen.

Ziemlich sicher am Markt ist dann bereits Landwirt Johannes Nagelschmitz aus Bedburg/Erft im Rheinischen Revier. Er setzt auf «Spargel mit Fußbodenheizung»: Dank des warmen Wassers aus dem benachbarten RWE-Tagebau Hambach wird das Gemüse gewärmt und könnte im besten Fall sogar schon um den 15.-20. März erntereif sein, sagt der Landwirt - rund zwei Wochen eher als die Konkurrenz.

Das rund 25 Grad warme Wasser wird zur Sicherung des Ausbaus aus dem RWE-Tagebaubetrieb gepumpt und wärmt im Rahmen einer Kooperation zwischen Energiekonzern und Landwirt über 15 Hektar Anbaufläche von Nagelschmitz. Die Spargelnachfrage sei gerade in der Anfangszeit groß, sagte Nagelschmitz. Der Preis könne dann um die zehn Euro pro Kilo liegen.

Kooperationen von Bauern im Rheinischen Revier mit RWE-Anlagen hatte es schon seit Jahren gegeben. Mit der Abschaltung von Kraftwerksblöcken ging das aber zurück. «Wir sind abgekoppelt», sagte etwa Landwirt Michael Bong aus Bergheim, der jahrelang von Kraftwerkswärme profitiert hatte. Nun versucht er mit einem doppelten Foliensystem, die Sonnenwärme für seine Spargelstangen festzuhalten. Mit dem Spargelstechen will er etwa Anfang April beginnen. Seine aktuell benötigten Erntehelfer seien bereits da, sagte er.

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