Fußball
Trainer Rose und Bosz zwischen Druck und Treueschwüren

Der vierte Platz ist weit weg, die Stimmung angespannt, die Trainer unter Druck: Statt sich wie in den vergangenen Jahren um die Champions League zu duellieren treffen sich Gladbach und Leverkusen am Samstag zum Krisen-Derby.

Freitag, 05.03.2021, 14:58 Uhr aktualisiert: 05.03.2021, 15:12 Uhr
Leverkusens Trainer Peter Bosz gibt Anweisungen. Foto: Tom Weller

Mönchengladbach (dpa/lnw) - Peter Bosz hat nach eigener Auskunft derzeit «jeden Angst». Wenn das Telefon klingele, «geht mein Herzschlag schon Richtung 200», verriet der Trainer von Bayer Leverkusen am Freitag. Allerdings fürchtet der Niederländer nicht den Anruf, in dem ihm seine Entlassung mitgeteilt wird. Sondern einen weiteres positives Corona-Ergebnis. Sechs davon hatte Bayer in dieser Saison schon.

Es ist ein Teil der Krise, die die Werkself erwischt hat, und kein unwichtiger. Dennoch läuft vor dem Derby bei Borussia Mönchengladbach am Samstag (15.30 Uhr/Sky) sehr viel schief. Bei beiden. Nachdem sie sich in den Vorjahren erbitterte Duelle um dem letzten Champions-League-Rang geliefert haben, trifft nun der Neunte auf den Sechsten. Und beide Trainer sind trotz der ständigen und vehementen Treuebekundungen ihrer Bosse durchaus angeschlagen. Derjenige, der am Samstag auch noch verliert, könnte ein echtes Problem haben. «Marco ist ein super Kollege», sagte Bosz über Marco Rose und ergänzte schmunzelnd: «Trotzdem hoffe ich, dass er am Samstag einen schwierigen Tag hat. Danach darf er von mir aus alles gewinnen.»

Seit Rose seinen Wechsel nach Dortmund im Sommer angekündigt hat, hat Gladbach nicht nur nicht mehr gewonnen, sondern gar nicht mehr gepunktet. Vier Spiele, vier Niederlagen. Dazu die komplett gekippte Fan-Stimmung. Da bleibt spannend, wie lange Manager Max Eberls beherztes Bekenntnis zu seinem Trainer aufrecht zu halten ist. Am Freitag erneuerte es jedenfalls noch einmal. «Ich bin überzeugt davon, dass Marco Rose der beste Trainer für uns ist bis zum Sommer. Da müssen uns die Leute mal vertrauen», sagte er.

Rose selbst schloss derweil einen vorzeitigen Rückzug aus. «Das ist für mich überhaupt kein Thema. Es hat sich nichts geändert am Verhältnis zu den Spielern», versicherte der 44-Jährige. Die aktuelle Krise sei «nicht ausschließlich eine Ergebniskrise. Wir haben zuletzt nicht gut gepunktet und dafür gab es Gründe.» Dennoch habe er «die Überzeugung, dass die Dinge hier funktionieren. Wichtig ist, die Nerven zu behalten und fleißig weiter zu arbeiten. Wir müssen die Köpfe oben behalten, dann wird das Spielglück zurückkehren.»

Auch in Leverkusen stellten sich die Bosse zuletzt mehrfach deutlich hinter Bosz, mit dem sie eigentlich gerne langfristig weiterarbeiten wollen. «Das ist natürlich gut für einen Trainer», sagte Bosz: «Wir trinken jede Woche zusammen Kaffee und reden über alles, was mit Fußball zu tun hat. Dieser Austausch hilft uns, damit es keine Überraschungen gibt.»

Dennoch ist dem Niederländer klar, dass er bald wird liefern müssen. «Wichtig ist, dass bald die Ergebnisse kommen. Ob wir dafür erst gut spielen müssen oder ob wir schlecht spielen und trotzdem Ergebnisse liefern, ist mir egal», bekannte er. Denn das Spiel am Samstag sei sehr wichtig. «Und weil wir uns langsam dem Ende der Saison nähern, wird jedes Spiel wichtiger und wichtiger.» Das gilt sicher für beide.

© dpa-infocom, dpa:210305-99-703213/3

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