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NRW benennt Anlaufstellen für Corona-Tests

Mit einem kostenlosen Corona-Freitest pro Woche ein bisschen Bewegungsspielraum zurückerobern - danach sehnen sich viele Bürger. Bei Friseuren und Kosmetikerinnen reicht in NRW jetzt vorerst ein Schnelltest direkt im Salon.

Montag, 08.03.2021, 15:36 Uhr aktualisiert: 08.03.2021, 15:43 Uhr
Das Logo an einer Apotheke. Foto: Uli Deck

Düsseldorf (dpa/lnw) - Ärzte, Apotheken, medizinische Labore, Rettungs- und Hilfsorganisationen sowie weitere Anbieter sollen in NRW mit kostenlosen Coronavirus-Tests beauftragt werden. Das geht aus einer Allgemeinverfügung hervor, die das nordrhein-westfälische Gesundheitsministerium erlassen hat. Auch Zahnärzte sowie kommunale, private und von den kassenärztlichen Vereinigungen betriebene Testzentren sollen sich nach Möglichkeit an den breit angelegten «Bürger-Testungen» beteiligen.

In der seit Montag geltenden Corona-Schutzverordnung ist für gesichtsnahe Dienstleistungen wie von Friseuren oder Kosmetikern, bei denen die Maske nicht getragen werden kann, ein vorheriger tagesaktueller Test vorgesehen. «Bis zum 1. April 2021 ist hier für die Kundinnen und Kunden ein Schnelltest direkt vor Ort vor der Dienstleistung in Anwesenheit des Personals des Dienstleisters ausreichend», teilte das Gesundheitsministerium in Düsseldorf mit.

Die Testverordnung des Bundes legt fest, dass die Testangebote von Bürgern, die ihren Wohnsitz oder ständigen Aufenthaltsort im Bundesgebiet haben, mindestens einmal pro Woche kostenlos genutzt werden können. Die Nutzer erhalten vor Ort einen Nachweis über das Testergebnis - entweder elektronisch oder in Papierform.

«Wir können jetzt sofort starten», erklärte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) in einer Mitteilung. Gleichzeitig werde gemeinsam mit den Kommunen daran gearbeitet, landesweit eine ortsnahe Teststruktur für absehbar steigende Bedarfe auszubauen.

Alle Tests sowie die Zahl der positiven Ergebnisse müssen den Gesundheitsbehörden namentlich tagesaktuell gemeldet werden. Bei positivem Test muss ein sofortiger genauerer PCR-Test als Bestätigung angeboten werden - notfalls in Kooperation mit einer anderen ortsnahen Stelle. Getestet werden nur Personen ohne Corona-Symptome.

In einer Anlage werden darüber hinaus die Mindestanforderungen für die Teststellen aufgelistet. Dort heißt es unter anderem, dass die Größe der Räumlichkeiten dem zu erwartenden Testaufkommen entsprechend bemessen sein müsse. Auch räumliche Anbindungen an Drogerien sind demnach möglich. An den genutzten Orten müsse mindestens alle 30 Minuten gelüftet werden können. Andernfalls seien Luftfiltergeräte einzusetzen.

Die NRW-Allgemeinverfügung gilt, bis die eigentlich zuständigen örtlichen Gesundheitsbehörden selbst Aufträge für die Tests erteilen - «längstens aber bis einschließlich zum 15. März 2021». Infrage kämen prinzipiell alle, die bereits vor dem 8. März Antigen-Tests für Patienten angeboten hätten, die zur Durchführung der Tests «bereit und in der Lage» seien und die personellen und räumlichen Mindestanforderungen erfüllen.

Die Teststellen müssen an mindestens 20 Wochenstunden zur Verfügung stehen und auch Nachmittags- und Wochenendöffnungszeiten anbieten. Auch «Drive-In» könne angeboten werden. Als Testpersonal seien nachweislich fachkundige Personen mit einer medizinischen Ausbildung einzusetzen oder andere fachkundige, besonders geschulte Personen - etwa Krankenpfleger.

Wegen vieler noch offener Fragen boten zum Start am Montag nur wenige Apotheken in NRW schon kostenlose Corona-Schnelltests für alle Bürger an. «In den allermeisten Fällen sind den Apotheken die Hände gebunden, weil sie noch auf die erforderliche Beauftragung durch die Kommunen warten», sagte der Vorsitzende des Apothekerverbands Nordrhein, Thomas Preis, der Deutschen Presse-Agentur. Offen blieb zunächst etwa noch, wie sichergestellt wird, dass tatsächlich maximal ein kostenloser Test pro Woche und Bürger in Anspruch genommen wird.

Eine Apothekerin in Hagen sagte auf dpa-Anfrage, obwohl die Kostenübernahme noch nicht gesichert sei, habe man mit dem Testen begonnen. «Wir wollen den Bürgern diesen Service anbieten, auch wenn wir erst mal auf eigene Rechnung, auf eigenes finanzielles Risiko testen», schilderte Inhaberin Inga Utermann. Verbandschef Preis zufolge bedeutet jeder Schnelltest einen Kostenaufwand von 35 Euro. Die vom Bund bisher genannten sechs Euro für den Test plus zwölf Euro für die Durchführung und die Ausstellung eines Testzeugnisses seien zu wenig.

Dem Verband zufolge bietet jede zehnte Apotheke in NRW bislang kostenpflichtige Corona-Schnelltests an und könnte das Angebot auch sofort für die kostenlosen Tests sicherstellen. Kurzfristig könnten weitere zehn Prozent hinzukommen. Wichtig seien «gewisse räumliche Freiheiten», also bei Platzmangel etwa Zelte oder Räume in unmittelbarer Nähe der Apotheke, die für die Schnelltests genutzt werden können. «Da sind wir in guten Gesprächen mit der Landesregierung und kommunalen Ansprechpartnern.»

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