Bundestag
Kritik an Wagenknechts Buch: Rufe nach Kandidatur-Verzicht

An diesem Wochenende will Sahra Wagenknecht in NRW für den Bundestag kandidieren. Kurz vor der Entscheidung entbrennt eine hitzige Debatte über noch unveröffentlichte Passagen aus ihrem neuen Buch. Einige Mitglieder des Parteivorstands fordern ihren Rückzug.

Freitag, 09.04.2021, 19:27 Uhr aktualisiert: 09.04.2021, 19:32 Uhr
Sahra Wagenknecht, damals Fraktionsvorsitzende der Partei Die Linke, schaut in die Kamera. Foto: Britta Pedersen

Berlin (dpa) - Vorzeitig veröffentlichte Passagen aus dem neuen Buch der Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht haben bei Teilen der Partei für Empörung gesorgt. Wie der «Spiegel» am Freitag mit Berufung auf Mitglieder des Parteivorstands berichtete, forderten mehrere Linken-Politiker Wagenknecht zum Verzicht auf ihre Bundestagskandidatur auf. Die ehemalige Vorsitzende der Linken-Bundestagsfraktion wies die Kritik deutlich zurück.

Wagenknecht tritt an diesem Wochenende in Nordrhein-Westfalen als Spitzenkandidatin auf Platz eins der Landesliste an, um bei der Wahl am 26. September in den Bundestag gewählt zu werden.

Dem «Spiegel»-Bericht zufolge werten mehrere Mitglieder des Parteivorstands, darunter auch der Linken-Bundestagsabgeordnete Niema Movassat, das Buch mit dem Titel «Die Selbstgerechten» als eine Art Generalabrechnung mit der eigenen Partei.

Movassat hatte am Mittwoch mehrere Passagen aus dem Buch, das erst am kommenden Mittwoch offiziell erscheinen soll, auf Twitter veröffentlicht. Er warf Wagenknecht in einem der Tweets unter anderem Rassismus vor und bezog sich dabei auf folgende Buch-Passage, die er auf Twitter wiedergab: «Die Identitätspolitik läuft darauf hinaus, das Augenmerk auf immer kleinere und immer skurrilere Minderheiten zu richten, die ihre Identität jeweils in irgendeiner Marotte finden, durch die sie sich von der Mehrheitsgesellschaft unterscheiden und aus der sie Anspruch ableiten, ein Opfer zu sein.» Die Originalpassagen aus dem Buch liegen der Deutschen Presse-Agentur vor.

Auch der bayerische Politiker Johannes König übte dem «Spiegel»-Bericht zufolge scharfe Kritik. Wagenknecht verunglimpfe mit ihrem Buch Bewegungen wie Unteilbar, Black Lives Matter oder Fridays for Future als «selbstgerecht», warf ihr König laut «Spiegel» vor und bilanzierte, dass sie «keine Spitzenkandidatin eines großen Landesverbands sein» sollte.

Wagenknecht wehrte sich am Freitag gegen die Kritik an ihrem Buch. Die vorzeitige Veröffentlichung einzelner Passagen wertete sie als gezieltes Manöver gegen die von ihr angestrebte Bundestagskandidatur. «Mit aus dem Zusammenhang gerissenen, teils verfälschten Zitaten ein völlig verzerrtes Bild vom Inhalt meines Buches zu vermitteln, um meine Wiederaufstellung zu verhindern, ist kein guter Umgang miteinander», teilte Wagenknecht am Freitag der Deutschen Presse-Agentur mit.

Dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) hatte Wagenknecht zuvor gesagt, sie halte diese Form der innerparteilichen Auseinandersetzung für «zutiefst unanständig».

Gleichzeitig bekräftigte sie, dass sie, anders als es ihre Gegner fordern, am Wochenende als Kandidatin in NRW antreten wolle. Bei der Aufstellungsversammlung des Landesverbandes der Linken in Essen hat Wagenknecht diesmal aber auch eine Gegenkandidatin. Die Kölner Verwaltungswirtin Angela Bankert kämpft ebenfalls um Platz 1 der Landesliste. Ihre Kandidatur galt in den vergangenen Wochen noch als kaum aussichtsreich. Die Entscheidung über die Bundestagskandidatur fällt an diesem Samstag auf einem Landesparteitag.

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