Anmeldestart für weitere Jahrgänge
NRW holt bei Corona-Impfungen weiter auf

Münster/Düsseldorf -

So schnell kann es gehen: Von einem hinteren Platz im bundesweiten Impfranking hat sich NRW nach vorne gearbeitet. Ab Freitag können hier auch Personen, die in den Jahren 1944 und 1945 geboren wurden, einen Impftermin vereinbaren. 

Dienstag, 13.04.2021, 18:04 Uhr
Bei den Erstimpfungen liegt NRW mittlerweile schon auf Platz sechs – Tendenz steigend. Foto: Fabian Strauch/dpa

Die Aufholjagd läuft: Von einem der hintersten Plätze im Impfranking hat sich NRW mittlerweile fast schon ins erste Drittel der Bundesländer vorgekämpft. Wir geben einen Überblick über die Länderbilanz, die Hausarztimpfungen und dem Stand des Anmeldeverfahrens für die unter 80-Jährigen.

Wie schlägt sich NRW?

Etwas mehr als drei Millionen Menschen haben bis Montag in NRW mittlerweile ihre Erstimpfung gegen das Coronavirus erhalten. Das sind 16,7 Prozent der Bürger. Damit liegt das Land nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) mittlerweile auf Platz sechs der Bundesländer. Fünf Tage zuvor war NRW noch Zehnter. Ganz vorne rangiert Bremen mit 19,6 Prozent, Schlusslicht ist Mecklenburg-Vorpommern (14,9 Prozent). Bei den vollständig Geimpften steht NRW weiter nur im Mittelfeld: 1,1 Millionen Geimpfte (5,9 Prozent) sind gleich­bedeutend mit Platz zehn. Vorne rangiert Berlin mit 7,3 Prozent, die Rote Laterne geht an Schleswig-Holstein (5,1 Prozent).

Gibt es in Deutschland einen neuen Tages-Impf­rekord?

Am Montag wurden 399 891 Impfdosen verabreicht. Damit ist der Tages­rekord vom vergangenen Donnerstag weiter gültig, als bundesweit knapp 724 000 Menschen geimpft wurden. 5,1 Millionen Menschen in Deutschland (6,2 Prozent) sind laut RKI vollständig geimpft. 13,6 Millionen Menschen haben mindestens eine Impf­dosis erhalten.

Wie viele Menschen wurden schon in den Arztpraxen geimpft?

„Die Nachfrage nach Impfterminen ist riesig, die Telefone stehen oft nicht mehr still“, berichtet Anke Richter-Scheer, Vorsitzende des Hausärzteverbandes Westfalen-Lippe. Nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) wurden seit dem Impfstart in den Arztpraxen 115 042 Menschen geimpft.

Am Montag waren es 7483 Menschen. Die meisten Impfungen in westfälischen Arztpraxen bis Montag gab es im Kreis Recklinghausen (13 248), auf Platz zwei liegt der Kreis Steinfurt (10 533). Anke Richter-Scheer warnt davor, bei den Hausärzten die Impfstoff­dosen zugunsten der Impf­zen­tren wieder zu kürzen. „Das ist kontraproduktiv, zumal das Ziel des schnellen Durchimpfens so erst recht nicht erreicht werden kann.“ Sie forderte zudem, dass die Politik zeitnah Kinder und Jugendliche in die Impf­kampagne einbezieht.

Wie viele Personen aus den Geburtsjahrgängen 1941, 1942 und 1943 sind geimpft?

Die KVWL berichtet, dass über ihr Buchungsportal mittlerweile 189 128 Impftermine (Erst- und Zweittermine zusammengerechnet) für diese Jahrgänge verbucht wurden. Für die Impfungen ist das Biontech-Präparat vorgesehen.

Wann beginnt die Anmeldung für die Geburtsjahrgänge ab 1944?

Ab Freitag um 8 Uhr können laut Ministerium Personen der Jahrgänge 1944 und 1945 einen Termin vereinbaren. Lebenspartner können mitangemeldet werden. Das Alter spiele keine Rolle. Die Buchung erfolge online über www.116117.de sowie telefonisch über 116 117 und (0800) 116 117 02. Jeder Impfberechtigte erhalte ein Infoschreiben, das aber für die Anmeldung nicht nötig ist. Als Impfstoffe sind laut Ministerium Biontech und Moderna vorgesehen.

Mehr Freiheiten für Geimpfte - überfällig oder unfair?

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    Unkomplizierteres Einkaufen, leichteres Reisen - die Debatte über mehr Freiheiten für Menschen, die vollständig gegen Corona geimpft sind, nimmt seit Ostern Fahrt auf. Noch ist unklar, inwieweit sich Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) mit seinem Vorstoß auch durchsetzen wird. Bisher gibt es nur Empfehlungen, mit denen sich die Ministerpräsidentenkonferenz in der kommenden Woche befassen soll. Rechtsexperten sind sich allerdings schon länger darin einig, dass an einer schrittweisen Lockerung der Grundrechtsbeschränkungen für Geimpfte kein Weg vorbeiführt.

    Foto: Bodo Schackow / dpa
  • Was ist aktuell im Gespräch und warum?

    Beim Impfen gab es bisher eine große Unbekannte: Profitieren davon auch die Mitmenschen? Oder können Geimpfte immer noch Überträger sein, also andere mit dem Virus anstecken?

    Jetzt geht das Robert Koch-Institut (RKI) in einem Bericht an Spahns Ministerium davon aus, "dass Geimpfte bei der Epidemiologie der Erkrankung wahrscheinlich keine wesentliche Rolle mehr spielen". Die Einschätzung bezieht sich auf das Übertragungsrisiko "spätestens zum Zeitpunkt ab dem 15. Tag nach Gabe der zweiten Impfdosis".

    Von wenigen Ausnahmen abgesehen will das RKI diese Menschen nicht mehr in Quarantäne schicken, wenn sie symptomfrei sind. Spahn will sie so behandeln, als ob sie frisch negativ getestet wären. 

    Foto: Michael Kappeler / dpa
  • Wieso könnte das ein wichtiger Wendepunkt sein?

    Der Staat darf prinzipiell niemals einfach so in Grundrechte eingreifen. Es bedarf immer einer Rechtfertigung. Und die Maßnahmen müssen verhältnismäßig sein. Von "Sonderrechten" oder "Privilegien" für Geimpfte zu sprechen, wie manche es tun, ist deshalb nicht unproblematisch.

    Tatsächlich muss sich die Politik ständig fragen: Ist es verfassungsrechtlich noch zulässig, diese oder jene Maßnahme aufrechtzuerhalten? Bisher wurde das auch für die Geimpften pauschal mitbeantwortet - weil niemand wusste, wie ansteckend sie sind. Neue Erkenntnisse dürften es nötig machen, genauer zu differenzieren.

    Foto: Bodo Schackow /dpa
  • Ist das nicht ungerecht den Ungeimpften gegenüber?

    In der Tat hatte bisher nur ein kleiner Teil der Bevölkerung eine Chance, sich impfen zu lassen.

    Der Deutsche Ethikrat sieht daher in einer Ad-hoc-Empfehlung von Anfang Februar die Gefahr, dass bei Lockerungen für Geimpfte die Solidarität bröckeln könnte - mit negativen Folgen für die Pandemiebekämpfung. Aber auch hier findet sich bereits der Hinweis, dass bei geklärtem Ansteckungsrisiko "individuelle Rücknahmen von Freiheitsbeschränkungen für geimpfte Personen vorstellbar und gegebenenfalls geboten" seien.

    Das Foto zeigt einen israelischen Mann mit dem sogenannten "Grünen Pass". In einem Versuch, aus den Corona-Maßnahmen zur Normalität zurückzukehren, hat die israelische Regierung damit begonnen, Zertifikate an Menschen auszugeben, die vollständig geimpft sind. 

    Foto: Ilia Yefimovich / dpa
  • Wie könnte sich Unruhe vermeiden lassen?

    Der Ethikrat schlägt vor, weniger einschneidende Maßnahmen wie die Abstandsregeln oder die Maskenpflicht in bestimmten Situationen für alle in Kraft zu lassen. Das halten auch Rechtsexperten für eher unbedenklich, denn hier ist der Grundrechtseingriff vergleichsweise gering. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass bei Lockerungen für Einzelne Chaos entsteht und Kontrolleure jeden Überblick verlieren. Auch Spahn will daran und an den Hygiene-Regeln festhalten.

    Denn das RKI geht zwar davon aus, dass sich Geimpfte viel seltener anstecken und wenn doch, dann selbst weniger ansteckend sind - dennoch müsse davon ausgegangen werden, dass einige von ihnen infektiöse Viren ausscheiden. Schutzmaßnahmen müssen also sein. Aber, so Spahn: "Wer vollständig geimpft wurde, kann beim Reisen oder beim Einkaufen wie jemand behandelt werden, der ein negatives Testergebnis hat."

    Foto: Marcus Brandt / dpa
  • Wie sind diese Pläne rechtlich zu bewerten?

    Viele Juristen halten diese und andere Erleichterungen sogar für zwingend. Schwere Grundrechtseingriffe wie zum Beispiel die zeitweise Schließung eines Friseursalons seien bei Personen, von denen keine Gefahr mehr ausgehe, "nicht mehr zu rechtfertigen", heißt es in einem Papier des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags von Ende Januar.

    Auch Ausgangssperren, Kontaktverbote oder Quarantäne-Auflagen für Geimpfte sind für Experten tabu. Der Gießener Jura-Professor Steffen Augsberg fordert die Landesregierungen auf, in ihren Verordnungen so schnell wie möglich Ausnahmen vorzusehen. "Und wenn sie das nicht tun, müssen die Gerichte einschreiten", sagte er dem Fachportal "Legal Tribune Online". Er rechnet Geimpften auch gute Chancen aus, etwa die Möglichkeit zum Theaterbesuch einzuklagen.

    Foto: GaToR/Fotolia
  • Gibt es schon solche Gerichtsentscheidungen?

    Bisher waren die Gerichte in dem Punkt sehr vorsichtig, aber möglicherweise setzt gerade ein Umdenken ein:

    Aktuell kämpft ein Seniorenzentrum in Südbaden darum, seine Cafeteria für geimpfte wie genesene Bewohner und Mitarbeiter wieder öffnen zu dürfen.

    Der Verwaltungsgerichtshof in Mannheim hatte das zunächst abgelehnt - um nun nachträglich doch einen Vergleichsvorschlag zu unterbreiten, wegen der neuen RKI-Einschätzung. Noch ist unklar, ob Heim und Landratsamt darauf eingehen. Sonst wird das Bundesverfassungsgericht demnächst entscheiden. Dort ist der Fall bereits anhängig.

    Foto: dpa
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