Demenz-Coach Vera Börnhorst gibt in ihrem Buch Angehörigen von demenziell erkrankten Menschen Rat
„In den Schuhen des anderen gehen“

Osterwick. Vera Börnhorst ist glücklich. Endlich hat sie ihr Buch veröffentlicht, dessen Idee sie schon lange mit sich herumgetragen hat.

Freitag, 14.04.2017, 15:18 Uhr

Vera Börnhorst hat in ihrem Buch „In den Schuhen des anderen gehen“ alltagsnahe Geschichten aus ihrer Arbeit als Demenz-Coach beobachtet und analysiert. Foto: Manuela Reher

„In den Schuhen des anderen gehen“ heißt der Titel des 70 Seiten umfassenden Werkes, das nicht nur ein Ratgeber für Angehörige von demenziell erkrankten Menschen sein soll, sondern auch Geschichten zum Schmunzeln erzählt.

Natürlich betrachtet die Osterwickerin Vera Börnhorst – seit Oktober 2016 zertifizierter Demenz-Coach – demenzielle Erkrankungen mit dem nötigen Ernst. Aber sie verharrt gemeinsam mit den Lesern ihres Buches nicht in einer Schockstarre, sondern lädt dazu ein, die Welt aus der Sicht eines demenziell erkrankten Menschen zu betrachten. Vera Börnhorst hat in ihrer Arbeit als Seniorenbegleiterin und Demenz-Coach viele ältere Menschen und deren Angehörige kennengelernt. „Ich kenne die Sorgen und Nöte, wenn sich neben dem Alter noch demenzielle Erscheinungen bemerkbar machen.“

So rührt in ihrem Buch die Geschichte von Otto an, einem 90-jährigen Bewohner eines Altenheims, der an Alzheimer litt. Vera Börnhorst erzählt in ihrem Buch, wie sie versucht, dem alten Herrn zu helfen. Er leidet unter Schlaflosigkeit und verweigert die Nahrungsaufnahme. Vera Börnhorst forscht bei der Familie des Seniors nach und findet heraus, dass er es zu Hause stets gewohnt war, in schweren Federbetten zu schlafen. Im Altenheim hat er nur eine leichte Steppdecke zur Verfügung.

Vera Börnhorst: „Die Schwere und Dicke des Federbettes fehlten ihm, um seinem Inneren signalisieren zu können: Du liegst im Bett, kannst schlafen und ruhen.“ In seinem schweren Federbett fand er wieder Schlaf. Otto fing auch wieder an zu essen. Denn Vera Börnhorst fand heraus, dass der Senior stets meinte, er könne sein Essen nicht bezahlen, weil er in seiner Gesäßtasche seine Geldbörse nicht fühlte, weil diese fehlte. Fortan trug Otto sein altes Portmonee wieder am Körper und nahm wieder Nahrung zu sich.

Manchmal muss man bei der Lektüre des Buches „In den Schuhen des anderen gehen“ schmunzeln, und dann ist man wieder fast den Tränen nahe. Aber immer ist Vera Börnhorst ganz nahe an den Menschen – den Helden ihres Buches – dran. Es sind Geschichten von Heinz und seiner an Alzheimer erkrankten Frau Helga, die nachdenklich stimmen und zugleich anderen Betroffenen Mut machen.

„Wenn wir es schaffen, die Menschen mit Demenz nicht in Watte zu packen, sondern ihr Leben einfach und würdevoll zu begleiten und nicht Dinge einfach über sie stülpen“, meint die Buchautorin, dann sei schon viel gewonnen. Vera Börnhorst möchte mit ihrem Buch auch an Angehörige und Seniorenbegleiter appellieren, in der Betreuung von demenziell erkrankten Menschen personenzentriert zu arbeiten. Die Autorin sagt: „Es ist wichtig, mit dem betroffenen Menschen und nicht für den Menschen Lösungen zu suchen und Wege zu finden. Betreuung heißt nicht machen, sondern ermöglichen. Mutig sein und sich dem Menschen mit Demenz öffnen. Durch Querdenken Routinen brechen.“ Heute ist Vera Börnhorst vorwiegend als Dozentin unterwegs, um ihr Wissen weiterzugeben. Sie lehrt in Wuppertal und Münster.

7 Das Taschenbuch „In den Schuhen des anderen gehen“ von Vera Börnhorst ist im Verlag BoD-Books on Demand, Norderstedt, erschienen und im Handel für 14,99 Euro erhältlich.

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