Rosendahl
Temperaturen fast wie zuhause

Holtwick. Bisher hat das ja gut geklappt mit den Temperaturen. Schon wieder so eine Hitzeperiode – Sandra und Ari finden es prima: Fast wie zuhause! Wenn aber der Herbst und gar der Winter kommen, werden die beiden jungen Damen mit einem Einkaufszettel losziehen müssen. „Ich dachte, dass wohl ein Pullover reicht“, zuckt Sandra Baganda mit den Schultern. „Aber wahrscheinlich brauchen wir fünf Jacken.“ Denn die Kälte kennen sie in ihren afrikanischen Heimatländern nicht.

Samstag, 30.06.2018, 14:34 Uhr

Um zwei Personen gewachsen ist Familie Lanksch: (von links) Andreas und Beate Lanksch, Sandra Baganda aus Uganda, Timo Lanksch, Arijenida Bonaventura aus Tansania und Carolin Lanksch – es fehlt Jona Lanksch. Fotos: fw Foto: az

Alle vier Jahreszeiten werden sie mitnehmen. Denn Sandra (24) aus Uganda und die 23-jährige Arijenida Bonaventura, kurz Ari, aus Tansania, haben bis zum nächsten Frühjahr bei Familie Lanksch in Holtwick ihr Zuhause bezogen. Aktuell als die einzigen beiden Teilnehmer deutschlandweit am weltwärts-Programm des Kolpingwerkes Deutschland. Dass junge Menschen von hier für einen Freiwilligendienst nach Afrika gehen, ist nicht mehr ungewöhnlich – der umgekehrte Weg umso mehr. „Wir sind offen für Neues“, lächelt Beate Lanksch und ist sich mit ihrem Mann Andreas einig: „Für uns als Familie ist das eine tolle Erfahrung.“

Die Grundlage wurde schon vor einigen Jahren gelegt. Denn von Oktober 2013 bis Juli 2014 hat Carolin Lanksch nach ihrem Abi einen Freiwilligendienst in Tansania absolviert – fernab vom gewohnten Leben in Rosendahl. „Ich war in einem Dorf ohne regelmäßigen Strom und fließendes Wasser“, erzählt die heute 23-Jährige. „Aber ich wollte genau diese einfachen Verhältnisse kennenlernen.“ In einem Kloster hat sie gewohnt, in einem Kindergarten den Mädchen und Jungen Lesen und Schreiben beigebracht. Als sie über die Leitung eines Kolping-Workcamps 2016 noch einmal in Tansania war, erfuhr sie, dass im Gegenzug deutsche Familien für Freiwillige aus Afrika gesucht werden.

So nahm die Sache ihren Lauf. „Carolin hat uns das ans Herz gelegt und schließlich überzeugt, auch wenn das für ein ganzes Jahr schon eine Herausforderung ist“, lächelt Beate Lanksch. So gab die Familie grünes Licht für eine Aufnahme aus Tansania – dann aber kam vom Kolping-Diözesanverband eine Anfrage für Uganda, weil mit diesem Land eine Partnerschaft bestehe, erzählt Andreas Lanksch: „Also haben wir einfach zwei genommen.“

Und dieses Duo fühlt sich in Holtwick sehr wohl. „Wir haben eine tolle Gastfamilie“, betont Ari und erntet die volle Zustimmung ihrer Freundin aus Uganda – auch wenn sie das Heimweh nicht immer wegschieben lässt. „Ich vermisse meine Familie und Freunde“, gibt Sandra zu. „Und unser typisches Essen.“ Denn Maismehl mit Wasser steht ebenso eher selten auf dem Menüplan im Hause Lanksch wie gekochte Bananen oder Hühner. Dafür haben es Schnitzel, Lasagne, Salami oder Bratkartoffeln, natürlich auch Eis und Kuchen den jungen Damen angetan – vor allem aber Rührei, wenn es Lanksch-Sohn Timo zubereitet. „Dafür geht Salat bei ihnen gar nicht“, lacht er.

Die beiden Afrikanerinnen, die gemeinsam ein großes Zimmer bezogen haben, kommen herum. In Holtwick, wo sie unter anderem an der Fronleichnamsprozession und teilweise auch am Schützenfest teilgenommen haben, aber zum Beispiel auch in Münster, nicht nur wegen des Katholikentages. „Sie besuchen mich oft, dann unternehmen wir etwas gemeinsam“, erzählt Carolin Lanksch, die in Münster ihr Studium in sozialer Arbeit abgeschlossen hat und sich nun für einen Job als Schul-Sozialarbeiterin bewirbt. Und demnächst wird Ari noch mobiler sein: Sie übt das Radfahren, das bislang nicht zu ihrem Repertoire gehörte.

Vor allem aber sollen Sandra und Ari das „ganz normale“ Leben in Deutschland kennenlernen. „Es geht nicht nur darum, ihnen die Sehenswürdigkeiten zu zeigen“, sagt Carolin Lanksch. Nein, sie gehen auch mit zum Erdbeeren pflücken, helfen im Haushalt und erleben den Alltag. Schließlich, betont Andreas Lanksch, gibt es selbst in Deutschland nicht alles im Überfluss: „Man muss sich das auch erarbeiten.“

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