Rosendahl
„Die Ziele sind nicht zu Ende gedacht“

Osterwick. Das Personal aufstocken, eine bessere Bezahlung, Digitalisierung, mehr Verantwortung der einzelnen Kräfte und eine bessere Ausbildung – das sind die Ziele, die etwa 50 Akteure bei der Konzertierten Aktion Pflege beschlossen haben. Mit diesen sollen die Bedingungen in der Pflege verbessert werden. Beteiligt sind daran neben dem Familien-, Arbeits- und Gesundheitsministerium auch verschiedene Gewerkschaften, Wohlfahrtsverbände und Interessenvertretungen.

Samstag, 15.06.2019, 18:00 Uhr aktualisiert: 15.06.2019, 18:02 Uhr
Christoph Klapper (links), Leiter der Stiftung zu den Heiligen Fabian und Sebastian, und Michael Tiltmann, Leitung Wohnen und Pflege, begrüßen zwar die Maßnahmen zur Verbesserung der Situation in der Pflege, fühlen sich aber nicht mitgenommen und äußern Bedenken an der Aktion. Foto: Leon Seyock

„Wir freuen uns, dass die Verantwortlichen in den Verbänden und in der Politik die Sache ernst nehmen“, sagt Christoph Klapper, Leiter der Stiftung zu den Heiligen Fabian und Sebastian. „Dennoch sind die Ziele an einigen Stellen nicht zu Ende gedacht“, merkt er an.

Die größte Sorge bereitet ihm die eventuelle Abnahme der Attraktivität des Altenpfleger-Berufs. „Es wird eine große Herausforderung, weiterhin Pflegefachleute zu bekommen“, so Klapper. Denn die Ausbildungs-Schulen bieten ab dem 1. Januar 2020, wenn die Konzertierte Aktion Pflege in Kraft tritt, generalistische Ausbildungen zum Pflegefachmann an. Und dabei sei es schwieriger, die Schüler für die Altenpflege als für die Krankenpflege zu begeistern.

Des Weiteren macht sich Klapper Gedanken über die geplante Übertragung von mehr Verantwortung auf die Pflegekräfte – etwa die der ärztlichen Leistungen. Zwar würden einige Prozesse schneller ablaufen, da nicht immer zwingend die Anwesenheit eines Arztes erforderlich ist, „aber gerade deshalb müssen die Kräfte höhere Kompetenzen aufweisen und stehen mehr unter Druck“, so Klapper. „Die Maßnahmen zur Verbesserung sind gut, aber diejenigen, die am Bett stehen, müssen es letztendlich umsetzen“, betont Klapper.

Das sei bei der sowieso schon dünnen Personaldecke schwierig zu stemmen. Auch wenn die Konzertierte Aktion Pflege eine Verbesserung der Personallage vorsieht, heißt es nicht zwingend, dass es auch so kommen muss. „Bis Ende 2020 werden die Situationen vom Pflegepersonal untersucht“, merkt Michael Tiltmann, Leiter Wohnen und Pflege, an. „Wir erhoffen uns von der Aktion, dass sich die Situation vor allem nachts entspannt“, so Tiltmann. Auf eine Pflegekraft kommen in der Nacht 40 Bewohner. Das macht bei 85 Bewohnern gerade mal zwei Kräfte. „Um eine dritte zu bekommen, bräuchten wir dementsprechend 120 Bewohner“, sagt Klapper. Zudem nehme auch die Komplexität des Pflegeberufes immer mehr zu. „Deshalb vermuten wir, dass unsere Ausbildungsplätze zugunsten der Krankenpflege wegbrechen“, vermutet der Leiter der Einrichtung.

Klapper und Tiltmann wissen, dass es „eine Illusion“ ist, eine zufriedenstellende Situation zu bekommen. „Der Gesetzgeber hat sich lange auf die Pflegebedürftigen konzentriert. Jetzt wendet er sich zu den Pflegenden hin“, begrüßt Klapper die Ziele. „Die Aktion ist allerdings viel zu weit weg. Die Ziele sind definiert, der Weg dorthin aber nicht. Wir wurden bei den Überlegungen nicht mitgenommen“, bringt es Christoph Klapper auf den Punkt.

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