Jäger erzählen von ihrer Arbeit
Die Hüter des Reviers

Osterwick. Kaum hat sich Lisa Meyer den Jagdhut aufgesetzt, haben ihre Deutsch- Drahthaar-Hündinnen Amsel und Hexe Notiz davon genommen und springen vor Freude an ihr hoch. Denn sie wissen: Jetzt geht es raus ins Revier. Als ausgebildete Jagdgebrauchshunde helfen sie bei der Jagdausübung, wo sie können. Am Wegesrand, entlang eines Waldes, liegt ein Fuchsbau – die treuen Begleiter von Lisa und ihrem Mann Sebastian Meyer springen wie selbstverständlich über das hohe Gras. Ist der Bau bewohnt? Zu dieser Jahreszeit nicht, die Witterung wird aber kontrolliert.

Samstag, 12.10.2019, 12:30 Uhr
Lisa Meyer (Obfrau für Hundewesen) und Sebastian Meyer (Leiter des Hegerings Rosendahl) erzählen von ihrer Arbeit als Jäger. Immer an ihrer Seite: Die treuen Hündinnen Hexe und Amsel. Foto: Leon Seyock

Aktiv jagen Sebastian Meyer und seine Frau in ihrem Revier nur alle paar Wochen. „Die Hege und die Pflege des Revieres dagegen wird 365 Tage im Jahr betrieben“ sagt Sebastian Meyer, Leiter des Hegerings Rosendahl. Das Paar versteht sich als Heger ihres Reviers, „wir pflegen den gesunden Wildbestand“, erklärt Meyer. Deshalb muss auch hin und wieder ein Abschuss getätigt werden: „Wir sorgen dafür, dass sich keine Population zu sehr vermehrt und andere gefährdet oder Wildschaden anrichtet“, so der Hegeringleiter.

Richtig auf der Jagd sind wir nur alle paar Wochen.

Sebastian Meyer, Leiter des Hegerings Rosendahl

Bevor er ein Tier erlegt, gilt es allerdings, einige Auflagen zu beachten. So muss beispielsweise die Schonzeit von verschiedenen Wildarten beachtet werden und das Wild in ihrem natürlichen Verhalten beobachtet werden. Wie verhält sich das Tier? Ist es gesund? „Ansprechen“ oder „Lebendbeschau“ nennen es die Jäger. „Außerdem gibt es für gewisse Wildarten Abschusspläne, nachdem wir ihren Bestand geschätzt haben“, erläutert Meyer. So soll sichergestellt werden, dass ein ausgewogener Wildbestand erhalten bleibt. Dabei gilt strikt: Eine gesunde Altersstruktur muss in den jeweiligen Wildpopulationen erhalten werden.
Beim Wildschwein etwa werden die führenden Muttertiere geschont, damit die Rotte zusammengehalten und angeführt wird, erklärt Lisa Meyer. Um die gesunde Struktur zu erhalten, gilt der Grundsatz: „Jung vor Alt und Schwach vor Stark“. Jeder, der waidgerecht jagt, befolgt diese Vorgaben, macht Lisa Meyer deutlich, die als Obfrau für das Jagdhundewesen agiert und eine eigene Jagdhundeschule auf ihrem Hof zwischen Osterwick und Billerbeck führt.

Jeder, der waidgerecht jagt, zielt nie auf das älteste Tier.

Lisa Meyer

Auffällig bei der Jagd in Rosendahl ist, dass im vergangenen Jahr auch einige Wildschweine erlegt wurden. „Schwarzwild ist in Rosendahl eigentlich gar nicht heimisch“, sagt Sebastian Meyer. Dass Wildschweine sich dennoch in der Region ansiedeln, liege an der Begünstigung mehrerer Faktoren, zum Beispiel der Veränderung in der Land- und Forstwirtschaft, dem günstigen Klima und Abwanderungen aus starken Populationen. „Der Bestand wird jedenfalls größer“, beobachtet Sebastian Meyer. Aber auch hier gebe es strenge Richtlinien, wie die Jäger in den Bestand eingreifen dürfen. 
Als Niederwild- Region bezeichnen die Jäger das Münsterland. Heißt: Hier leben Wildtiere wie Hasen, Kaninchen, Fasane, Rehe und vereinzelt Rebhühner. „Für uns ist das oberste Gebot, diese Natur zu erhalten“, macht Sebastian Meyer deutlich. „Glücklicherweise ist im Moment ein deutlicher Aufwärtstrend zu beobachten, beispielsweise bei den Hasen und Fasanen“, freut er sich. Besonders durch für das Wild günstige Wetterverhältnisse oder Blühstreifenprogramme fällt es den Tieren leichter, Schutz und Nahrung zu finden. Das sei auch der guten Zusammenarbeit zwischen den Jägern und den Landwirten zu verdanken. Sie freuen sich, wenn die Landwirte vor dem Wiesenschnitt die Jäger rufen, um in den Wiesen ruhendes Jungwild vor dem Mähen zu vertreiben, um sie so vor dem Mähtod zu bewahren. Dies geschieht mit verschiedenen Mitteln, unter anderem mit ausgebildeten Jagdhunden, die das Wild anzeigen, damit es aus der Wiese gerettet werden kann.
Das Ehepaar Meyer tut das Bestmögliche, um ihr Revier zu hegen. Dazu haben sie im Sommer auch Wasserwannen aufgestellt, um dem Wild ausreichend Möglichkeiten zum Schöpfen zu geben. „Unser Revier ist um unseren Hof herum. Wir sind also jeden Tag darin unterwegs“, lächelt Lisa Meyer.

Die Afrikanische Schweinepest (ASP)

Neben der Gefahr von Wildschäden auf Ackerflächen und vermehrten Wildunfällen sorgen sich die hiesigen Landwirte besonders um die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest (ASP), die auch vom Wildschwein übertragen wird. „Das Schwarzwild selbst bringt den Erreger zwar nicht mit, kann ihn aber verbreiten“, erklärt der Hegeringleiter. Etwa durch mangelnde Fleischhygienevorschriften im osteuropäischen Ausland kann die Krankheit übertragen werden. „Unter Schweinen breitet sich die ASP rasant aus mit einer Inkubationszeit von zwei bis 14 Tagen“, führt Sebastian Meyer an. Der Krankheitsverlauf ist für Schweine tödlich, aber ungefährlich für den Menschen. Um sich allgemein vor Wildseuchen zu schützen sind die Vorkehrungen der Landwirte hoch, Schutzkleidung und Desinfektionsschleusen sind Standard.

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