Fortsetzungstermin mit Urteilsspruch: Darfelderin soll aus fahrendem Auto gestoßen worden sein
"Das ist menschenverachtend"

Rosendahl/Marl. Ein Jahr und fünf Monate Haft auf Bewährung muss ein 24-jähriger Mann aus Marl verbüßen, der vor dem Coesfelder Amtsgericht angeklagt war. Ihm wurde vorgeworfen, im Dezember des vergangenen Jahres eine 33-jährige Darfelderin aus einem fahrenden Auto gestoßen zu haben, sie dadurch mehrfach verletzt und schließlich Fahrerflucht begangen zu haben, ohne dass er sich um die verletzte Frau gekümmert habe. Die Staatsanwaltschaft sprach sich für ein Jahr Haftstrafe auf Bewährung aus, das Plädoyer des Verteidigers lautete Freispruch.

Mittwoch, 16.10.2019, 17:46 Uhr aktualisiert: 16.10.2019, 17:50 Uhr
Das Urteil in dem Fall ist nun im Coesfelder Amtsgericht gefallen. Foto: Archiv

Der Tat war die Trennung der Frau von ihrem Ehemann vorausgegangen. Deshalb zog sie im vergangenen Jahr von Marl nach Darfeld. Der Ehemann sowie ein Bekannter der beiden – der Angeklagte – haben am Tattag das Auto, welches ihr zugestanden habe, mit einem Zweitschlüssel entwenden wollen. Der Ehemann habe dabei den Wagen des Angeklagten gefahren, dieser wiederum saß in dem Auto der Frau. Als die Frau, die zu der Zeit auf dem Balkon gestanden habe, davon Notiz nahm, sei sie auf die Straße gerannt und habe sich vor ihren Wagen gestellt. Trotzdem habe der Angeklagte den Wagen rollen lassen. Aus Protest habe sie sich auf die Motorhaube gesetzt, das habe den Marler allerdings nicht davon abbringen lassen, weiterhin Gas zu geben. Etwa 50 Meter haben sie so zurückgelegt. Am Darfelder Bahnhof sei es schließlich zu einer Auseinandersetzung vor dem Auto gekommen. Diese Chance habe die Frau nutzen wollen, um selbst auf dem Fahrersitz Platz zu nehmen. Der Angeklagte sei allerdings schneller gewesen und habe schon auf dem Sitz gesessen, als die Frau ihren Fuß zwischen seine Beine stellte. Ihr linker Fuß habe noch auf der Straße gestanden, als der Marler schließlich Gas gegeben haben soll. Die Frau erlitt Rippenbrüche, Verletzungen am Schlüsselbein und an der Lunge sowie starke Schürfwunden.

Die Frau stand nach der Tat unter Schock und die Verständigung mit den Polizisten war dementsprechend schwierig.

Richter nach der Verhandlung

An einem zweiten Prozesstag wurden nun die Beamten angehört, die an dem Abend im Einsatz waren. Nach der Tat habe die Frau ausgesagt, dass ihr Ehemann den Wagen gefahren habe – so lautet das Polizeiprotokoll. „Die Frau stand allerdings nach der Tat unter Schock und die Verständigung mit den Polizisten war dementsprechend schwierig“, so der Richter nach dem Prozess. Sie beteuerte immer wieder, dass es nicht ihr Ehemann, sondern der Bekannte gewesen sei, der den Wagen fuhr. Für den Verteidiger war weiterhin unklar, ob nun die richtige Person angeklagt ist und beantragte deshalb Freispruch.
Davon ließ sich der Richter aber nicht beeindrucken und urteilte mit einem Jahr und fünf Monaten Haft auf Bewährung. „Ich bin über das Plädoyer des Staatsanwaltes gegangen, weil der Angeklagte ohne Fahrerlaubnis unterwegs war und die Verletzungen schwerwiegend waren“, begründete er sein Urteil. „Das ist menschenverachtend“, so sein Schlusswort.

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