Billerbeck
Regelkunde mit Donnerschlag

Billerbeck. Keine einzige Halle, in der Handball gespielt werden könnte, steht zur Verfügung. In Uganda wird dieser Sport ausschließlich unter freiem Himmel betrieben – was ein großes Risiko birgt, die Partien überhaupt bis zum Abpfiff über die Bühne bringen zu können. „In Kampala gibt es im Durchschnitt an 290 Tagen im Jahr Gewitter“, hat Helmut Martin in Erfahrung gebracht. Im Rahmen von „Handball at school“ wird der Billerbecker sein Fachwissen ab der kommenden Woche vermutlich mit Blitz und Donnerschlag vermitteln.

Sonntag, 09.06.2019, 11:11 Uhr aktualisiert: 09.06.2019, 11:30 Uhr
Foto: az

Zum siebten Mal seit 2011 ist Martin auf der Erdkugel unterwegs, um im Auftrag der Internation Handball Federation (IHF) Lehrer fortzubilden, die den Sport dann an die Kinder und Jugendlichen vermitteln sollen. „Zum dritten Mal in Folge geht es nach Afrika“, erzählt der 69-Jährige, der zunächst in Armenien, auf den Färöer-Inseln und der Mongolei tätig war, anschließend in Papua-Neuguinea, Südafrika und zuletzt 2017 in Simbabwe. Jetzt also Uganda. Ein Land, das anders als Simbabwe offenbar nicht bei Null anfängt, wenn es um den Handball geht. „Es gibt dort einen Ligabetrieb“, erklärt er. Wenn auch keine Hallen – gespielt wird auf Tartanplätzen oder Asphalt.

Und genau da wird er auch seine Schulungen abhalten, jeweils drei Tage in Mukono, Namagoma und in Kampala selbst. „Diesmal sind es wenige Reisekilometer im Land selbst“, verweist er auf kurze Distanzen rund um die Hauptstadt mit dem Flughafen im nur 40 Kilometer entfernten Entebbe. Ob aber seine Kurse wie geplant durchgeführt werden können, bleibe abzuwarten – nicht nur wegen des unsicheren Wetters im laut Wikipedia gewitterreichsten Gebiet der Erde, sondern auch, weil zwei der Lehrgänge über einem Wochenende liegen. „Ich muss abwarten, ob die Lehrer an einem Sonntag auch zu einer Weiterbildung kommen.“

Am kommenden Mittwoch (12. 6.) geht es los. Von Greven aus fliegt der ehemalige Lehrer für Sport und Erdkunde am Gymnasium Nottuln zunächst nach Frankfurt, dann weiter nach Addis Abeba und schließlich nach Entebbe. Sein Visum liegt seit wenigen Tagen vor. „Lange Zeit war unklar, wer sich darum kümmert“, sagt Helmut Martin, der schließlich selbst den Antrag online mit zahlreichen notwendigen Nachweisen gestellt hat. Im Gepäck wird er etliche Trikots und Utensilien haben, die eigentlich für Simbabwe bestimmt waren. „Leider habe ich zwei Jahre lang vergeblich versucht, sie auf einem bezahlbaren Weg in das Land zu bekommen“, bedauert er. Jetzt sollen vor allem Kinder in Uganda von den gespendeten Sachen profitieren.

Vor Ort wird ihm mit Jimmy Orotin ein Begleiter zur Verfügung stehen, der bereits ein dreimonatiges Trainerseminar in Leipzig absolviert hat und nun von der weiteren Ausbildung durch Helmut Martin profitieren soll. Vor allem aber sollen wieder viele Lehrer etliche kleine und große Handball-Spielformen vermittelt bekommen, die sie an den Schulen einsetzen können. Zudem wird er in Namagoma mit einem Team aus der nationalen Liga trainieren und in Kampala eine Einheit mit der ugandischen Frauen-Nationalmannschaft bestreiten.

Dass möglicherweise sein Improvisationstalent gefragt sein wird, daran hat sich der Billerbecker auf seinen Reisen längst gewöhnt. „Vieles steht und fällt mit den Verantwortlichen vor Ort und wie sehr sie sich engagieren“, weiß er aus Erfahrung. Eine „Fahrt ins Blaue“ werde es wie so oft werden, zugleich aber bestimmt wieder spannend und mit vielen positiven Erlebnissen. Die Aufregung vor dem zweiwöchigen Trip hält sich im Gegensatz zu seinen ersten Einsätzen für „Handball at school“ in Grenzen. „Mein Programm steht“, lächelt der 69-Jährige. „Ich weiß mittlerweile, dass ich nicht alles beeinflussen kann.“ Schon gar nicht das Wetter.

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