Fußball: Trainer des Frauen-Bundesligisten SGS Essen in der Zwangspause
Högner richtet den Blick voraus

Billerbeck. Den Trainingsplatz hat er mit dem heimischen Garten getauscht. „Zum Glück haben wir ein relativ großes Grundstück“, lächelt Markus Högner. „Da kann ich mich ein bisschen mit meinen Kindern bewegen.“ Seine Söhne lassen unter seinen Fittichen den Ball rollen – viel mehr bleibt aktuell nicht, denn der Billerbecker ist vorübergehend ein Bundesliga-Trainer ohne Mannschaft. Zumindest ruht die Arbeit mit den Frauenfußballerinnen der SGS Essen – zwangsweise.

Freitag, 03.04.2020, 07:20 Uhr
Kommandos am Spielfeldrand geben? Das funktioniert für Markus Högner aktuell nur bei seinen Söhnen im Garten. Die Zeit nutzt der Trainer des Frauenfußball-Bundesligisten SGS Essen, um die Planungen für die nächste Saison voranzutreiben. Foto: Michael Gehrmann

Alle paar Tage macht sich Högner dennoch auf den Weg nach Essen. Wie lässt sich die fußballfreie Zeit am besten nutzen? „Indem wir uns mit den Planungen für die nächste Saison beschäftigen“, sagt der 52-Jährige. Zum Glück sei schon frühzeitig geklärt worden, wer auch in der kommenden Saison für die SGS die Schuhe schnüre. „Dadurch wissen wir, um welche Positionen wir uns noch bemühen müssen.“ Antonia Baaß vom VfL Wolfsburg II und Sophia Thiemann von Arminia Bielefeld stehen als erste Neuzugänge fest.

Die Entwicklung hat auch die SGS überrollt. „An dem Freitag haben wir noch ganz normal trainiert“, erzählt Högner. „Dann kam plötzlich die Nachricht, dass der Trainings- und Spielbetrieb eingestellt wird.“ Seitdem bleibt seinen Spielerinnen nichts anderes übrig, als sich selbst in Form zu halten – was aber glücklicherweise angesichts der schon im Vorfeld ausgearbeiteten Trainingspläne gut möglich sei. „Wir haben im Januar gemeinsam mit dem Olympia-Stützpunkt Essen eine Leistungsdiagnostik durchgeführt mit individuellen Ergebnissen und Aufgaben für jede Spielerin. Das werde abgearbeitet, da vertraue er ihnen voll und ganz – „schließlich sind sie Leistungssportlerinnen.“ Zwischendurch nehme er Kontakt auf, aber nicht ständig und übertrieben. „Sie sind teilweise daheim bei ihren Familien und müssen auch selbst mit der Situation klarkommen.“

Der Countdown auf der SGS-Homepage, der gewöhnlich bis zum nächsten Spiel heruntertickt, stand gestern auf den 19. April um 12 Uhr. Offiziell ruht der Betrieb zunächst bis dahin – wobei Markus Högner nicht davon ausgeht, dass es dann weitergeht. „Wir werden ja auch nicht direkt wieder durchstarten können“, zuckt er mit den Schultern. Körperlich werde seine Mannschaft gut drauf sein, aber was die Ballarbeit angehe . . . „Vielleicht wäre ein Abbruch der Saison sogar die fairste Lösung“, sagt der Billerbecker. Alles annullieren, alles auf Null setzen. Die SGS, die mit Platz vier ihr realistisches Ziel erreicht habe, werde das verkraften können, zeigt er sich optimistisch: „Uns tun die wegbrechenden Zuschauereinnahmen sicherlich nicht so weh wie einem Drittligisten bei den Männern.“

Das Beste aus der verzwickten Corona-Situation machen, mehr bleibt nicht. In der Woche nach Ostern wollte Högner mit seiner Fußballschule „Hattrick“ das Mädchen-Camp beim VfL Billerbeck leiten, das nun ebenfalls ausfällt. Der Ball kann nur im eigenen Garten rollen mit seinen beiden Söhnen, die für den VfL auflaufen. „Schön, dafür mal mehr Zeit zu haben“, lächelt Markus Högner, der vor diesem Hintergrund der schwierigen Situation eine positive Seite abgewinnen kann: „Wir sollten für später mitnehmen, die Zeit mit der Familie viel bewusster zu verbringen.“

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