Fußball: Trainer Markus Högner verpasst den Gewinn des DFB-Pokals nur haarscharf
Zwischen Enttäuschung und Stolz

Billerbeck. Ein paar Nächte Schlaf haben etwas geholfen, die Enttäuschung aber noch nicht endgültig vertrieben. „Wenn du so ein Spiel hinlegst, dann willst du es auch gewinnen“, erklärt Markus Högner, warum diese Niederlage viel mehr schmerzt als fast alle zuvor. Denn der Billerbecker war ganz dicht dran, hatte mit seinen Frauenfußballerinnen der SGS Essen phasenweise schon mehr als nur eine Hand am DFB-Pokal und musste am Ende doch dem haushohen Favoriten VfL Wolfsburg zum Titel gratulieren.

Donnerstag, 09.07.2020, 08:09 Uhr aktualisiert: 09.07.2020, 08:20 Uhr
So dicht dran: Nur ganz knapp hat der Billerbecker Markus Högner mit der SGS Essen den Triumph im Finale um den DFB-Pokal verpasst. Fotos: Michael Gehrmann Foto: az

Da war alles drin! „Ein super Fußballspiel“, blickt Högner zurück. Um gegen den Serienmeister und Champions League-Gewinner aus Wolfsburg zu bestehen, würden sie einen Sahnetag benötigen, hatte der Trainer im Vorfeld vorausgesagt – „und den haben wir tatsächlich erwischt.“ Die Sensation schien greifbar nah in Köln, denn die Essenerinnen zwangen ihren Gegner bis ins Elfmeterschießen. „Da haben wir das Glück leider nicht mehr gehabt“, bedauert der 53-Jährige. 3:3 nach 120 Minuten, dann ein 2:4 im Elfmeterschießen, damit war der Traum vom Pott geplatzt.

Ein Erlebnis, das nachwirkt. „Natürlich werde ich morgens wach und denke darüber nach, ob ich noch etwas hätte ändern können“, gibt er zu. Andere Schützinnen benennen für den Showdown vom Elfmeterpunkt? „Drei standen fest, und dann geht es darum, wer sich in einer solchen Situation traut und gut fühlt.“ Aber ausgerechnet Irini Ioannidou, die ihr Team in der Nachspielzeit mit einem direkt verwandelten Freistoß in die Verlängerung geballert hatte, scheiterte an VfL-Torhüterin Friederike Abt, ebenso kurz darauf Nina Brüggemann. Vorwürfe gab es keine, im Gegenteil. „Irini hätte zur Matchwinnerin werden können“, bedauert Högner. „Aber es haben schon so viele Topspieler verschossen, das passiert.“

Was bleibt, ist der Stolz darüber, einer europäischen Spitzenmannschaft einen großen Kampf geliefert zu haben. Nach der frühen Führung durch Lea Schüller nach nur elf Sekunden und dem 2:1 durch Marina Hegering hatte die SGS nach einer Stunde sogar die Vorentscheidung auf dem Fuß, aber der Schuss von Jana Feldkamp klatschte nur an den Pfosten. „Ich habe nach dem Spiel so viele WhatsApp-Nachrichten wie noch nie bekommen“, staunt Markus Högner. Glückwünsche zur tollen Leistung, Trost zum knapp verpassten Triumph.

Der wäre für den Trainer umso schöner gewesen, weil nach der Partie gleich zehn Spielerinnen verabschiedet wurden, darunter vier A-Nationalspielerinnen: Marina Hegering und Lea Schüller wechseln zum FC Bayern München, Lena Oberdorf zum VfL Wolfsburg, auch Turid Knaak wird sich verändern. Die Osterwickerin Ina Lehmann, die mit ihrem Mann Kevin in diesen Tagen Nachwuchs erwartet, wird ebenfalls nicht mehr gegen den Ball treten. „Als ich 2011 in Essen angefangen habe, mussten wir auch einen Neuaufbau starten“, erinnert sich Högner. „Aber so einen großen Umbruch hatte ich noch nie.“ Mit dem Billerbecker hält die SGS am bisherigen Konzept fest: Talentierte Nachwuchskräfte werden herangeführt und eingebaut. „Wir bekommen tolle Spielerinnen dazu“, lächelt er. Allerdings sind sie durchweg sehr jung – und die Konkurrenz in der Bundesliga wird immer größer. Der 1. FFC Frankfurt fusioniert mit der großen Eintracht, Turbine Potsdam geht eine Kooperation mit Hertha BSC Berlin ein. „RB Leipzig als Zweitliga-Aufsteiger steht auch schon in den Startlöchern und wird bald oben dabei sein“, verweist Högner auf die finanziellen Möglichkeiten der Konkurrenten. Aber die Essenerinnen wollen weiter mitmischen, genießen den Rückhalt in der Stadt, die um ihr Aushängeschild weiß.

Anfang September soll die neue Saison bereits starten – was eine sehr kurze Sommerpause beschert. Zwei Wochen durchschnaufen mit der Familie ist angesagt. „Dann geht es schon wieder weiter“, blickt der Trainer voraus. Und das nach einem anstrengenden Saisonfinale, das nach der Corona-Zwangspause vor leeren Rängen durchgezogen werden musste. „Im Endeffekt haben wir es mit den Geisterspielen gut hinbekommen“, bilanziert er. Und doch freuen sie sich alle drauf, wenn wieder „echte“ Spiele vor Zuschauern stattfinden dürfen.

Vielleicht auch wieder ein Finale um den DFB-Pokal? Markus Högner hätte nichts dagegen einzuwenden, im Gegenteil. Zwei Mal stand er bereits im großen Finale in Köln, beide Male gelang der Coup allerdings nicht – 2014 beim 0:3 gegen den 1. FFC Frankfurt, nun beim 5:7 nach Elfmeterschießen gegen den VfL Wolfsburg. Aber aller guten Dinge sind auch für den Billerbecker drei. „Wir wollen jetzt den Schwung mitnehmen und den Neuaufbau anpacken“, blickt er voraus. „Vielleicht klappt es ja bald wieder mit dem Pokalfinale.“

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