Jugendfußball: VfL Billerbeck dient als Vorreiter für erste Corona-Lockerungen
Erst Test, dann Tackling

Billerbeck. Bevor es auf den Kunstrasen geht, schaut Sven Heuermann genau hin. Kontrolle ist angesagt – allerdings nicht wie sonst üblich, ob die Schuhe geputzt sind oder das Outfit stimmt. Nein, der Trainer der C I-Junioren des VfL Billerbeck muss einen Haken an eine klare Vorgabe machen: „Jeder Spieler muss einen tagesaktuellen Corona-Test vorweisen.“ Liegt der vor, dürfen auch die älteren Jugendfußballer nach monatelanger Wartezeit endlich wieder kicken. Denn in Billerbeck gilt im Rahmen der Modellregion Kreis Coesfeld seit gestern Abend: erst Test, dann Tackling.

Dienstag, 04.05.2021, 07:05 Uhr aktualisiert: 04.05.2021, 07:10 Uhr
Gemeinsames Training auf dem Platz ist seit gestern auch für die älteren Nachwuchsfußballer des VfL Billerbeck wieder möglich – das Modellprojekt im Kreis Coesfeld macht es möglich. Foto: Frank Wittenberg

Es ist mit viel Aufwand verbunden, aber dennoch ein großer Schritt zurück Richtung ersehnter Normalität. „Die Hygienekonzepte dafür aufzustellen, war eine Menge Arbeit“, berichtet Christian Westerhoff, der gemeinsam mit Hermann Albermann den Vorsitzenden des VfL-Jugendausschusses, Markus Grotthoff, tatkräftig unterstützt. „Aber wir haben es gerne gemacht.“ Denn so sei es endlich möglich, auch den über 15-Jährigen Nachwuchsfußballern wieder ein Training zu ermöglichen – zum ersten Mal seit Ende Oktober, als der sportliche Lockdown kam und der Betrieb komplett eingestellt werden musste.

Die jüngsten Kicker durften schon Mitte März zurückkehren. In Gruppen bis zu 20 Kindern mit zwei Trainern, weil die Inzidenz im Kreis Coesfeld durchweg unter 100 lag. „Das gilt für Kinder bis 14 Jahre“, sagt Westerhoff. „In der C-Jugend und bei den U 15-Mädchen, wo sich die Jahrgänge überschneiden, war das schon schwierig.“ Wie schwierig, weiß Sven Heuermann ais eigener Erfahrung, denn in seinem 17-köpfigen Kader der C I-Junioren gibt es einen Kicker, der schon im Februar 15 geworden ist und außen vor bleiben musste. „Ein anderer Spieler hatte in der vergangenen Woche Geburtstag und wäre damit raus“, zuckt er mit den Schultern. „Sehr unglücklich“, findet auch Christian Westerhoff diese Konstellation. „Das ist nicht schön für die Betroffenen und auch nicht gut für das Mannschaftsgefüge.“

Jetzt erschließt sich eine neue Möglichkeit. Denn die Jugendfußballer des VfL Billerbeck sind – ebenso wie die Tennisspieler des VfL und des TC – ausgewählt worden, im Rahmen der Modellregion Kreis Coesfeld erste Corona-Lockerungen umzusetzen und ihre Erfahrungen damit zu dokumentieren. Das heißt: Gestern durften nicht nur die C-Junioren in kompletter Stärke ins Training zurückkehren, sondern auch die U 17 II-Mädchen von Trainer Christian Ebbert, die seit Ende Oktober in der Warteschleife hingen. Im Laufe der Woche werden auch die U 17 I-Mädchen sowie die B- und A-Junioren erstmals wieder gemeinsam gegen den Ball treten. Die Voraussetzung: Jede Spielerin und jeder Spieler dieser Altersklasse muss einen tagesaktuellen negativen Corona-Test vorweisen.

Nicht immer ganz einfach umzusetzen, weiß Sven Heuermann: „Wenn die Jungs um 16.15 Uhr aus der Schule kommen und um 18 Uhr das Training beginnen soll, kann das organisatorisch schon etwas kompliziert werden.“ Dennoch setzt er ebenso wie die Verantwortlichen der Jugendfußballabteilung auf das Verständnis der Jugendlichen und der Eltern. „Das ist natürlich mit Aufwand verbunden“, betont Christian Westerhoff. „Aber wir sehen auch den Vorteil für alle, die dadurch wieder zum Fußball dürfen.“

Zunächst für drei Wochen sind diese Lockerungen im Rahmen der Modellregion angelegt, wobei Westerhoff natürlich davon ausgeht, die Maßnahmen bei passender Inzidenz auch darüber hinaus fortführen zu können. „Weil der Sport gerade für die Kinder und Jugendlichen sehr wichtig ist“, verweist er auf die besondere Bedeutung. Dass der VfL Billerbeck in dieser Hinsicht vor den anderen Clubs vorangehen darf, sieht er nicht nur eigennützig. „Wir sind jetzt Vorreiter“, sagt Christian Westerhoff. „Aber wir hoffen auch, dass die anderen Vereine im Umfeld von unseren Erfahrungen profitieren können.“

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