Coesfeld
Zwei wie Pech und Schwefel

Coesfeld. Der eine stand kurz vorm Herzkasper, der andere war die Ruhe selbst. Christoph Klaas, den alle nur „Klaasi“ rufen, obwohl er wie ein Hüne ausschaut, brüllte seine Kommandos so laut aufs Feld, dass die Besucher im CoeBad schon die Ohren spitzten. Sein Puls hämmerte im roten Bereich. „Angreifen“, rief der Trainer des A-Kreisligisten SG Coesfeld 06 bei Ballbesitz. „Achtung! Alle Mann zurück“, schallte es im VR-Bank Sportpark bei Ballverlust, „Gegenpressing.“ Klaas, „der große Eisbär“, wie ein Zuschauer scherzte, war ganz in seinem Element.

Dienstag, 20.08.2019, 06:18 Uhr
Abwehr-Stabilisator: Tobias Sendfeld, Innenverteidiger der SG 06 mit Offensivdrank, weiß sich durchzusetzen. Fotos: Ulrich Hörnemann Foto: az

Ein paar Meter weiter stand sein Kompagnon: Zoui Allali, die Arme verschränkt, abgeklärt und besonnen. Klaas, der Lautsprecher, und Allali, der Leisetreter, den man in Osterwick und Gescher anders in Erinnerung hat. Dort hat er des öfteren in der Kabine gepoltert, dass der Putz von den Wänden rieselte. In Gescher beispielsweise hat Allali sein Personal mal morgens früh um fünf zum Trainingsbetrieb bestellt, weil die Spieler zu den normalen Zeiten nicht konnten.

Der Mann, der gebürtig aus Marokko stammt und im Ruhrgebiet lebt, ist mittlerweile 37 und im Sommer bei der SG 06 gelandet. Dass die werten Trainerkollegen aus dem Kreis Coesfeld das SG-Team, das er mit Christoph Klaas leitet, zum Aufstiegskandidaten Nr. 1 gekürt haben, ist ihm so was von wurscht. Sollen sie doch. Bis der Aufstieg in die Bezirksliga, den der Verein seit der Fusion anno tobak, 2006 war’s, herbeisehnt, unter Dach und Fach ist, gehen noch 28 Spieltage ins Land.

Der Weg ist lang! Auch wenn die Kreisstädter auf das 7:0 in Nottuln ein 4:1 gegen Turo Darfeld folgen ließen und mit einer lupenreinen Weste die Tabelle anführen, punktgleich mit Grün-Weiß Hausdülmen, dem Ortsrivalen DJK Coesfeld-VBRS, und DJK Dülmen, schwebt Zoui Allali nicht auf Wolke sieben. Er bleibt schön auf dem Teppich und warnt vor Übermut. „Was wir in der ersten Halbzeit gegen Darfeld gezeigt haben, fand ich überhaupt nicht gut“, monierte er, „ich würd’ sogar sagen: Das war langweilig.“ Mit dem Auftritt bis zur Pause war Allali ganz und gar nicht einverstanden. „Wir hatten ein paar Chancen, haben aber viel zu viele Fehler gemacht“, ließ er kritische Töne fallen, „das war vielleicht 80 Prozent von dem, was wir können. Mehr nicht.“ Christoph Klaas stimmte ihm ohne Vorbehalte zu: „Wir sind noch nicht bei hundert Prozent.“

Nach dem Wechsel wusste sich die Mannschaft zu steigern. „Da haben wir die 20 Prozent rausgequetscht, die ich vorher vermisst habe“, sah er eine Verbesserung, „mit Wucht und Wut haben wir Druck erzeugt.“ Als Belohnung egalisierte der Goalgetter Lucas Jacobs (51.) per Strafstoß den 0:1-Rückstand durch André Uphaus (45.), der nach einer Stunde die rote Karte von Schiri Timo Ebbing erhielt. Für den Darfelder Abwehrchef war die eigentlich 90-minütige Sonntagsschicht gelaufen. Früher als gedacht. „Auch wenn wir danach einen Spieler mehr hatten, war der Gegner weiter brandgefährlich“, merkte Allali an, „Carsten Daldrup besonders, der ist wahnsinnig schnell auf den Beinen.“ Aber die Coesfelder nutzten nun gnadenlos und resolut ihre Freiräume, ließen Ball und Gegner laufen. Tim Püttmann (66.), der Handballer, der höchst erfolgreich zum Fußballer mutiert ist, Henrik Mauermann (76.) und erneut Lucas Jacobs (85.) schossen noch einen 4:1-Heimsieg heraus, der einerseits deutlich, andererseits zu hoch ausgefallen ist. Denn drei Tore schlechter waren die Darfelder mitnichten, was auch Allali ehrlich zugab.

Zoui Allali und sein Mitstreiter Christoph Klaas, zwei Vollbluttrainer, werden in den nächsten Tagen und Wochen aufpassen, dass ihre Kadetten nicht den Boden unter den Füßen verlieren. Beide wollen die Konzentration hochhalten, wohlwissend, dass die Konkurrenz alles tun wird, um dem Meisterfavoriten in die Parade zu fahren.

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