Schwimmen: Kathrin Lembeck toppt alle
Triumph nach nicht geplantem Endspurt

Coesfeld. Um 12 Uhr mittags war Schichtende. Eigentlich jedenfalls. Drei Stunden vor dem offiziellen Ende hatte Kathrin Lembeck genug. „46 Kilometer hatte ich mir vorgenommen, die waren erreicht“, erzählt die Schwimmerin des SC Coesfeld. Zu diesem Zeitpunkt ahnte sie allerdings nicht, dass sie noch einmal ins Wasser springen musste, um tatsächlich den Sieg in der Einzelwertung der Frauen einzufahren.

Dienstag, 14.01.2020, 11:03 Uhr aktualisiert: 14.01.2020, 11:20 Uhr
Siegerin mit persönlicher Bestmarke: Kathrin Lembeck schaffte es mit 48,35 Kilometern auf Platz eins und legte damit sogar mehr Bahnen zurück als der beste Mann. Fotos: Frank Wittenberg Foto: az

Denn plötzlich war ihr Daniela Marx-Elting von den Wasserfreunden Dülmen gefährlich nahe gekommen. Die bislang „ewige Zweite“, wie Cheforganisator Michael Lübke sie ohne jeden Hohn bezeichnet hatte, musste nachlegen: Gegen 14.15 Uhr zog Kathrin Lembeck kurzerhand weitere 94 Bahnen, schraubte ihr Ergebnis auf stolze 48,35 Kilometer und holte sich in Abwesenheit der Seriensiegerin Helga Linnenbaum erstmals Platz eins. Und das mit einem neuen persönlichen Rekord: „Bisher lag meine Bestmarke bei 45 Kilometern.“

Pausen hatte sich die 24-Jährige ansonsten kaum gegönnt. Aber die Nachtschicht im CoeBad kam ihr nicht ungewohnt vor, schließlich arbeitet sie als Kinderkrankenschwester – und kam praktisch aus dem Nachtdienst ins Wasser. „Bis morgens musste ich noch arbeiten“, erzählt sie. „Dann habe ich ein paar Stunden geschlafen und bin ins Schwimmbad gefahren.“ Dort zog sie nahezu kontinuierlich ihre Bahnen, pro Stunde fast durchweg um die 2,5 Kilometer. Erst am Morgen gegen 8 Uhr gönnte sie sich eine längere Auszeit für ein kleines Frühstück. „Rosinenbrötchen und ein Cappuccino“, lächelt sie. „Das musste reichen.“

Genau dann aber kam der berühmte Mann mit dem Hammer, mit dem schon viele Marathonläufer unfreiwillig Bekanntschaft geschlossen haben. Das blieb auch Kathrin Lembeck nicht erspart – „da wollte ich nur noch nach Hause.“ Die Müdigkeit setzte ihr nach schlafloser Nacht zu, zudem schmerzte die Schulter. Aber die 24-Jährige biss auf die Zähne, machte weiter und schüttelte die Erschöpfung nach einiger Zeit ab, so dass am Ende ein neuer persönlicher Rekord und endlich auch der erste Platz auf der Tafel standen. Kathrin Lembeck, die aus dem normalen Schwimmtraining bei SCC in den Wettkampf gegangen war, schaffte es bei ihrem sechsten Einsatz als Einzelschwimmerin und ihrer 15. Teilnahme insgesamt beim 24-Stunden-Schwimmen aufs oberste Treppchen.

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