Parasport: Mathias Mester hält an seinem Traum fest
Neues Ziel: Tokio 2021

Coesfeld. Nein, von einem geplatzten Traum will Mathias Mester nicht sprechen. „Der ist nur verschoben“, versichert der 33-Jährige. Die Absage der Paralympics in Tokio für 2020 fühlt sich im ersten Moment natürlich traurig an – „ist aber die absolut richtige Entscheidung, denn die Gesundheit geht vor.“ An seinen persönlichen Plänen ändert sich für den Coesfelder aber nichts: Dann soll die Medaille eben im Jahr 2021 her!

Freitag, 27.03.2020, 06:58 Uhr aktualisiert: 27.03.2020, 07:01 Uhr
In der Warteschleife: „Matze“ Mester muss seinen Traum von den Paralympics in Tokio um ein Jahr verschieben. Foto: az

Mester, den alle nur „Matze“ nennen, hat seinen Humor nicht verloren. „Lachen ist gesund“, betont er. „Und wenn ich schon meinem Sport nicht intensiv nachgehen kann, dann möchte ich den Leuten zumindest ein Lächeln ins Gesicht zaubern.“ Das pflegt er aktuell über seine Social Media-Kanäle, wo schon mal Liegestütze mit einem Bürostuhl oder „Quarantäne-Speerwurf auf eine Dartscheibe demonstriert werden. „Ich kann ja sonst gar nicht viel machen zurzeit“, zuckt er mit den Schultern. Ein bisschen joggen, dazu noch Workout in den eigenen vier Wänden, in denen er in Coesfeld mit seinem Bruder Marco wohnt.

Die Intensität seines Trainings musste er in den vergangenen Tagen zwangsweise herunterfahren. „Vor zwei Wochen kam zum ersten Mal das Gefühl auf, dass es angesichts der Corona-Krise eng werden könnte mit den Spielen in Tokio“, erinnert er sich. Immer mehr Sportveranstaltungen wurden abgesagt. Nachdem zuvor noch ein Training mit Einhaltung strenger Hygieneregeln möglich gewesen sei, ruht der gesamte Betrieb seit einer Woche. „Alle Olympia-Stützpunkte sind dicht“, erzählt der kleinwüchsige Sportler, der sich sonst in Münster, Köln und Stuttgart gezielt auf seinen Traum von den vierten Paralympischen Spielen vorbereitet.

Und jetzt? „Matze“ Mester geht davon aus, dass er zunächst eine komplette Trainingspause einlegen wird. „An Leistungssport ist zurzeit ohnehin nicht zu denken“, erklärt er. „Ich kann mich nur etwas fit halten.“ Abwarten und geduldig sein, so lautet das Gebot der Stunde. Noch steht der genaue Termin 2021 für Tokio nicht fest. Wenn der in trockenen Tüchern ist, wird er mit seinem Trainer den Vorbereitungsplan aufstellen. Einige Wochen werde es wohl noch dauern – „dann hoffe ich, dass das Leben wieder langsam hochgefahren werden kann.“

Dabei war der Weg nach Japan, wo die Paralympics im September stattfinden sollten, bislang perfekt geebnet. „Ich war noch nie so früh so gut in Form wie jetzt“, bedauert er die freilich nachvollziehbare Zwangspause. Dass der Karrierehöhepunkt nun ein Jahr später stattfinden wird, betrachtet Mester mit leicht gemischten Gefühlen. „Ich gehöre sicherlich zu den Athleten, bei denen es nicht leichter wird“, verweist er auf sein Alter von 33 Jahren. Andererseits könne die Verschiebung auch zum Vorteil werden nach dem vergangenen Jahr, in dem er wegen anhaltender Verletzungsprobleme die WM in Dubai absagen musste: „Vielleicht kommt mir zugute, dass ich nun mehr Zeit haben, alles aus mir herauszuholen.“

Denn „Matze“ Mester bleibt dabei: verschoben, nicht aufgehoben. An seinem großen Traum will der Coesfelder nicht rütteln lassen, der 2008 in Peking Silber im Kugelstoßen gewonnen und mehrfach WM- und EM-Gold geholt hat. „Die paralympische Goldmedaille fehlt mir noch“, lächelt er. 2021 in Tokio will er das nachholen.

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