Fußball: Pfingstmontag 1973 verliert die Kombination ESV/Raspo gegen Borussia Mönchengladbach 2:10
Die Oberschenkel des „Terriers“

Coesfeld. Das Zusammentreffen mit Berti Vogts wirkt auch fast 47 Jahre später noch eindrucksvoll nach. „Als ich die Oberschenkel gesehen habe“, schüttelt Wolfgang Dittrich den Kopf, „da habe ich Angst bekommen.“ Zurecht, denn gegen den „Terrier“, der später als Spieler Weltmeister und als Trainer Europameister wurde, sah der „schnellste Stürmer der Liga“ kein Land. Dennoch: Dieses Spiel der Coesfelder Stadtauswahl gegen Borussia Mönchengladbach blieb ein außergewöhnliches Erlebnis – für die Spieler auf dem Feld und für die Fans am Seitenrand.

Samstag, 04.04.2020, 10:00 Uhr
Sein letztes Spiel im Trikot von Borussia Mönchengladbach vor dem Wechsel zu Real Madriid absolvierte Günster Netzer (links) in Coesfeld, hier gegen Franz-Josef Roggenland. Fotos: Archiv Foto: az

Ein Stück weit nahm die Partie gegen den Fußball-Bundesligisten an diesem 11. Juni 1973, dem Pfingstmontag, eine historische Bedeutung an: Es war der letzte Auftritt von Günter Netzer im Borussen-Trikot vor seinem Wechsel zu Real Madrid, und das ausgerechnet in Coesfeld.

Die Initiative zu diesem besonderen Freundschaftsspiel war von Werner Demes ausgegangen, damals Fußball-Obmann beim ESV. Jeweils acht Spieler der Eisenbahner und des Rasensport waren dazu von Trainer Dieter Kemmerich nominiert worden, darunter eben Wolfgang Dittrich, der damals für den ESV in der Landesliga stürmte und in einer messerscharfen Stärken- und Schwächen-Analyse in der AZ als „zäher Kämpfer, der im Kopfballspiel Schwächen aufweist“ beschrieben wurde. „Gegen die Gladbacher mit allen Stars aufzulaufen, war ein Traum“, erzählt der heute 71-Jährige. An seiner Seite standen Franz-Josef Kleine Jäger (Torwart), Günter Kreimer, Josef Gohr, Udo Peters, Theo Fressmann, Klaus Brockhoff und Franz-Josef Johland (alle ESV) sowie Werner Fiege (Torwart), Hansi Kühl, Rainer „Pilo“ Böwing, Franz-Josef Roggenland, Heiner Eismann, Siggi Dittmar, Heinz Schlüter und Klaus Vormann (alle Rasensport). „Wir waren ein Jahr vorher in die Landesliga aufgestiegen, Raspo spielte in der Bezirksliga“, blickt Dittrich zurück.

Und dann kamen die Gladbacher zum Raspo-Platz – und mit ihnen rund 5000 Zuschauer. Die Befürchtung, Trainer Hennes Weisweiler könnte etliche der Stars schonen, bewahrheitete sich nicht: Lediglich die verletzten „Hacki“ Wimmer und Rainer Bonhof waren nicht dabei, ansonsten tummelten sich Spieler wie Günter Netzer, Berti Vogts, Uli Stielicke, Jupp Heynckes, Henning Jensen, Allan Simonsen oder Wolfgang Kleff auf dem Feld. Die zeigten schnell, was sie draufhatten: Bernd Rupp erzielte in der vierten Minute nach Vorarbeit von Berti Vogts das 0:1, bis zur 19. Minute erhöhten Henning Jensen per Kopf nach Netzer-Flanke, Dietmar Danner und erneut Jensen auf 0:4. Dittrichs Gegenspieler Berti Vogts erhöhte auf 0:5 – „gegen den habe ich kein Land gesehen.“ Das halbe Dutzend machte Günter Netzer voll.

Dann räumte Vogts seinen Platz für den damals erst 18-Jährigen Uli Stielicke, was Wolfgang Dittrich entgegen kam. „Gegen ihn habe ich mich ein paar Mal durchsetzen können“, lächelt der Rechtsaußen, der in der 39. Minute eine blitzsaubere Flanke in den Strafraum schlug, wo Klaus Vormann mit einem Kopfball zum 1:6 traf. Seinen eigenen Treffer hatte Dittrich in der 43. Minute nach Pass von Franz-Josef Johland auf dem Schlappen, aber er scheiterte an Wolfgang Kleff.

Im zweiten Durchgang erhöhten Dietmar Danner, Günter Netzer, Henning Jensen und erneut Danner auf 1:10, ehe der Coesfelder Kombination durch ein Eigentor noch der zweite Ehrentreffer zum 2:10-Endstand gelang.

Für Wolfgang Dittrich blieb das in seiner Fußballer-Laufbahn das beeindruckendste Erlebnis. Zehn Jahre kickte er für den ESV, dann vier Jahre mit der TSG Dülmen in der Landesliga, ehe er dort als Mitglied des Sportausschusses den Aufstieg in die Verbandsliga begleitete. Als Trainer stieg er in Goxel ein, war dann jeweils drei Jahre für TSG Dülmen II und ab 1990 für Raspo Coesfeld tätig. „Da bin ich bis zur Fusion 2006 als Sportlicher Leiter geblieben“, erzählt der 71-Jährige, der noch immer gerne Gast auf dem Sportplatz ist – vor allem da, wo er 1973 seine unheimliche Begegnung mit den mächtigen Oberschenkeln des „Terriers“ hatte. 7 Kombination ESV/Raspo Coesfeld – Borussia Mönchengladbach 2:10; Tore: 0:1 Bernd Rupp (4.), 0:2 Henning Jensen (12.), 0:3 Dietmar Danner (17.), 0:4 Henning Jensen (19.), 0:5 Berti Vogts (31.), 0:6 Günter Netzer (34.), 1:6 Klaus Vormann (39.), 1:7 Dietmar Danner (50.), 1:8 Günter Netzer (53.), 1:9 Henning Jensen (85.), 1:10 Dietmar Danner (88.), 2:10 Eigentor (89.).

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