Fußball: „Kleines Derby“ mit Tobias Hüwe (DJK-VBRS) und Jan-Frederik Tendiek (SG 06)
„Wir holen das in der Bezirksliga nach“

Coesfeld. Prickelnde Spannung, tolle Atmosphäre, die Entscheidung über Meisterschaft und Aufstieg, rund 2000 Zuschauer bei einem Kreisliga-Spiel – so hätte es gestern sein können. Laut Plan war der letzte Spieltag angesetzt mit dem Duell zwischen der DJK Coesfeld-VBRS und der SG Coesfeld 06. Das Coronavirus hat den Saisonhöhepunkt verhindert, aber dafür fand ein „kleines Derby“ mit Tobias Hüwe (28 Jahre, DJK) und Jan-Frederik Tendiek (25 Jahre, SG 06) statt. Unser Redaktionsmitglied Frank Wittenberg unterhielt sich mit den beiden Spielern über die abgebrochene Saison und das Wiedersehen in der Bezirksliga.

Montag, 25.05.2020, 07:15 Uhr aktualisiert: 25.05.2020, 07:20 Uhr
Rund 2000 Zuschauer wären gestern zum finalen Duell um Meistertitel und Aufstieg zwischen der DJK-VBRS und der SG 06 am Kunstrasen an der Reiningstraße erwartet worden – daraus wurde nichts. Jetzt freuen sich Tobias Hüwe (links) und Jan-Frederik Tendiek auf das Wiedersehen in der Bezirksliga. Fotos: fw Foto: az

Eigentlich würde das große Derby ausgetragen – wie wäre es ausgegangen?

Jan-Frederik Tendiek: Mit der Leistung aus der Hinrunde hätten wir hier gewonnen.

Tobias Hüwe: Ich glaube, dass wir in der Tabelle noch vorne gelegen hätten. Dann hätte uns ein Unentschieden gereicht.

Wie bitter fühlt sich das an, dass Ihr nicht auf dem Platz gegeneinander antreten könnt?

Hüwe: Sehr bitter. Das Hinspiel mit 1200 Zuschauern war für die A-Liga schon sehr besonders. Diesmal wäre es bestimmt noch voller geworden. Das hätte richtig Bock gemacht.

Tendiek: Das wäre ein Highlight für die beiden Vereine und die ganze Stadt geworden. So ein Erlebnis bekommt nicht jeder in seiner aktiven Karriere.

Wahrscheinlich war es beim 2:2 im Hinspiel die bislang größte Kulisse, vor der Ihr gespielt habt.

Hüwe: Ich denke schon. Als wir mit der DJK 2014 gegen Spexard in die Westfalenliga aufgestiegen sind, waren auch sehr viele Zuschauer am Platz.

Tendiek: Stimmt, da war ich auch im Kader. Ich habe aber an dem Abend nicht gespielt.

Hüwe: So eine große Zuschauerzahl gibt noch einmal die Extra-Motivation. Wie im Hinspiel bei der SG, als wir schon 0:2 in Rückstand lagen. Mit dem Anschlusstreffer zum 1:2 die Kulisse zu hören, war einfach irre.

Jetzt geht Euch dieses Erlebnis durch den Saisonabbruch verloren.

Tendiek: Das ist schade. Aber ich denke, dass in unserer Liga der Abbruch mit der Aufstiegswertung die beste Lösung ist.

Hüwe: Das sehe ich auch so. Diese Regelung ist vernünftig. Jetzt steigen wir beide auf und können das Derby in der nächsten Saison in der Bezirksliga nachholen.

Wie fühlt sich dieser Aufstieg jetzt an?

Hüwe: Egal, wer von beiden Mannschaften es am Ende geschafft hätte, das wäre eine Riesenfeier geworden. Das fehlt jetzt leider.

Tendiek: Wir sind natürlich glücklich, dass wir es jetzt geschafft haben. Aber so fehlt der Kick. Und den Aufstieg hier auf dem DJK-Platz zu feiern, wäre für mich als Ex-Blauer ganz speziell gewesen.

Stimmt, bei der SG spielen einige ehemalige DJK’ler . . .

Tendiek: Ja, neben mir zum Beispiel Timo Grabowsky, Tim Herbstmann oder Lucas Jacobs.

Hüwe: Bei uns spielen fast nur Coesfelder, aber kein einziger mit SG-Vergangenheit.

Andere Frage: Hättet Ihr dem jeweiligen Ortsrivalen den Aufstieg vor der Saison zugetraut?

Tendiek: Ehrlich gesagt hätte ich nicht damit gerechnet, dass die DJK so weit oben mitspielt. Dass sie sich so schnell gefunden haben, das hat mich überrascht. Aber dadurch war es umso schöner – ein super Zweikampf, das war schon in der Hinrunde zu sehen.

Hüwe: Die SG war für mich mit diesem Kader ganz sicher einer der Favoriten. Bei uns hatte ich wohl mit einem Platz in den Top fünf gerechnet, aber dass es so weit nach oben geht, nachdem die Mannschaft im Sommer zusammengewürfelt werden musste, das hatte ich nicht erwartet. Jetzt hat sich ausgezahlt, dass wir über Jahre ein so gutes Zusammenspiel zwischen der ersten und zweiten Mannschaft hatten.

Tendiek: Das ist übrigens auch bei uns ein großer Vorteil. Die Jungs aus der zweiten Mannschaft helfen immer super aus.

Jetzt geht es für beide in die Bezirksliga – das wird eine ganz andere Nummer, oder?

Hüwe: Wir waren zwar nur ein Jahr lang raus aus der Bezirksliga, aber unsere Mannschaft ist jetzt in Teilen anders zusammengesetzt. Wir werden uns umstellen müssen, denn wir bekommen es mit spielstärkeren Gegnern zu tun.

Tendiek: Das wird bei uns ähnlich sein. In der Kreisliga A haben wir das Spiel eigentlich immer selbst gemacht, das könnte sich jetzt mal ändern. Ich bin gespannt, weil wir etliche Jungs im Kader haben, die zum ersten Mal höherklassig spielen. Aber wir können das packen. Leider haben wir ein bis zwei Abgänge, aber wir bekommen auch Verstärkungen wie Lukas Höseler und Max Meßing dazu.

Hüwe: Bei uns wird die Umgewöhnung sicherlich nicht so groß sein, obwohl wir neue Trainer bekommen. Ich habe mit Karsten Erwig und Claus Heinze schon zusammen gespielt und bin mit beiden aufgestiegen – mit Claus sogar zweimal.

Wie stark wird die Bezirksliga und wo werdet Ihr landen?

Hüwe: Das kann eine tolle Liga werden. Viele von uns kennen das – am Ende werden wir über der SG stehen.

Tendiek: Abwarten. Ich bin gespannt, wie die Bezirksliga neu eingeteilt wird. Wir wollen unsere Punkte holen und den Klassenerhalt packen. Wenn es am Saisonende beide schaffen, ist es umso besser.

Und wie wäre das Derby jetzt ausgegangen?

Tendiek: Wir hätten 1:0 gewonnen, und das hätte mir gereicht.

Hüwe: Wir wären ja vor dem Spiel vier Punkte vor euch gewesen – dann hättet ihr gerne gewinnen können . . .

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