Mit 32 Jahren ist Michael Buß der Methusalem unter vielen jungen Wilden
Der Trainer drückt den Schnitt nach oben

Lette. Wenn er mal über alte Zeiten reden will, bleiben ihm nicht viele Gesprächspartner. „Jonas Böller vielleicht“, lacht Michael Buß. „Der ist gerade 27 geworden.“ Dahinter kommen fast ausschließlich Kicker, die vermuten könnten, die Welt sei noch schwarz-weiß gewesen, als „Methusalem“ Buß mit seinen 32 Jahren seine ersten Schritte im Fußball unternommen hat. „Die Mannschaft ist extrem jung“, weiß der neue Spielertrainer von Vorwärts Lette um seine Aufgabe. Darin liege aber auch eine Chance: „Diese Jungs kannst du noch formen.“ Ihnen will er seine Philosophie vermitteln.

Freitag, 04.09.2020, 13:40 Uhr
Zwei Youngster, die für Schwung in der Offensive von Vorwärts Lette sorgen sollen: Simon Besseler (links) und Justus Dreier sind Kicker aus dem eigenen Talentschuppen. Fotos: Frank Wittenberg Foto: az

In welche Richtung die zunächst einmal geht, liegt auf der Hand. 90 Gegentore (3,0 pro Spiel) waren es in der Saison 2018/19 – 3,05 im Schnitt pro Partie sogar in der abgebrochenen Corona-Spielzeit 2019/20. „Die Abstände auf dem Feld müssen enger werden“, weiß Buß, im „echten Leben“ Geschäftsstellenleiter der Sparkasse Westmünsterland in Rorup und fachlich versierter Schalke-Fan, um die wichtigste Aufgabe. Weniger Räume lassen, folglich dem Gegner auch weniger Torchancen ermöglichen, daran haben sie in der Vorbereitung gearbeitet und sich bewusst eine Reihe von Bezirksligisten vor die Brust genommen. „Wir wollten gefordert werden“, sagt der Trainer. „Die Entwicklung ist gut.“ Sie soll dahin führen, dass sie auf dem kleinen Kunstrasen im Ernting’s-family-Sportpark eine Macht werden. Für Michael Buß eine klare Sache: Gerade im eigenen Stadion müssen die Punkte her.

Und zwar so viele, dass sie diesmal nicht wieder um den Klassenerhalt bangen müssen. Einen Platz unter den Top Ten gibt Buß als Ziel aus, auch wenn ihm die Gegner nicht alle perfekt geläufig sind, weil er zuletzt in der Ahauser A-Liga unterwegs war. Die beiden starken Coesfelder Kontrahenten sind raus, überhaupt geht die Staffel mit einem Team weniger an den Start und nur einem Aufsteiger. „DJK Rödder hat mit Ahmed Ibrahim einen guten Spielertrainer“, zollt er dem Kollegen Respekt. Wenn es doch dazu kommen sollte, dass sie sich im unteren Drittel tummeln müssten – der Chef bringt Erfahrung mit. Beim SV Heek, wo er zwei Jahre als Spielertrainer tätig war, hat er das mit Bravour gelöst.

Wie weit es in der Tabelle nach oben geht? Abwarten. In der Spitzengruppe sehen sie sich nicht, da hat Buß andere Kandidaten auf dem Zettel. Westfalia Osterwick etwa: „Die sind für mich Favorit, auch weil Mario Worms viel Qualität mitbringt.“ Turo Darfeld könnte dazuzählen, vielleicht auch SW Holtwick. „Die sind mit ihrem körperlichen Spiel immer für eine vordere Platzierung gut.“ Dazu Fortuna Seppenrade, eine Mannschaft, die sich gerade in der Offensive verstärkt habe.

Eben diese Seppenrader sind der erste Gegner, dann folgt die Aufgabe gegen SW Holtwick. Beides Gegner, die eben nicht in der unteren Tabellenhälfte zu erwarten sind – umso wertvoller sei die anspruchsvolle Vorbereitung, in der sich Vorwärts mit etlichen höherklassigen Teams gemessen hat. Aber sie gehen es mutig an. Mit vielen jungen Wilden und einem erfahrenen Trainer, der eine Baustelle hinter sich gelassen hat: Das Eigenheim in Velen ist fertig, dort ist er mit seiner zukünftigen Frau Saskia im Frühjahr eingezogen. Also richtet sich der Fokus nun auf das Projekt Vorwärts Lette, wo er ebenfalls für ein stabiles Fundament sorgen will. „An der Teamchemie wird es jedenfalls nicht scheitern“, lächelt Michael Buß. „Da passt es gut, dass fast alle in einem identischen Alter sind.“ Außer der Chef selbst – aber für Fachsimpeleien über legendäre Zeiten kann er sich ja vertrauensvoll an Micky Richter und Michael „Schmiddi“ Schmitz wenden. 7 Über die höherklassigen Frauenteams berichten wir in der Woche vor dem 20. September.

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