Fußball: SG 06 setzt Marke, aber entspannt geht anders
Historischer Sieg mit Prickelfaktor

Coesfeld. Einfach mal entspannt, das wäre eine feine Sache – aber ein Gefühl, das Zoui Allali offenbar selten bis nie vergönnt ist. „Ich kann mich kaum erinnern, dass ich mal ein ruhiges Spiel hatte, seitdem ich bei der SG bin“, schüttelte er den Kopf. Ein 8:1 gegen Vorwärts Lette in der vergangenen Saison, oder ein 7:0 gegen GW Nottuln II, okay, aber schon ein paar Tage her. Ansonsten gilt: Wenn die SG Coesfeld 06 auf dem Platz steht, bekommen die Zuschauer in jeder Hinsicht etwas geboten: Spiel, Spaß und nicht zuletzt Spannung, auch wenn die beim 3:2 gegen den VfL Ramsdorf gar nicht nötig gewesen wäre.

Dienstag, 22.09.2020, 12:45 Uhr aktualisiert: 22.09.2020, 12:50 Uhr
Alles reinwerfen musste die SG Coesfeld 06, um am Ende den Sieg gegen den VfL Ramsdorf einzufahren – so wie Jannis Pier (rechts) im Duell mit Chris Hasselkus. Foto: Frank Wittenberg

Aber irgendwie passte es. Schließlich war es ein historischer Moment, wie der Sportliche Leiter Dirk Lowak es mit einem Lächeln feststellte: der erste Bezirksliga-Sieg seit der Fusion im Jahr 2006. Und außergewöhnliche Anlässe verdienen besondere Maßnahmen – ein souveräner 3:0-Sieg, wobei auch das vierte oder fünfte Tor noch hätte fallen können, wäre da beinahe schon zu schnöde. „So war es mal wieder ein völlig verrücktes Spiel“, stellte Allali fest. Eines, in dem die SG 06 durch zwei Gegentore binnen vier Minuten nach der Pause völlig unnötig den beruhigenden 3:0-Vorsprung fast verspielte. „Beide Tore waren vermeidbar, weil wir in den Situationen nicht konsequent genug nach hinten gearbeitet haben“, musste er mit seinem Trainerkollegen Christoph Klaas zusehen, wie aus einem scheinbar lockeren Spiel erneut ein Krimi erster Güte wurde. „Dabei hatten wir in der Halbzeit gezielt einige Dinge angesprochen“, betonte Allali. „Da passte nicht ins Bild, dass wir plötzlich solche Probleme bekommen.“

Damit waren die Ramsdorfer, die eigentlich schon geschlagen waren, wieder mittendrin. „Wir wollten nach dieser ersten Halbzeit eine Reaktion zeigen, und das ist uns gelungen“, zeigte sich Mike Börsting mit seinem Team zumindest in dieser Phase zufrieden. Das galt für die ersten 45 Minuten ganz und gar nicht, gab der Gescheraner in Diensten des VfL ehrlich zu. „Die erste Halbzeit haben wir völlig verschlafen, ohne Leben und Stimmung“, bilanzierte er. „Das 3:0 für die SG war auch in der Höhe verdient.“

Immerhin: Nach etwa 60 Minuten bekamen die Coesfelder wieder einen besseren Zugriff, ließen hinten nichts mehr zu – versäumten es aber, mit dem vierten Treffer für Ruhe zu sorgen. Chancen gab es durchaus, aber Tobias Sendfeld zielte nach einer Ecke per Kopf haarscharf daneben (65.), ehe Lucas Jacobs nur eine Minute später nach einer scharfen Hereingabe von Mika Rotthäuser den Ball aus einer zugegeben komplizierten Höhe aus nur einem Meter über den Kasten beförderte. Dann rettete VfL-Keeper Tim Dönnebrink mit einer Hand gegen Jacobs, der sich in den Fünfmeterraum gespielt und aus spitzen Winkel abgezogen hatte (86.). So brauchte die SG 06 das Glück, als eine verunglückte Flanke der Gäste in der Nachspielzeit an den Innenpfosten klatschte.

Strich drunter, gewonnen! „Ein erstes Etappenziel ist erreicht“, lächelte Zoui Allali. Dem ersten Heimsieg wollen sie nun den ersten Auswärtssieg folgen lassen – am liebsten schon am Sonntag beim VfL Billerbeck. Vorher steht am Donnerstag noch das Pokalspiel beim ASC Schöppingen an. Ungelegen? „Nein, denn wir können jeden Test gebrauchen“, betonte Christoph Klaas. Weiterkommen will der Halbfinalist 2019/20, aber die Partie auch dazu nutzen, Spieler an das Team heranzuführen. „Wir hatten heute sechs Leute auf der Bank, einige davon angeschlagen“, berichtete der Trainer. Sie könnten in Schöppingen Spielpraxis sammeln – wobei Klaas direkt nach dem Abpfiff gar nicht so weit blicken wollte: „Jetzt gibt es auf den ersten Bezirksliga-Sieg erstmal ein paar Getränke!“

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