Volleyball: Auch das Spiel heute in Essen ist abgesagt
Motivation bleibt am oberen Limit

Coesfeld. Seine Pläne für heute Mittag musste er kurzerhand umdisponieren. „Ich werde wandern gehen“, kündigt Udo Jeschke an. „Raus an die frische Luft.“ Sein Alternativprogramm zu dem, worauf er sich ebenso wie seine Spieler mächtig gefreut hatte: Auswärtspartie bei VV Humann Essen II, ein echter Kracher in der Regionalliga West, obendrein für den Essener Jeschke praktisch ein Heimspiel. Dazu kommt es allerdings zumindest vorerst nicht: Ab Montag rollt und fliegt im Sport kein Ball, aber die Volleyballer der SG Coesfeld 06 haben den Betrieb bereits vorzeitig eingestellt.

Samstag, 31.10.2020, 09:15 Uhr aktualisiert: 31.10.2020, 09:20 Uhr
Hinter Gittern: Henri Lammerding (rechts) und Fabian Röttgering sind zwar nicht weggesperrt, aber für zumindest vier Wochen zur Untätigkeit verdammt. Foto: Frank Wittenberg

Dabei hatte es lange so ausgesehen, dass diese Begegnung noch stattfinden könnte. „Beide Mannschaften hätten gerne gespielt“, erklärt Abteilungsleiter Philipp Heuermann. Nachdem der Regionalliga-Spielausschuss zunächst noch das Signal gegeben hatte, an den für dieses Wochenende angesetzten Partien festhalten zu wollen, kam dann doch die Absage. So gerne sie angetreten wären, die SG’ler akzeptieren die Entscheidung mit Verständnis. „Alle Sportarten im Amateurbereich setzen jetzt das Zeichen und hören vorzeitig auf“, sagt Heuermann. „Auch wir müssen da zurückstecken.“

Vor dem Hintergrund der steigenden Infektionszahlen sei damit zu rechnen gewesen, und natürlich gehe die Gesundheit immer vor, betont Udo Jeschke. Aus rein sportlicher Sicht ist die Zwangspause für die ambitionierten Coesfelder aber ein echter Nackenschlag. „Wir waren gerade im Rhythmus und mitten in der Arbeit“, schüttelt der Trainer den Kopf. Die Entwicklung der Mannschaft erfolge Stück für Stück – ein Prozess der nun unterbrochen werde. „Aber es bringt nichts, sich unnötig zu grämen“, sagt er. „Es ist eine außergewöhnliche Situation mit diesem Virus, da müssen wir durch.“

Verkraftbar, wenn es bei vier Wochen Lockdown bleibt. Die Saison in irgendeiner Form durchziehen, auf jeden Fall eine gerechte Wertung hinbekommen, das muss das große Ziel sein, betont Philipp Heuermann. „Wir haben schon zu viel investiert, als dass uns jetzt alles genommen wird“, verweist er darauf, dass der Volleyball für ihn und seine Teamkollegen sicherlich ein Hobby sei, aber eben ein sehr ambitioniertes, das einen großen Teil des Lebensinhaltes bestimme. „Keine Wertung ist keine Option!“

In der Pflicht steht nun der Verband. Die Vereine sollen gehört werden, weiß Udo Jeschke. Gegebenenfalls könne nur die Hinrunde ausgetragen werden – „dann wären wir in einer komfortablen Situation“, lächelt der Trainer, dessen SG’ler mit fünf Siegen aus fünf Spielen einen hervorragenden Start hingelegt haben und nachhaltig an die Tür zur Dritten Liga klopfen. Alle Spieltage noch durchziehen zu können, erscheine angesichts der engen Taktung wohl sehr fraglich.

Erst einmal vier Wochen überbrücken, in der Hoffnung, dass es dabei bleibt. „Das wird zu bewältigen sein“, schätzt Jeschke, der mit seinen Trainingsprogrammen zumindest dafür sorgen will, seine Jungs mit Übungen für Kraft und Schnellkraft physisch auf der Höhe zu halten. „Jeder hat sich sogar einen Ball mit nach Hause genommen, um das Gefühl dafür zu bewahren“, berichtet Philipp Heuermann. Der November werde zu überbrücken sein, ist er sich sicher. Aber dann, betont der Abteilungsleiter, müsse eine Perspektive her. „Vier Monate nur im Home-Gym ohne ein greifbares Datum, da wäre die Motivation nicht zu erhalten.“

Folglich hoffen sie darauf, im Dezember auf das Parkett zurückkehren zu können. Zumindest für Trainingseinheiten, wenn auch noch nicht sofort im Wettkampf-Modus. „Zwei Wochen volleyball-technische Vorbereitung braucht es schon“, sagt Jeschke. Aber da seien alle Mannschaften ja in der identischen Situation. Sie wollen raus, wieder um Punkte spielen, sich mit der Konkurrenz messen – „und wenn es vorher nur eine Trainingseinheit gibt“, gibt sich Philipp Heuermann kämpferisch. „Dann ist es eben so!“

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